Sonntag, 8. März 2009

Das Ende und der Anfang

So, das war’s. Nach 384 Posts und fast anderthalb Jahren ist Schluss auf „Blogger“. Ich mache die Tür hinter mir zu, schließe mit etwas Wehmut und viel Vorfreude ab und beziehe meine neuen vier Wände auf

www.entscheidend-is-aufm-platz.de

Der neue, alte Blog-Titel zeigt es schon: Inhaltlich, thematisch, stilistisch bleibt alles beim Alten. Auch auf der Wordpress-Seite wird es kunterbunt durch die Welt des Fußballs gehen – wie gehabt mit den Schwerpunkten Bundesliga und Borussia Mönchengladbach.

Demnach ist es auch nicht unbedingt an der Zeit für große (Abschieds-)Worte. Mein Umzug ist einfach ein logischer Schritt, der mir mehr Unabhängigkeit beim Bloggen beschert und in gewisser Weise den Wunsch nach einem optischen Tapetenwechsel erfüllt. Ein Ende also, das zugleich ein Anfang ist.

Dennoch möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses Blog seit Oktober 2007 oder von einem späteren Zeitpunkt an verfolgt und damit dazu beigetragen haben, dass ich nie die Lust am Bloggen verloren habe und ich heute, nach 17 Monaten, stolz auf etwas blicken kann, was durchaus die Bezeichnung „Stammleserschaft“ verdient. Danke für die täglichen, wöchentlichen und auch die sporadischen Besuche. Danke für Kommentare, Anregungen und Kritik. Danke fürs Kommen und hoffentlich auch fürs Wiederkommen.

Man sieht sich „auf’m Platz“. Dort, wo’s immer noch „entscheidend is‘“.

Dienstag, 3. März 2009

"Entscheidend is auf'm Platz" zieht um

Am Sonntag soll es so weit sein: "Entscheidend is auf'm Platz" verlässt nach fast anderthalb Jahren und knapp 400 Posts sein Elternhaus namens Blogger und erklärt seine Unabhängigkeit. Der Anstrich wird ein neuer sein, ansonsten bleibt alles beim Alten. Aus .blogspot.com wird .de.

Bis Samstagabend kann rechts in der Sidebar abgestimmt werden:
Wie soll der Header der neuen Seite aussehen?

Vorschlag 1
Vorschlag 2
Vorschlag 3
Vorschlag 4

Der Rechtsweg ist übrigens ausgeschlossen. Zu gewinnen gibt es auch nix.

Sonntag, 1. März 2009

Mission 40/22:
Zwei Gesichter, ein Elfer, keine Punkte

Nach zwei Abwehrfehlern und einer beherzten zweiten Halbzeit unterliegt Gladbach mit 1:2 beim neuen Tabellenführer in Berlin. Warum die heimische Kaffeetafel ihre beschwörende Wirkung verfehlte, Rob Friend bei der Grizzlyjagd versagt hat und der Rasen nicht gemäht wurde.

Es gibt Bundesligastädte, die verleiten in kulinarischer Hinsicht einfach zur Wortspielerei. Dementsprechend kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass der Snack am Samstagnachmittag um 15:30 Uhr entweder aus der Stadt des Gegners stammt oder den Namen der dortigen Einwohner trägt. Wenn die Reise also nach Berlin geht, ist die Menüauswahl relativ eindeutig. Was für Hannover – Gegner am letzten Wochenende – nicht unbedingt gilt. Denn Rheinischer Sauerbraten ist erstens nichts für den Samstagnachmittag, zweitens dürfte Pferdefleisch nicht unbedingt jedermanns Sache sein und drittens muss ein galoppierender Hannoveraner eben nicht zwangsläufig aus der Hauptstadt Niedersachsens stammen.

„9 gefüllte Mini-Berliner“ offenbarte also die Gebäckpackung aus dem ortsansässigen Supermarkt. Die Zahl neun ist übrigens keineswegs auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich neun Berliner nun einmal optisch ansprechend im Quadrat verpacken lassen, sondern erfüllte rein beschwörende Zwecke. Vielleicht würde Schiri Gagelmann sich ja zu zwei Platzverweisen gegen die Hertha hinreißen lassen und am Ende wären sowohl vor dem Fernseher als auch im Olympiastadion neun Berliner „verputzt“ worden. Na gut, genug der Wortspielerei, aber irgendetwas muss man ja versuchen, wenn ein Auswärtsspiel beim eiskalten Großchancenverwerter aus der Hauptstadt ansteht, wo die Borussia von den vorhergegangenen vier Gastspielen nur einen Zähler mit nach Hause brachte.

Nichts muss, alles kann

Dreizehn Partien vor dem Saisonende, mit der ausbaufähigen Ausbeute von 16 Punkten im Rücken, gilt von nun an in jedem Spiel die Devise: Nicht immer muss es, aber es kann immer. Sprich, es gibt Pflichterfolge gegen direkte Konkurrenten und ansonsten Spiele ohne Ende, in denen jedes Pünktchen ein Bonus wäre. Wobei die Rechnerei bezüglich der benötigten Punktzahl für den Klassenerhalt sich ohnehin erübrigt. Denn was bringt es, dank ausgetüftelter Analysen auf 32 zu holende Zähler zu kommen, diese dann pflichtbewusst einzufahren und am Ende dennoch auf Platz 17 zu landen, weil es die Anderen rein gar nicht interessierte, was die Theorie Anfang März über den designierten Saisonverlauf orakelt hat?

