Samstag, 22. November 2008

Der rätselhafte Bomber

27-mal hat Marc Janko bislang in Österreich getroffen. Damit ist er zumindest zahlenmäßig der derzeit beste Stürmer Europas. Eine Weltkarriere scheint dennoch nicht in Reichweite.

„Wer ist dieser Janko eigentlich und warum explodiert der in dieser Saison derartig?“, wunderte sich jüngst ein User im Forum von weltfussball.de. Bis heute hat er keine Antwort erhalten und das wohl nicht ohne Grund – denn eine Erklärung hat anscheinend niemand so richtig parat. Marc Janko ist Österreicher in Diensten von Red Bull Salzburg, 25 Jahre alt, 7-facher Nationalspieler für die Alpenrepublik und 1,92 Meter groß. Dreimal hat er für Österreichs U21 gespielt und dabei unter anderem den 2:1-Sieg gegen England fast im Alleingang herbeigeführt. Soviel zur Frage „wer?“ dieser Janko eigentlich ist. „Warum?“ er schon 27 Tore in 18 Saisonspielen erzielt hat und damit auf den Spuren Hans Krankls wandelt, lässt sich dagegen nicht ganz so einfach feststellen.

Jankos Arbeitsplatz, die tipp3-Bundesliga powered by T-Mobile, ist nicht gerade als Aushängeschild des europäischen Fußballs bekannt. Sie ändert nicht nur so beständig ihren Namen wie manch anderer seine Unterwäsche. Hier darf auch Carsten Jancker noch immer – und das recht erfolgreich – seinen Ring küssen. Und Ailton setzt beim Cashpoint SC Rheinpoint Altach seine unnachahmliche Europatournee fort – Österreich ist das sechste Land in gut drei Jahren, das der Brasilianer mit Toren, Abseitsstellungen und vagen Treuebekundungen bereichert. Angesichts dieser Liste des Schreckens voller Ex-Abrissbirnen und namentlichen Ungeheuern kann einem leicht angst und bange werden. Jankos Torrausch verliert reflexartig an Reiz.

Ein gewisser Edi Glieder traf einst zu Saisonbeginn achtmal in sechs Partien und tauschte prompt die oberösterreichische Bergidylle gegen Gelsenkirchener Hochofenbeschaulichkeit. Auf Schalke verdiente er sich anschließend ein eindeutiges Prädikat: Fehleinkauf. So überrascht es wenig, dass Jankos Leistungsexplosion häufig dem überschaubaren Niveau seines Arbeitsumfeldes zugeschrieben wird. Und nicht nur das: Den Sprung ins Ausland traut dem 27-fachen Torschützen dieser Saison nicht einmal sein Coach in Salzburg, Co Adriaanse, zu. Der Niederländer spricht ihm aktuell noch die Reife ab und räumt ihm allemal Chancen in Ungarn ein.

Dennoch haben einige Klubs aus der „großen“ Bundesliga aus dem Nachbarland angeklopft: Schalke erhofft sich von ihm anscheinend mehr Fortune vor dem Tor als von Kevin Kuranyi. Die Hertha plant unter Umständen mit Janko als Pantelic-Ersatz. Und der VfB will womöglich vorsorgen, falls Mario Gomez im Sommer nicht zu halten sein sollte. Neben dem ausgeprägten Torriecher weckt derweil auch Jankos Körperbau Reminiszenzen an Stuttgarts Nationalstürmer.

Sechzehn seiner 25 Hinrundentreffer hat er mit dem starken Linken erzielt, war fünfmal mit dem Kopf, viermal mit rechts und – das heutige Spiel Rückrundenauftakt mitberücksichtigt – fünfmal vom Elfmeterpunkt erfolgreich. Kein einziger Treffer fiel von außerhalb des Strafraums. Ein Schuss aus 13 Metern Entfernung genießt bei Janko schon Seltenheitswert. Und irgendwie sind alle seine Tore ziemlich austauschbar. Kaum eins ist dabei, das im Gedächtnis bleibt und ein „Oh“ oder „Ah“ hervorruft. Viele sehenswerte Ballannahmen und Abschlüsse sind zwar darunter – jedoch genauso wie zahlreiche Auszeichnungsmöglichkeiten als Abstauber. Selten trifft Janko nach einer Einzelleistung, meist muss er die gute Vorarbeit seiner Mitspieler nur noch verwerten und den Platz, den ihm seine Mitspieler weiterhin großzügig bieten, schlichtweg ausnutzen.

