Freitag, Sonntag oder Montag? Was gefällt dem Zweitliga-Fan eigentlich am besten? Oder besser gesagt, was gefällt ihm weniger schlecht?
Ganz ehrlich: Samstag wäre doch am schönsten…
„Pro 15:30“ hieß vor einigen Jahren eine Faninitiative, die sich für die traditionelle Austragung der Bundesliga-Spiele am Samstagnachmittag um halb vier stark machte und Reformpläne strikt ablehnte. Inzwischen heißt die Initiative allgemeiner „Pro Fans“ und kümmert sich um das Allgemeinwohl der Anhänger. Ihre Bemühungen um freundliche Anstoßzeiten schlugen nämlich halbwegs fehl. Der Ball rollt mittlerweile von Freitag bis Sonntag, in Liga Zwei sogar noch am Montag. Das wurmt besonders den Zweitliga-Fan. Warum?
Freitag 18:00: Auch wenn das Wochenende vor der Tür steht, sitzen viele bei der Arbeit fest, Auswärtsfahrten ohne Urlaub schier unmöglich.
Sonntag 14:00: Eigentlich ganz passabel.
Montag 20:15: Trotz Flutlichtspektakel ein Horror für jeden Fan, der mit seinem Klub im Unterhaus festsitzt. Selbst bei Heimspielen wird es knapp und nach Aue und zurück kommt man auch nur mit zwei freien Tagen.
Aber was gefällt den Spielern eigentlich am besten?
Gladbach bestritt freitags bisher drei Spiele. Zwei Siege, eine Schlappe in Mainz stehen an diesem Wochentag zu Buche. Sonntags ein Erfolg gegen Osnabrück und ein mageres Unentschieden gegen Hoffenheim. Am Montag gab es in Kaiserslautern einen Punkt, dazu den Auswärtssieg in Aue. Macht an jedem Tag im Schnitt zwei Punkte pro Spiel. Der Renner war bisher der Dienstag: 3:0 in St.Pauli, Englische Woche olé! Also war es den Borussen bisher ziemlich schnuppe, wann, wo und wie – am Ende standen zuletzt ja sowieso immer drei Punkte.
Am 9.Spieltag gab es eine neue Konstellation für Borussia Mönchengladbach zu bewältigen. Nach den Aufsteigern Hoffenheim und Osnabrück als Gegner im eigenen Stadion, mussten die Männer von Jos Luhukay am heiligen Sonntag erstmals in die Ferne reisen – 150 Kilometer rheinaufwärts ans Deutsche Eck nach Koblenz.
Eigentlich hätte ich dabei sein sollen bzw. wollen im Stadion Oberwerth. Alles war ausgetüftelt – am Samstag mit fünf Freunden anreisen, einen schönen Abend an Rhein und Mosel verbringen, nachts im Hotel (sprich, Jugendherberge) schlafen und dann am nächsten Tag die Borussia zum Sieg antreiben. Denkste! Fünfzehntausend finden im schnuckeligen Stadion der Koblenzer Platz, macht 1500 Karten für die Gästemannschaft. Inhaber der Auswärtsdauerkarten bekommen sowieso ein Ticket, dann sind zuerst die Mitglieder an der Reihe mit ihrem Vorverkaufsrecht und da keiner von uns Zugriff auf eine dieser Optionen hatte, hieß es hinten anstellen – erfolglos. Morgens um 10 Uhr gingen die Restkarten in den Verkauf und wo sitzt man um diese Zeit als angehender Abiturient? Richtig…
Dabei hatten sich zwei meiner Freunde nach einer kleinen Anekdote geschworen, in Koblenz mit von der Partie zu sein.