Im Vergleich zum Sieg gegen Hannover gab es zwei Änderungen. Levels ersetzte Dorda diesmal von Beginn an, nachdem er letzte Woche eine gute Figur abgegeben hatte, als er für den damals ziemlich desorientierten Dorda ins Spiel gekommen war. Patrick Paauwe rückte als Galasek-Vertreter in die Startelf und drückte damit trotz seiner 33 Jahre den Altersschnitt im Vergleich zur Vorwoche. Galaseks Ausfall sollte im Nachhinein dennoch einen positiven Nebeneffekt haben: Jeder durfte eindrucksvoll feststellen, wie wichtig der unscheinbare, aber zuverlässige Methusalem vor und gelegentlich auch hinter der Abwehr wirklich ist.

Erinnerungen an Bremen - fünf Minuten lang

Die Hertha nahm gleich das Heft in die Hand und dominierte die ersten Minuten. Bereits nach kurzer Zeit stand das Eckenverhältnis bei 5:0 – Erinnerungen an die Strafraumschlacht von Bremen wurden wach. Vor zwei Wochen hatte sich die Borussendefensive einem wahren Luftangriff Werderaner Eckbälle entgegenstemmen müssen und war dennoch nur einmal gefallen.

Doch anders als damals kehrte schon bald Waffenruhe ein. Heimlich, still und leise wagte sich die Borussia in Richtung Marathontor und demonstrierte damit gleich zu Beginn: Wenn wir hier schon wie so viele zuvor mit einem Tor verlieren sollten, dann auf keinen Fall mit 0:1. Die Hertha antwortete jedoch prompt auf die vagen Gladbacher Angriffsversuche. Raffael tauchte plötzlich frei vor Bailly auf. Der Titan im Fohlen-Tor parierte den Schuss, indem er den Ball geschult zwischen Kinn und Brust einklemmte und ihn mit einem gekonnten Kopfwackler bis an die Mittellinie beförderte.

Die „Alte Dame“ zeigte sich beeindruckt und blieb dem gegnerischen Kasten fürs Erste fern. Ab der zehnten Minute hatte die Borussia das Spiel weitgehend unter Kontrolle. Bradley scheiterte bei der ersten Chance aus spitzem Winkel. Marin und Baumjohann, erstmals in Rückrunde auswärts gemeinsam in der Startelf, wirbelten durch die Berliner Abwehr-Leuchttürme Simunic und Friedrich wie ein Staubsauger um die Beine eines massives Eichentisches. Doch der durchaus ansehnliche und überraschende Aufwand verpuffte – wie so oft – ohne Wirkung. Auf der Gegenseite gab es nach einer knappen halben Stunde die Quittung. Wie so oft.

Im Mittelkreis beobachtete Friend den Berliner Cicero mit soviel Vorsicht und Sicherheitsabstand wie ein unerfahrener Jäger einen 600-Kilo-Grizzly in der kanadischen Prärie. Das Beobachtungsobjekt nutzte die großzügige Handlungsfreiheit zu einem geschickten 40-Meter-Pass, der genau in einem 50 Quadratmeter großen Viereck merkwürdig positionierter Gladbacher aufsetzte und sich von dort seinen Weg zu Andrij Voronin bahnte, der Logan Bailly keine Chance ließ. Gladbachs Viererkette wirkte in dieser Szene einmal mehr so stabil wie eine Autobahnbrücke aus Play-Doh-Knete.

Unterschiede zu 2006/07 nähren die Hoffnung

Wir spannen an dieser Stelle, wie schon so oft in dieser Spielzeit, einen Bogen zur Abstiegssaison vor zwei Jahren, als der VfL Borussia 1900 allzu oft der VfL Borussia 19-0:1 gewesen war. Voronins Führungstreffer hätte damals das Endergebnis bedeutet. Man hätte getrost eine ganze Staffel „Die Wicherts von nebenan“ gucken oder den Rasen mähen können, ohne etwas Nennenswertes zu verpassen. Und wenn ich so an jenes Jahr zurückdenke und die aktuellen Chancen auf den Klassenerhalt irgendwie einordnen will, ist die Tatsache, dass es diesmal in der Regel anders läuft als 2006/2007, häufig mein größter Strohhalm, an den ich mich klammere.

Unter „anders laufen“ habe ich mir jedoch etwas anderes vorgestellt als das 0:2 durch Pal Dardai, der erstmals seit fast genau zwei Jahren ein Bundesligator erzielte. Dass ihm das ausgerechnet gegen die Borussia gelang, wollen wir jetzt mal ganz kulant und äußerst blauäugig dem Zufall zuschieben. Filip Daems stand erneut falsch und kam später zum Ort des Geschehens als alle Intercitys am Bahnhof Zoo zusammen – wenn unser besten Innen-, Links- und Rechtsverteidiger schon patzt, dann kann man eigentlich getrost einpacken.

Es wäre der Borussia also nicht zu verdenken gewesen, wenn sie nach einer desillusionierenden ersten Hälfte den Kopf in den Sand gesteckt hätte. Die Hertha hatte ihre wenigen Torchancen mit einer Eiseskälte verwandelt, wie man sie sonst nur vom Polarkreis kennt – und da ist es, Erderwärmung hin oder her, immer noch verdammt kalt. Man kann sich von Mannschaften, die sowohl technisch als taktisch haushoch überlegen sind, an die Wand spielen lassen und nachher feststellen, dass ein 0:2 oder 0:3 noch immer als „Schadensbegrenzung“ einzustufen ist. Andererseits ist es auch möglich, nach 45 in der Offensive nicht allzu schlechten Minuten dank zweier Böcke schier uneinholbar im Hintertreffen zu liegen. In diesem Fall darf man, wie Hans Meyer es vormachte, ausnahmsweise schon einmal in der Halbzeit drei Minuten lang konsterniert und mit leerem Blick auf der Bank verharren.

Aufgeben keine Option an diesem Nachmittag

Doch als die Elf vom Niederrhein eine Viertelstunde später aufrecht und mit dem Kopf am rechten Fleck auf den Platz zurückkehrte, wurde schon bald klar, dass Aufgeben an diesem Nachmittag keine Option sein sollte – obwohl die Borussia einen Zwei-Tore-Rückstand zur Pause letztmals vor zwölf Jahren egalisiert hat.