Man traut es sich in Anbetracht seiner 27 Saisontore kaum auszusprechen: Aber noch hapert es bei Janko ein wenig an der Konstanz. In sieben Spielen blieb er ohne Treffer, fünfmal gewann Salzburg trotzdem. Die Abhängigkeit hält sich also überraschenderweise in Grenzen. Ohne Janko-Tore holte die Red Bull-Truppe sogar mehr Punkte als mit seinen Treffern, die insgesamt 12 Punkte brachten. Ein Bomber, dessen Wert überschätzt wird?

Das Rätsel um Jankos Leistungsexplosion ist zwar nicht vollständig gelüftet. Unterm Strich bleibt dennoch festzuhalten, dass der 25-jährige es allzu häufig verdammt leicht hat, Hans Krankls Torrekord von 41 Treffern einer Spielzeit Schritt für Schritt näherzukommen. Hält er seinen Schnitt von 1,5 Toren pro Spiel, könnte es in bereits in zehn Spieltagen so weit sein.

Ob er auch im Ausland Fuß fasst oder doch nur als eines dieser Torjägerphänome der kleinen Ligen in die Annalen eingeht, die plötzlich auftauchen, sich den „Goldenen Schuh“ unter den Nagel reißen und bald wieder verschwinden, wird sich erst zeigen, wenn er den Sprung letztendlich wagt. Dass es ihn dann nach Deutschland und nicht nach Ungarn zieht, ist wahrscheinlich. Dass Janko außerhalb der Alpenrepublik einen schweren Stand haben wird, scheint so gut wie sicher.

Jankos 25 Hinrundetore im Schnelldurchlauf:

Kommentare:

  1. ohje... ganz schlecht recherchiert, denn

    a) Pasching befindet sich nicht in den Bergen, sondern ist meilenweit davon entfernt
    b) Janko war schon immer gut, wurde aber immer durch Verletzungen zurückgeworfen. Wenn er spielte, schoss er immer brav seine Tore
    c) Die Aussagen seines Trainers sind doch klar einstufbar - welcher Trainer würde seinen besten Spieler gerne hergeben?

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  2. Ich bin der festen Meinung, dass er nächsten Saison beim FC Bayern spielt...schon alleine wegen der Bayern-Dosen Connection und halt auch weil er kein schlechter ist. Und ein oder zwei Jahre hockt der sich auch ruhig auf die Bank im Gegensatz zum Poldi...

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  3. @ Hanse:
    Pasching liegt laut Wikipedia auf 295 Metern. Glaub' mir - da wird dem Flachlandtiroler vom Niederrhein schon schwindelig. Und Du willst mir doch wohl nicht sagen, dass um Pasching weit und breit kein Berg zu finden ist? Na gut, dahingehend lasse ich mich gerne eines bessere belehren.

    Dass Janko kein guter Spieler ist, will ich ja gar nicht behaupten. Ich halte seine Quote zwar für atemberaubend, glaube jedoch nicht daran, dass ihm der große Durchbruch im Ausland gelingen wird. Soviel Platz bekommt man in der Bundesliga nicht einmal bei Kontern. Außerdem ist er ja fast nur im und um den Fünfmeterraum erfolgreich. Zugegeben: Ich habe ihn ja noch nicht über 90 Minuten gesehen. Was er da unter Umständen leistet, kann ich als Deutscher, der von Österreich so gut wie nichts zu sehen bekommt, nicht genau beurteilen.