Es war der 13.Mai 2006, die beiden befinden sich im Sonderzug zum Auswärtsspiel nach Frankfurt. Köln ist bereits abgestiegen und kurz vor der Durchfahrt am Hauptbahnhof der Domstadt geht die Nachricht um, dass der illustre Verein Tus Koblenz den Aufstieg von der Regionalliga in die Zweite Bundesliga geschafft hat. Schadenfroh singt der gesamte Zug bei der Fahrt durch Köln standesgemäß: „Ihr könnt nach Koblenz fahr’n, ihr könnt nach Koblenz fahr’n…“
Wie sagt man so schön? Hochmut kommt vor dem Fall?
Siebzehn Monate später endet auch die Gladbacher Busfahrt gen Süden etwas früher als sonst. Frankfurt, Stuttgart – Vergangenheit. Koblenz heißt die Gegenwart. Ein Klub mit mehr Potential als der Name verlauten lässt. Trotzdem kommen mir bei Koblenz im Zusammenhang mit Fußball prompt große Namen wie Meppen, Burghausen und Wehen in den Kopf.
Das Ergebnis des Spiels erweckt ausgerechnet den Anschein, dass diese Einordnung gar nicht so falsch war. Doch der Schein trügt. 5:0 – das kann nur ein Kantersieg gewesen sein. War es aber nicht.
Selbst wenn es nach 70 Sekunden 1:0 steht, selbst wenn es mit einem 2:0 in die Halbzeit geht. Bis eine Viertelstunde vor dem Ende ähnelt das Spiel den Auftritten der Borussia in den letzten fünf Partien: Ein vermeintlich sicherer Vorsprung, der dem genauen Betrachter lange Zeit gar nicht so sicher vorkommt. Koblenz hat Chancen. Gladbach kaum, ist aber trotzdem vorne.
Dann senst Bajic den Gladbacher Ndjeng, erneuter Vorbereiter beim ersten Tor nach einer Ecke, an der Eckfahne um. Schiri Perl zückt Rot. Sekunden später taucht der Koblenzer Bogavac frei wie Frank Mill vor dem Tor auf, doch er macht es dem Synonym für Nervenversagen gleich und schiebt den Ball neben das Gehäuse, das mit 18 Quadratmetern immerhin größer ist als mein Zimmer.
Dann entscheiden Friend und Rösler in einer Minute die Partie. Koblenz kann nach dem Platzverweis nicht mehr wechseln, die Borussia hat leichtes Spiel und kontert nach Belieben. Kurz vor Schluss setzt Nando Rafael – mit nun drei Saisontoren bei nur 106 Minuten Einsatzzeit ein Wunder an Effektivität – dem Spiel noch das berühmte I-Tüpfelchen auf und erhöht auf 5:0.
Langsam wird es unheimlich! Nur Freiburg kann der Borussia den Platz an der Sonne noch mit einem ähnlich hohen Sieg in Aachen streitig machen. Und der Sonntag mausert sich zudem zum Gladbacher Geheimtipp – dritter Sieg im vierten Spiel.
Der sechste Sieg in Folge, Tabellenführung, 21 Saisontore (nur 23 im letzten Jahr) – jetzt fehlt nur noch ein Derbysieg gegen den FC und das schwarz-weiß-grüne Glück kennt keine Grenzen mehr. Aber genau den Kölschen verfehlten Sinn für die Realität wollen wir ja nicht nachahmen, oder? Also lassen wir es sein, lehnen uns zwei Wochen zurück und schauen auf die Wand. Warum auf die Wand?
Da hängt die aktuelle Tabelle - eingerahmt...
Montag, 8. Oktober 2007
Fohlengeflüster (3): Sonntagsfreuden
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Jannik
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Labels: Gladbach, Zweite Bundesliga
Dienstag, 2. Oktober 2007
Lehmanns Erben - Wer folgt im deutschen Tor?
Im Juli will Jens Lehmann seinen Schlusspunkt unter das Kapitel Nationalmannschaft setzen. Doch wer tritt in seine Fußstapfen? Sieben Kandidaten einmal unter die Lupe genommen.