Oliver Neuville kam für Karim Matmour. Wenigstens diesen Rat hat Hans Meyer angenommen. Gladbachs Außenstürmer aus Algerien hatte sich in Hälfte eins einmal mehr relativ kopflos durch die Abwehr des Gegners gestochert und dabei in etwa soviel Ertrag eingebracht wie ein Weizenfeld in der Sahara. Folgerichtig blieb er in der Kabine.

In den Folgeminuten tauchte das Marathontor des Olympiastadions nur noch selten am linken Bildrand auf. Fast alles spielte sich in der Hälfte der Hertha ab, die sich von nun an regelrecht dort einkesselte. Die Borussia zeigte sich mehr als gewillt, aus wenig immerhin noch etwas mehr zu machen und zumindest den Anschlusstreffer herbeizuführen. Fast war es so weit, als Neuville völlig frei vor Drobny auftauchte und den Ball am Tor vorbeisetzte. Einen Hauch von Voronins Eiseskälte und es hätte nach 55 Minuten 1:2 gestanden. Doch Neuville ist eben gebürtiger Südländer.

Wie ein Faultier auf der Tanzfläche einer Großraumdisko

In der 69., Lamidi war mittlerweile für Paauwe gekommen und hatte das Verhältnis Offensiv-/Defensivspieler ausgeglichen, wurde Marin nach gutem Zuspiel im Strafraum von Friedrich gefällt. Schiri Gagelmann zeigte auf den Punkt und ließ alle Borussen erst einmal in den Geschichtsbüchern kramen, wann es denn den letzten Bundesligaelfer für und ausnahmsweise nicht gegen die Borussia gegeben hatte. Es war am 12. August 2006, beim ersten Saisonspiel gegen Energie Cottbus. Damals hatte Oliver Neuville verwandelt. Doch gegen die Hertha war es Michael Bradley, der sich den Ball schnappte und sicher in die Mitte des Tores beförderte (sicher, weil Drobny sich Gott sei Dank von dort wegbewegt hatte).

An dieser Stelle einmal eine kleine Lobeshymne auf Gladbachs 21-jährigen Amerikaner: Mit einem Notenschnitt von 4,50 ist er zwar aktuell der zweitschlechteste Spieler der ganzen Bundesliga. Doch während er in der Hinrunde phasenweise so fremd wirkte wie ein Faultier auf der Tanzfläche einer Frankfurter Großraumdisko, ist er nun endlich angekommen, übernimmt Verantwortung und fällt auf. Geht es so weiter, könnte bis zum Saisonende aus der 4,50 noch eine 3,89 werden. Gegen die Hertha hatte Bradley die meisten Ballkontakte aller Gladbacher.

Sein nordamerikanischer Kollege aus dem Land, das es nach US-Ansicht gar nicht gibt (vgl. Bielefeld), ist dagegen weiter denn je entfernt davon, irgendeine positive Kritik zu bekommen. Rob Friend kratzt mit seiner 4,16 inzwischen an der Flop 20 der Bundesliga. Falls sich jemand wundern sollte, warum Ranger Rob seit Beginn der Rückrunde so selten in diesen Texten auftaucht: In der Hinserie gab es wenigstens Anlass, sich über vergebene Torchancen zu ereifern. Doch selbst die sind momentan Mangelware. Gladbachs Kanadier ist ein echter "Friend-Körper" im Angriff und warum er immer noch Spiel für Spiel von Beginn an aufläuft, ist mir ein Rätsel. Doch bevor ich das herausfinden werde, löse ich eher den Rubikwürfel im Handstand.

Torschüsse, Zweikämpfe, Ballbesitz - Borussia überlegen

Als die Hertha neun Minuten nach dem Anschlusstreffer noch immer nicht über fahrlässig vergebene Kontergelegenheiten hinauskam, brachte Meyer mit Colautti nach Friend und Lamidi den dritten Stürmer in die Partie und opferte dafür den in der zweiten Halbzeit blassen Baumjohann. Marin, Colautti und Lamidi brachten die Borussia bis zum Ende zwar noch in puncto Torschussbilanz in Front. Doch während das Schlusslicht in dieser Kategorie mit 18:16 gewann und auch in Sachen Ballbesitz und Zweikämpfe die Nase vorn hatte, blieb es auf der Anzeigetafel beim 1:2.

In der Nachspielzeit war es sogar noch Logan Bailly, der das scheinbar sichere 3:1 durch Domovchiyski titanisch vereitelte. Insgesamt sechsmal musste er im Laufe des Spiels eingreifen – zweimal war er machtlos, zweimal auf dem Posten und zweimal überragend.

„Cleverness schlägt jugendlichen Leichtsinn“, versucht Hans Meyer nach Abpfiff die Gründe für die 14. Saisonniederlage zu umschreiben. Doch sein Urteil ist beileibe etwas zu einseitig. Es ist in Ordnung, den jungen Filigrantechnikern mangelnde Geradlinigkeit zu bescheinigen und mehr "Sachlichkeit" einzufordern. Gleichzeitig hätte er jedoch auch konstatieren müssen, dass beim 0:1 durch Voronin die drei Schlafmützen Friend, Stalteri und Daems im Schnitt 29,7 Jahre alt waren und beim 0:2 der Letztgenannte, 30, erneut nicht auf dem Posten gewesen ist. Gladbachs drei beste Gelegenheiten im zweiten Durchgang vergaben ein 35-jähriger und 26-jähriger. Auf der anderen Seite holte ein Teenager den Elfer raus, den ein 21-jähriger sicher verwandelte. Eben jener Teenager, von Meyer nach dem Spiel einmal mehr explizit kritisiert, war es übrigens auch, der über 90 Minuten zu den Agilsten gehörte und mit einem schlitzohrigen Freistoß in die kurze Ecke beinahe Herthas Keeper Drobny auf dem falschen Fuß erwischte. Sein 22-jähriger Kollege Levels war zudem Bester in der Defensive. Bailly (23) unternahm zwar einen Ausflug ins Kuriositätenkabinett, als er Friend bei einem Abstoß am Hinterkopf traf und der Abpraller in Richtung Tor kullerte. Unterm Strich jedoch hielt er erneut gut und war bei beiden Gegentoren ohne Abwehrmöglichkeit.