    Wäre ich Janko, würde ich die Saison ohnehin in Österreich zu Ende spielen, auch wenn ihm die Torjägerkrone bestenfalls noch von Maierhofer zu nehmen wäre.

    Janko selbst meint ja, Adriaanse wollte ihn reizen. Mag sein, aber Salzburg hat es finanziell doch gar nicht nötig, Janko zu verkaufen?

    @ Frittenmeister:
    Die Bayern haben ja jetzt einen Stürmer aus der Fußball-Hochburg der Welt;)

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  4. Genau diese Frage habe ich mir auch schon mehrfach gestellt, vielen Dank für die Analyse. Auch wenn ich nicht viel Einblick in die aktuelle Spielstärke der österreichischen Liga habe, teile ich die Einschätzung von Jankos Leistungsstand im internationalen Vergleich.

    Dies jedoch -zumindest zum Teil- darauf zurückzuführen, dass er "nur im und um den Fünfmeterraum erfolgreich" sei, halte ich für gefährlich. Ähnliches galt schließlich auch für Ulf Kirsten und Gerd Müller.

    Und natürlich bin ich weit davon entfernt, Janko mit einem der Genannten zu vergleichen.

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  5. Laut den Premiereübertragungen der tipp3...liga will Janko eher in die Premier League als nach Deutschland.

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  6. Naja, du kannst aber bitte einen Edi Glieder, der schon damals am Zenit seiner Karriere angelangt ist, nicht mit einem Janko vergleichen. Glieder wurde doch nur aufgrund eines guten Spiels gegen Schalke zu eben diesem Verein geholt. Wie kommst du zu diesem Vergleich?

    Und dass Red Bull von den Toren eines Janko nicht abhängig ist, stimmt ja auch nicht. Der nächstbeste Torschütze bei den Salzburgern ist Robin Nelisse mit acht Toren, dann kommt Louis Ngwat-Mahop mit drei Toren. Ein Zickler hat auch erst drei Tore.
    Also wie man behaupten kann, dass Red Bull von Janko nicht abhängig ist, ist mir ein Rätsel.

    Und was sagt das über die Qualität eines Stürmers aus, wenn er nur aus kurzer Distanz trifft? Man muss auch dort stehen wo es was zum erben gibt. Warum steht ein Zickler oder Nelisse nicht dort? Warum haben die nicht so einen Torinstinkt?

    Aber nach Deutschland wechselt der sicher nicht, Ziel ist England und da passt er vom Spielstil auch besser hin. Sein Nachteil ist halt eine hohe Verletzungsanfälligkeit.

    Aber soll er schon im Winter wechseln, dann ist Red Bull im Frühjahr nur mehr die Hälfte wert und der Weg ist frei für die Titelverteidigung von Rapid!!! :-)))

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  7. Janko und Glieder - sicherlich Äpfel und Birnen. Aber beide sind ja Früchte, Obst, also vereint sie etwas sehr Bedeutendes (von den Äpfeln und Birnen ist die Rede).
    Glieder - über seinen Zenit hinaus - wurde zum Totalflop. Janko - mit Gerd-Müller-Status und Luft nach oben - wird nicht Glieder-like abstürzen, sondern wie der alte Edi schlichtweg sein Niveau aus der österreichischen Liga nicht halten können.

    Und damit hätten beide wieder etwas gemeinsam - wie die Äpfel und Birnen.

    Vielleicht ist hier der Eindruck entstanden, dass ich Janko für einen grundlegend schlechten Spieler halte. Doch so ist es nicht. Ich denke einfach, dass er trotz seiner 27 Tore keiner ist, der auch eine Topliga aufmischen würde und seine Fließbandquote dort annähernd beibehalten könnte.

    Klar, die Spezies Strafraumstürmer gibt es nicht umsonst. Aber wenn ich im Strafraum soviel Zeit zur Ballannahme habe wie sonst nur beim Hin- und Hergeschiebe in der Viererkette, bin ich dann noch ein Strafraumstürmer im Stile eines Ulf Kirsten?

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