Seit Monaten ist es schon ein heiß diskutiertes Thema: Wer tritt nach der EM 2008 die Nachfolge von Jens Lehmann im deutschen Tor an?
Die Nationalteams dieser Welt beneiden den DFB inzwischen für sein riesiges Angebot an Klasse-Torhütern. Die Engländer würden das Wembley-Tor annullieren, um einen aus der langen Liste einbürgern zu können. Die konkreten Chancen von sieben Fußballern habe ich aus diesem Anlass einmal unter die Lupe genommen.
Mit dabei sind René Adler, Manuel Neuer, Michael Rensing, Timo Hildebrand, Tim Wiese, Robert Enke und Roman Weidenfeller. Irgendwo musste ja ein Strich gezogen werden – deswegen tauchen Leute wie Markus Pröll oder Markus Miller erst gar nicht hier auf, obwohl sie ebenfalls jedes Wochenende mit klasse Leistungen in der Bundesliga auf sich aufmerksam machen.
Torwart der Nationalelf, das ist nicht irgendein Amt, sondern ein Schritt in große Fußstapfen von deutschen Weltklasse-Keepern in der Historie. Doch wer ist reif dafür, das Erbe von Turek, Maier, Schumacher, Kahn & Co. nach der EM im nächsten Sommer anzutreten?
René Adler:
So traurig es auch damals für ihn gelaufen sein mag, eigentlich müsste man sich im Nachhinein mit einem Blumenstrauß bei Jörg Butt für seinen Fauxpas bedanken. Am 21.Spieltag der vergangenen Saison stürmte er aus seinem Tor, kam mit der Hand an den Ball und sah die Rote Karte. Das abrupte Ende für den Ex-Hamburger bei Bayer nach 150 Spielen in Serie – der Weg war frei für René Adler.
Der sahnte in seinen ersten drei Partien nur Bestnoten ab und blieb im Leverkusener Tor - bis zum 34.Spieltag, als Butt seine Abschiedsvorstellung geschenkt bekam.
Schon im Sommer 2005 hatte Adler, mit 15 Jahren aus Leipzig nach Leverkusen gekommen, durch überragende Leistungen bei der U20-WM in den Niederlanden auf sich aufmerksam gemacht. Es folgte eine lange Verletzungsmisere, acht Monate musste Adler aufgrund einer Rippenverletzung pausieren. Gerade rechtzeitig wurde er fit, um die Gunst der Stunde zu nutzen und sich mit seinen Paraden den Platz im Bayer-Tor zu schnappen.
Super Reflexe, gut am Ball, immer voll konzentriert – so kennt man René Adler mittlerweile. Fehler leistet er sich kaum und mit 22 Jahren darf der 1,89-Mann in dieser Saison erneut international Erfahrung sammeln. Wenn er von weiteren Verletzungen verschont bleibt und sich mit der Hilfe seines Mentors und Torwarttrainers Rüdiger Vollborn, bei dem er insgesamt vier Jahre wohnte, weiter so rasant entwickelt, gehört Adler zwangsläufig zu den Top-Kandidaten für die Nachfolge von Jens Lehmann.
Seine Zukunft im Verein ist schon einmal gesichert: Bis 2012 hat er am Wochenende seinen Vertrag beim UEFA-Cup-Sieger von 1988 verlängert.
Manuel Neuer:
Ähnlich wie Adler katapultierte sich im letzten Herbst ein weiterer Youngster ins Tor eines Top-Klubs. Manuel Neuer ist Schalker seit der F-Jugend und seitdem er Frank Rost aus dem Kasten verdrängt hat, hält er seinen Arbeitsplatz mit Bravour sauber. Ausgerechnet vor dem Spiel gegen den FC Bayern hatte Mirko Slomka den damals 20-jährigen zum Stammkeeper befördert.