Meyer gibt den Missmutigen zur falschen Zeit

Meyers Einzelbewertungen sind eintönig, seine Gesamtanalysen wie Fähnchen im Wind. Im Laufe der Pleitenserie im Herbst ließ er nicht locker, alle noch so unterschwellig positiven Szenen aufzuaddieren und am Ende seiner Mannschaft „x richtig gute Minuten“ zu bescheinigen (x<30). Jetzt lässt die Borussia trotz eines 0:2-Pausenrückstandes beim Tabellenführer, der nun neunmal in Folge zuhause gewonnen hat, nicht locker. Und trotzdem setzt Meyer ein völlig falsches Signal, indem er diesem Auftritt anscheinend rein gar nichts Positives abgewinnen will. Er hätte das Aufbäumen in Hälfte zwei wohlwollend zur Kenntnis nehmen und den Schwung mit ins schwere Heimspiel gegen den HSV nehmen können. Stattdessen gibt er den Missmutigen zum falschen Zeitpunkt.

Trotz Mauertaktik hat die Borussia in drei Auswärtsspielen nach der Rückrunde jetzt fünf Tore kassiert – mit jedem anderen (menschlichen) Torhüter wären in Bremen vermutlich drei hinzu gekommen. Der Sturmlauf in der Hauptstadt brachte am Samstag letzten Endes nur ein Elfmetertor und viele fahrlässig liegen gelassene Konterchancen der Hertha ein. Vielleicht wäre demnächst zur Abwechslung einmal der Mittelweg angebracht. Mit Viererkette, Galasek und Bradley vor der Abwehr, Marin und Baumjohann im offensiven Mittelfeld und dazu mit dem Aufstiegsduo Friend und Neuville im Angriff. Einen Versuch wäre es wert.

Ernährungsumstellung als Punktelieferant

Aufgrund des Dreiers von Bochum gegen Cottbus hat sich das rettende Ufer wieder um einen Punkt entfernt. In dieser Lage kann und muss man fast so weit gehen, gegen Hamburg einen Sieg zu fordern. Der HSV hat bislang nur vier seiner elf Auswärtsspiele gewonnen, ist Achter der Auswärtstabelle und hat am Sonntag gegen Wolfsburg die erste Heimpleite kassiert. Und vielleicht steht nächsten Samstag nach Spielende dann ja ein Besuch im Fast-Food-Restaurant an. Was mit Berlinern nicht funktioniert hat, wird dann hoffentlich mit Hamburger hinhauen.

Samstag, 28. Februar 2009

Unentschieden ins Achtelfinale

Über Bremer Remiskönige, das rigorose K.o.-System und rekordverdächtige Bayern

Die Tabelle lügt nicht. Immer noch nicht. Die Bundesliga hat am Donnerstag zwei ihrer fünf nach der Winterpause verbliebenen Starter verloren - die drei letzten Mohikaner führen folgerichtig die interne deutsche Fünfjahreswertung an.

Der VfL Wolfsburg, nach einer starken Gruppenphase noch als potentieller UEFA-Cup-Sieger gehandelt, musste nach seinen beiden ersten Niederlagen im laufenden Wettbewerb prompt die Segel streichen. In der K.o.-Runde ist eben kein Platz mehr für Ausrutscher.

Von den besagten Ausrutschern hat sich Werder Bremen im Laufe der Saison eigentlich schon so viele geleistet, dass der Achtelfinaleinzug der Grün-Weiß beinahe die Züge der berüchtigten "Wunder von der Weser" trägt. Acht Europacupspiele hat Werder absolviert und nur eines gewonnen (gegen Inter Mailand).

Weil der Tabellenelfte der Bundesliga jedoch auch nur einmal verloren hat (gegen Panathinaikos Athen), steht er jetzt in der Runde der letzten Sechzehn und wird dort auf AS St.-Etienne treffen. Der Dominator der 60er- und 70er-Jahre in Frankreich weilt in der Ligue 1 derzeit nur auf Platz 18 - Werder winkt mit nicht allzu geringer Wahrscheinlichkeit der Einzug ins Viertelfinale.

Aus deutscher Sicht übernimmt der Hamburger SV bislang die Rolle des FC Bayern im UEFA-Cup: Sechs Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage brachten den souveränen Durchmarsch und aktuell Rang zwei in der ultimativsten aller ultimativen Tabellen. Auch hier ist der Titel greifbar - neben der Bundesliga, dem DFB-Pokal und dem UEFA-Cup tanzt der HSV demnach auf vier Hochzeiten.

Und die gerade schon erwähnten Bayern? Fertigen Sporting Lissabon auswärts mit 5:0 ab, landen den höchsten Sieg ihrer Champions-League-Historie und müssen sich ausnahmsweise man dafür rechtfertigen. Der Kantersieg in Portugal war gleichzeitig der dritthöchste in allen K.o.-Spielen der Champions League seit 1993 - Manchester United gewann einst mit 7:1 gegen AS Rom, Werder Bremen unterlag Olympique Lyon mit 2:7.

Das Titelrennen an dieser Stelle ist demnach weiterhin offen. Bremen müsste den UEFA-Cup jedoch wohl schon gewinnen, um am Ende ganz vorne zu landen.


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Mittwoch, 25. Februar 2009

Mission 40/21: Jecker Befreiungsschlag

Gladbach setzt das verzweifelt erwartete Zeichen mit einem 3:2 gegen Hannover und lässt wieder Hoffnung im Tabellenkeller aufkeimen. Was Marko Marin mit Alberto Tomba verbindet, warum die Kathedrale des Aberglaubens stabiler dasteht als je zuvor und Logan Bailly (noch) kein Uwe ist.

Ein Jahr ist bekanntlich so voll gepackt mit Festen, Feiertagen und sonstigen Abzweigungen vom Alltag, dass man manchmal nicht weiß, wo einem der Kopf steht. Man schleppt sich von Weihnachten über Silvester bis Karneval, um irgendwie bis Ostern zu kommen, und reißt ein Kalenderblatt nach dem anderen ab, als sei es dreilagiges Klopapier.

„Tanz in den Mai“, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam – freie Tage, schönes Wetter, alles wunderbar. Irgendwann hat der Mensch dann auch noch Geburtstag, begeht die Gedenkfeiertage im Oktober und November, bastelt Laternen zu St. Martin und stellt am 6. Dezember seine Stiefel, Sneaker, Adiletten vor die Tür. Und schon geht alles wieder von vorne los.

Den Fußball juckt es in der Regel nicht allzu sehr, ob nun Tannen mit brennenden Kerzen oder Birken mit buntem Krepppapier die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Er steckt voll und ganz in seinem Trott, feiert Anfang August die neue Saison, schickt die alte Ende Mai in den Urlaub und rückt nur davon ab, wenn die Jahreszahl durch zwei teilbar ist. Mit Weihnachten hat er gemeinhin ausschließlich in seinem Mutterland etwas am Hut. Ansonsten haben sich die Feste nach ihm zu richten. Fällt der eigene Geburtstag auf einen Samstag, stellt sich demnach nicht die Frage, wie sich neben den Geburtstagsfeierlichkeiten noch ein Stadionbesuch einrichten lässt, sondern wie zum Teufel man die Sahnetorte durch die Abtastkontrolle bekommt, ohne dass die Marzipanglasur Risse davonträgt.

Nun hatte ich am Wochenende leider nicht Geburtstag. Dafür kam die Zeit von Donnerstag bis Dienstag aber in etwa dem gleich, was mir vorschwebt, wenn Leute behaupten, Weihnachten und Ostern würden auf einen Tag fallen: Karneval. Wortwörtlich übersetzt „Fleisch, lebe wohl!“ und beim Stadionbesuch am Nelkensamstag in der Regel mit der Nebenbedeutung „her mit den drei Punkten!“ behaftet. Nach einer guten halben Stunde sah es im Borussia-Park jedoch noch nicht unbedingt danach aus, dass die bislang genau ein Spiel andauernde Heimsiegesserie am Karnevalssamstag ausgebaut werden würde (am 24. Februar 2001 hatte es eine 6:1-Demontage für Alemannia Aachen gegeben, by the way).

Dabei hatte ich – wie so oft – nichts dem Zufall überlassen und gleich mehrere erfolgsversprechende Grundsteine gelegt, so dass die Kathedrale des Aberglaubens auf einem unerschütterlichen Fundament stand. Das Ritual, stets Eingang Nummer drei oder vier zu benutzen, hatte nach fünf sieglosen Heimspielen in Folge ausgedient. Dafür ging es zum zweiten Mal in dieser Saison und zum fünften Mal überhaupt seit der Eröffnung des Borussia-Parks mit dem Auto ins Stadion (zuvor 4:2 gegen Augsburg, 2:0 gegen Aue, 4:2 gegen Valencia und 1:0 gegen Karlsruhe). Eine Petition für freies Parken auf Lebenszeit ist in Arbeit. Zu guter Letzt hatte ich diesmal in der Nacht vor dem Spiel auf das 1:1-bringende Trikot verzichtet. Dass es – mal wieder – funktioniert hat, mag manch einer Glück nennen – je nach Konfession vielleicht sogar Hartnäckigkeit.

Hinzu kam ein kleines Jubiläum: Mein 50. Heimspiel in Folge, also ein weiterer Grund zum Anstoßen. Marin und Matmour setzten gleich einmal ein Zeichen und fingen auf Pfiff des Schiedsrichter an damit.

Nach den besagten gut dreißig Minuten vor Geisterkulisse im Borussia-Park bin ich also bereits ein wenig desillusioniert in meinem Sitz zusammengesackt. Das Spiel plätschert vollkommen unkarnevalistisch vor sich hin. Hans Meyer hat bereits einmal gewechselt, oder vielmehr wechseln müssen. Christian Dorda ist von Jiri Stajner mehrfach schwindelig gespielt worden wie ein Bonbon in der Kamellekanone. Sein Vorgesetzter tut das einzig Richtige und erlöst ihn nach 24 Minuten. Obwohl es vom „kicker“ die Note 6 gibt, keineswegs eine Schande für Dorda, sondern wohl eher ein Erlebnis der Kategorie „extrem lehrreich“ – solange er sich bei der nächsten Gelegenheit geschickter anstellt. Erste Schlüsselszene.

Die Borussia hat sich bislang weitestgehend von Robert Enkes Tor ferngehalten, als Alexander Baumjohann etwas unmotiviert 30 Meter vor dem Tor die Strecke des Veilchendienstagszuges abschreitet. Die Aufforderung „schieß doch“ kommt so uninspiriert von den Rängen, dass es sich nicht einmal lohnt, ein Ausruhezeichen dahinter zu setzen. Doch der Bayer in spe fasst sich einmal mehr ein Doppelherz und sorgt für einen Paukenschlag, der die gut 36.000 im Nu von Toten- in Tulpensonntagsstimmung versetzt. Der Ball dreht sich höchstens zweimal um die eigene Achse, bevor er unhaltbar im Winkel einschlägt – ein Strich wie aus dem Lehrbuch. Und weil sich Weitschusstore Baumjohanns kurz vor der Halbzeit mittlerweile häufen, auch diesmal für alle gelangweilten Mathe-Grundkursler die Funktion seines Tores: f(x)=0,091x. Weil’s so schön war, ausnahmsweise keine Hausaufgaben. Zweite Schlüsselszene.

Drei Tore hat Alexander Baumjohann damit in dieser Saison erzielt – allesamt auf die Südkurve, allesamt Marke „Tor des Monats“. Es hat ganz den Anschein, dass der 22-jährige, den der Stadionsprecher beim Freundschaftsspiel in Schiefbahn letzten Mai noch mit unnachahmlicher Penetranz „Baumjosef“ nannte, sich seinen Once-in-a-lifetime-Vertrag beim FC Bayern nachträglich verdient. Nicht nur seine Tore sorgen für Furore. Mittlerweile nimmt er sichtlich das Heft in die Hand und schwingt sich zum absoluten Führungsspieler in der Offensive auf. Eine Qualität, mit der Marko Marin – bei aller Lobhudelei an anderer Stelle – bislang noch nicht aufgetrumpft hat. Das Alter taugt im Vergleich zu Baumjohann diesmal eben nicht als Ausrede.

Dennoch ist es eben jener Marko Marin, der sich nicht lange bitten lässt und nur sieben Minuten nach dem Führungstreffer nachlegt. Wie Alberto Tomba im Slalom-Dschungel windet er sich durch die 96-Abwehr und vollendet mit einem Schlenzer, der so trocken-kunstvoll ist wie ein Picasso-Gemälde in Mauretanien. Egal ob er in der Zweiten oder der Ersten Bundesliga, im DFB-Pokal, in der U21 oder in der A-Nationalmannschaft trifft – jedes seiner zehn Tore, die ich aus dem Stehgreif zusammenbekomme, war sehenswert. Die Tatsache, dass ich überhaupt zehn zusammenbekomme, dürfte diese These zu Genüge untermauern. Dritte Schlüsselszene – und der erste Nicht-Baumjohann-Treffer auf die Südkurve in dieser Saison.

Bei aller Unberechenbarkeit in der Defensive sollte die Borussia meines Erachtens sowieso mehr Wert legen auf das Hauptsache-vorne-einen-mehr-schießen-als-hinten-reinkriegen-Prinzip. Mit sechs Gegentoren in vier Rückrundenspielen – das Hannover-Spiel schon eingeschlossen – sieht der Schnitt inzwischen zwar etwas besser aus. Dennoch zeigt vor allem die Anfälligkeit bei Standards, dass ein halbwegs kapitaler Bock immer drin ist – Logan Bailly hin oder her.

Die vierte Schlüsselszene, Pintos Anschlusstreffer zum 1:2, holt Gladbachs Teufelskerl im Tor zudem wieder auf den Boden des Menschlichen zurück und versinnbildlicht das ständige In-der-Luft-Liegen eines folgenschweren Fehlers. Den Schuss mit der bumerangförmigen Flugbahn wollte der Belgier scheinbar in Uwe-hat’s-geseh’n-Manier vorbeigucken – mit 23 Jahren wohl ein zu gewagtes Unternehmen. Doch hinter dieser Feststellung soll in keinster Weise ein Vorwurf stecken. Lieber 745 vereitelte Chancen in Bremen und eine zu wenig gegen Hannover, als 744 gegen Werder und dafür eine mehr gegen „die Roten“. Für derartige Kompromisse wäre unsere Lage nämlich weiterhin viel zu prekär. Außerdem war es erst Marko Marins Nachlässigkeit im Zweikampf gegen Pinto, die diesen fulminanten Schuss an den Innenpfosten ermöglichte.

Die nächste Schlüsselszene (Nummer fünf – für alle, die nicht mitzählen) liefert jedoch nicht sofort Klarheit, ob sie nun den Schlüssel zum Erfolg darstellen oder das Tor zum Niedergang öffnen wird. Nach 71 Minuten ist Marko Marins Arbeitstag beendet. Es kommt Oliver Neuville – 16 Jahre älter und zum zweiten Mal in Folge unter gellenden Pfiffen im Borussia-Park eingewechselt. Doch niemand hat seine Hände wegen einer grünen 27 auf der Anzeigetafel des vierten Mannes zwischen die Finger gelegt, sondern ausschließlich aufgrund einer roten 11. Ich kann bekanntlich nicht pfeifen. Und wenn, dann hätte ich es nicht getan, weil ich der Meinung gewesen wäre, Marin hätte um alles in der Welt durchspielen müssen, sondern weil ich langsam nicht mehr durchblicke, mit welcher Berechtigung Karim Matmour schon acht Saisonspiele über die volle Distanz und vierzehn über mindestens 75 Minuten absolviert hat. Einem Tor steht kein einziger Assist gegenüber. Auch enorme Laufbereitschaft und Defensivarbeit können bei einem etatmäßigen Außenstürmer nicht über diese Bilanz hinwegtrösten.

An der sechsten Schlüsselszene tragen jedoch weder das Drinbleiben Matmours, noch die Hereinnahme Neuvilles und die Auswechslung Marins eine Schuld. Es ist Michael Bradley, in Bremen noch Heilsbringer mit der Brust, der nach einer Ecke von Bruggink nicht nah genug bei Schulz ist und den damit die Hauptschuld am Ausgleich der Hannoveraner trägt. Im vierten Rückrundenspiel setzt es den vierten Treffer nach einer Standardsituation. Doch ausgerechnet Schlüsselszene sechs hält gleichzeitig so etwas wie den Schlüssel zum Erfolg bereit.

Denn nach dem 2:2 steht die Borussia vor einer richtungsweisenden Schlussphase, einer wahren Hopp-oder-Top-Situation. Entweder sie bäumt sich auf und holt sich die drei Punkte, die ihr nach einer ordentlichen Leistung zustehen, oder sie gibt zwei bzw. gar drei Zähler aus der Hand, deren Verlust die Fohlenelf in eine Lage mit Tendenz zur Aussichtslosigkeit versetzen würde.

Gladbach, allen voran Oliver Neuville, entscheidet sich für „Tor 1“ und setzt damit ein Zeichen, wie es im Abstiegskampf bitter vonnöten gewesen ist: Nach einem Abpraller von Friend und einer Kerze von Fahrenhorst wuchtet Neuville den Ball mit aller Kraft und Macht ins Tor. 36.000 jubeln für 63.000. Der Sieg ist perfekt und wird in den verbleibenden sieben Minuten kaum noch in Frage gestellt. Schlüsselszene Nummer sieben ist es, die aus zuvor acht Partien ohne Sieg eine Serie von drei Spielen ohne Niederlage werden lässt – zum ersten Mal in dieser Saison. Ein lang ersehnter Befreiungsschlag mitten hinein ins jecke Treiben, der die Borussia wieder atmen lässt. Die Talsohle der schwarzen November-, Dezember- und Januarwochen scheint erst einmal durchschritten. Im Februar ist die Borussia noch unbesiegt.

Aus durchschnittlich drei Punkten Abstand zu den Plätzen 15, 16 und 17 sind innerhalb eines Wochenendes zwei geworden. Mit einer beherzten Leistung, einer guten Chancenauswertung und etwas Trotz hat die Borussia ihr Leid sozusagen um ein Drittel verringert. Dennoch zeigt der Trend, dass die Vermutung, 30 Punkte könnten zum Klassenerhalt reichen, sich langsam aber sicher als Trugschluss erweist. Nach der Hinrunde hatte der Fünfzehnte Kurs genommen auf 26 Punkte. Von Spieltag zu Spieltag hat sich die Kurve seitdem nach oben gearbeitet. Die aktuellen Hochrechnungen für den ersten Nichtabstiegsplatz stehen bei 30,8 Punkten nach 34 Spieltagen, was aufgerundet 31 macht.

Dafür müsste die Elf vom Niederrhein 15 Punkte aus den verbleibenden 13 Spielen holen – und dazu wäre nicht einmal der Schnitt vonnöten, den sie in den ersten vier Partien nach der Winterpause vorgelegt hat. Die Hoffnung keimt am Horizont.

Sonntag, 22. Februar 2009

Schale zu verleihen

Bayern München wird nicht Deutscher Meister. Nehmen wir jetzt einfach mal an.

Und um die Sache etwas philosophisch anzugehen: Es muss demnach ein anderer werden.

Die heißesten Kandidaten, mit jeweils höchstens sechs Punkten Rückstand zur Tabellenspitze, wären:

1899 Hoffenheim: im Falle einer Meisterschaft der zweite Aufsteiger in 46 Bundesliga-Spielzeiten, dem der Titelgewinn gelingt

Hertha BSC Berlin: zuletzt 1931, vor 78 Jahren, Deutscher Meister - die zweitlängste Durststrecke aller aktuellen Bundesligisten, die in ihrer Geschichte schon einmal den Titel holten (12); führend ist der Karlsruher SC, der 1909 jedoch noch den Vor- und Zunamen "Phönix" trug

Hamburger SV: seit mehr als einem Vierteljahrhundert ohne Schale, seit 1987 ohne Titel

Bayer Leverkusen: bekanntlich noch ohne Meisterschaft in der 105-jährigen Vereinsgeschichte, dafür mehrfach nah dran

VfL Wolfsburg: die Wikipedia notiert bei "Erfolge" unter anderem Wolfsburgs Errungenschaft,"Gründungsmitglied der 2. Bundesliga: 1974" gewesen zu sein; mehr sei an dieser Stelle nicht gesagt

Sollten die Bayern also tatsächlich nicht den Titel holen - obwohl Christoph Daum gestern ja angeblich beim "kommenden deutschen Meister" gewonnen hat -, dürfte der stellvertretende Titelträger auf jeden Fall die Adjektive "überraschend" und "unerwartet" auf sich ziehen, vielleicht sogar "sensationell". In einigen Fällen könnte auch ein seufzendes "endlich" zu vernehmen sein.

Falls ein anderer, an dieser Stelle nicht genannter Verein am Ende die Nase vorn hat, gilt der erwähnte Adjektivkatalog übrigens erst Recht. Nach 21 Spieltagen sieben und mehr Punkte im Hintertreffen? Da wird dann doch eher die Hertha Meister.

Samstag, 21. Februar 2009

Mannschaft der Stunde (15)

Manchester United

Eigentlich ist der FC Barcelona – am 26. Oktober, also vor fast vier Monaten, zur „Mannschaft der Stunde“ gekürt – noch immer nicht endgültig weg vom Fenster in dieser Kategorie. Seit nunmehr 22 Ligaspielen sindwaren die Katalanen ungeschlagen, der Vorsprung auf Platz zwei liegt bei sieben Punkten, obwohl Real Madrid als Verfolger einen ebenfalls überragenden Lauf erwischt hat. Barca hat das Stadtderby gegen Espanyol heute jedoch mit 1:2 verloren, weshalb es an der Zeit ist, den Status einer Mannschaft vom anderen Stern erst einmal ad acta zu legen.

Mit mittlerweile neun Siegen in Serie bei einem Torverhältnis von 22:2 wäre der „königliche“ Erzrivale aus Madrid ein würdiger Nachfolger – wenn es nicht eine Mannschaft in England gäbe, die derzeit sowas wie die oberste aller Übermannschaften repräsentiert. Manchester United hat nicht nur die letzten zehn Premier-League-Spiele allesamt für sich entschieden (was an sich schon genügen würde, um Real Madrids Argumente zu überbieten), sondern wettbewerbsübergreifend nur eines der letzten 24 Pflichtspiele verloren und 13 von 15 Ligapartien gewonnen.

„Nur“ 26 erzielte Tore in jener Zeit beeindrucken in Relation zu den anderen Errungenschaften nicht unbedingt. Vielmehr ist es die United-Defensive, die seit November 2008 für Furore gesorgt und Rekorde am laufenden Band gebrochen hat. Roque Santa Cruz sorgte heute mit dem 1:1-Ausgleich seiner Blackburn Rovers in Old Trafford dafür, dass das dominierende Thema in Sachen ManU von nun an wieder ein anderes sein kann.

1334 Minuten, mehr als 22 Stunden oder fast genau 15 Partien hat es gedauert, bis das Team von Sir Alex Ferguson wieder einen Anstoß ausführen durfte, der weder zu Beginn der ersten noch zu Beginn der zweiten Halbzeit stattfand. Der Europarekord von Dany Verlinden – jawoll, der „Riese“ oder auch „die Wand“ aus Belgien – wurde damit auf den ersten Blick um 56 Minuten verfehlt. Doch Edwin van der Sar hat trotz des Gegentores durch Santa Cruz weiterhin die Möglichkeit, sich zum kontinentalen Rekordhalter aufzuschwingen: Heute Abend wurde er geschont und vom Polen Tomasz Kuszczak vertreten – als habe es Ferguson drauf angelegt, die Minutenzählerei zu beenden, ohne gleichzeitig Punkte liegen zu lassen.

Premier League, England, Großbritannien und demnächst vielleicht ganz Europa – Edwin van der Sars Feldzug in Sachen Gegentorlosigkeit ist noch nicht vorbei. Zur Belohnung gibt es einen Platz in der ehrwürdigen Sidebar dieses Blogs für ihn und seinen Verein als „Mannschaft der Stunde“.

Dienstag, 17. Februar 2009

Stellungnahme zu den Vorwürfen bzgl. des Artikels "Mensch, Meyer?!"

Wie unten angekündigt, wollte ich noch einmal Stellung nehmen zu dem Thema, das hier heute Nachmittag einen Aufruhr ausgelöst hat, mit dem ich nicht gerechnet hatte und den ich – so viel kann ich mit gutem Gewissen versprechen – erst Recht nicht absichtlich und mit reinem Kalkül in Kauf genommen habe.

Ich habe einen gewagten – wie sich gezeigt hat, zu gewagten – Weg gewählt, wofür ich mich bereits entschuldigt habe. Das Fass „Nationalsozialismus“ enthält nun einmal kochend heißes Wasser und dementsprechend besteht bei der Vorgehensweise, wie ich sie unbedacht gewählt habe, die große Gefahr, dass man sich verbrennt. Genau das ist eingetreten, woraus ich die nötigen Lehren ziehen werde. Die nötige Sensibilität, die mir eigentlich durch Schule, Elternhaus und Medien ans Herz gelegt worden ist, habe ich in diesem Fall nicht ausreichend an den Tag gelegt.

Es ging mir, wie bereits gesagt, nicht darum, Hans Meyer mit all seinen Wesenszügen auf eine Ebene mit Hitler zu stellen und ihn zu diffamieren. Ein Pauschalvergleich – wie ihn einige Kommentatoren offensichtlich in meine Äußerungen hineininterpretiert haben – steckt in keinem Fall hinter meinen Aussagen. Der Vergleich mit der Anfangsszene aus dem Film „Der Untergang“ sollte einzig und allein die innere Zerrissenheit meinerseits zwischen Sympathie und Antipathie zum Ausdruck bringen, die Meyers Interview bei „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ hervorgerufen hat.

Ich stand unserem Trainer in den vergangenen Wochen sehr kritisch gegenüber und fühlte mich durch seine Äußerungen und sein Verhalten im WDR eines Besseren belehrt. Gleichzeitig war ich mir aufgrund von Meyers Hang zur Ironie und zum Sarkasmus jedoch nicht sicher, ob sein Verhalten in jener Sendung als absolut „echt“ zu bewerten gewesen ist. Analog dazu hätte ich schlichtweg ein Beispiel aus einem weniger brisanten Bereich wählen müssen, bei dem die angesprochene Gefahr, sich die Finger zu verbrennen, nicht so groß gewesen wäre.

Trotz allem fand ich die Art und Weise, wie einige Kommentatoren – häufig anonym – ihre Kritik in Vereinsforen und unter dem Artikel angebracht haben, ebenfalls unangemessen und wenig niveauvoll. Sie haben damit das Vergehen, das sie mir ankreiden, mit denselben Mitteln bekämpft, die sie im gleichen Atemzug kritisieren. Die Kommentarfunktion dient, wie „vengo“ richtig erkannt hat, nicht nur der Lobhudelei, sondern soll ebenso ein Platz sein, an dem Kritik geäußert werden kann – jedoch konstruktiv und nicht allein destruktiv auf die Hau-Ruck-Art. Ich denke, meine Reaktion auf Ihre Reaktionen hat gezeigt, dass mit mir zu reden ist und dass ich bereit bin, Fehler einzugestehen.

Desweiteren möchte ich klarstellen, dass der Text „Mensch, Meyer“ nicht dazu geschrieben wurde, in irgendeiner Weise auf diese Seite aufmerksam zu machen und Leser anzuziehen. Die weitgreifende Wirkung des Internets habe ich schlichtweg unterschätzt.

Einer der Kommentatoren hat geschrieben: „Da wird beim nächsten Mal schon die Schere im Kopf zum richtigen Zeitpunkt einsetzen.“ Dass ich diese Lehre aus der ganzen Angelegenheit ziehe werde, kann ich Ihnen versichern.