Schalke hatte gemeinsam mit Nürnberg die beste Abwehr der letzten Saison, auch ein Verdienst des 1,92 m großen Spielers. In der Nachwuchsmannschaft des DFB darf er inzwischen ebenfalls sein Können unter Beweis stellen, dazu Champions League und die Einladung zum Fitnesscheck der A-Nationalmannschft – Neuer wird überall gebraucht und geschätzt. Mit seiner guten Technik und seiner schnellen Spieleröffnung repräsentiert der Schalker den Torwart der Zukunft, der nicht nur auf der Linie mit seinen Reflexen zur Stelle sein muss, sondern immer mehr zu einem 11. Feldspieler wird. Gegen Bielefeld konnte er so ein Tor vorbereiten, gegen die Hertha leitete er mit einem Abwurf bis über die Mittellinie die Szene ein, die zum Sieg bringenden Elfmeter führte.
Manchen ist er etwas zu lieb, aber vielleicht muss man ja auch nicht in Olli Kahn-Manier durch den Strafraum wüten, um sich Respekt zu verschaffen. Mit seinen 21 Jahren gehört Neuer sicherlich die Zukunft und wenn der Sprung ins Tor der Nationalmannschaft 2008 noch zu früh kommen sollte, kann er sicherlich noch ein wenig warten.
Michael Rensing:
Gospodarek, Scheuer, Wessels – alle verließ irgendwann die Geduld als Ersatztorhüter des FC Bayern, alle suchten ihr Glück mit der Zeit woanders. Michael Rensing ist erst 23, doch auch er wartet seit mittlerweile drei Jahren auf den endgültigen Sprung ins Tor des Rekordmeisters. Im Sommer will Oliver Kahn die Schuhe an den Nagel hängen, bis dahin muss sich der Mann mit 18 Einsätzen für die U21 voraussichtlich noch gedulden.
Dabei hätte Ottmar Hitzefeld allen Grund, in jedem Spiel auf Rensing zurückzugreifen: 16 Pflichtspiele hat der in Bundesliga und Champions League für den FCB bestritten, 16-mal ging der Rekordmeister nicht als Verlierer vom Platz.
Am Samstag durfte er sich wieder einmal beweisen, ausgerechnet beim Spitzenspiel in Leverkusen. Rensing spielte zu null und kassierte vom „kicker“ prompt eine 1,5. Nun sieht es so aus, als könnten wir ihn in den nächsten Wochen häufiger bewundern: Kahn muss operiert werden und fällt erst einmal aus.
Manager Uli Hoeneß sieht den 23-jährigen nicht nur bald im Tor des FC Bayern, sondern sagte auch: „Rensing wird Nachfolger von Jens Lehmann.“ Für ihn kämen sowieso nur „Adler, Neuer und Rensing“ in Frage. Klare Ansage von Hoeneß, die der Torwart so kommentierte: „Bis jetzt hatte Uli Hoeneß immer Recht.“ Auch diesmal könnte es so sein, nur muss es Rensing jetzt gelingen, über Wochen Topleistungen zu zeigen. Denn Konstanz haben Lehmanns Erben alle schon an den Tag gelegt, in dieser Hinsicht hinkt Rensing etwas hinterher.
Doch wer so jung Stammtorwart in München werden kann, schwingt sich automatisch auf zum Kandidaten für die „1“ mit dem Adler auf der Brust.
Timo Hildebrand:
28 Jahre, 221 Bundesliga-Spiele, 6 A-Länderspiele: Die Zahlen scheinen derzeit mehr für Timo Hildebrand zu sprechen, als die Realität. Im Sommer hat er den Schritt ins Ausland zum FC Valencia gewagt und kämpft nun vorerst dort um einen dauerhaften Platz im Tor. Ein Nationalkeeper ohne Stammplatz, das sieht schlecht aus. Doch Hildebrand will sich durchbeißen.
Zweimal durfte er bisher die unliebsame Rolle des dritten Torwarts bei einem großen Turnier bekleiden, Einsätze gab es sonst meist nur in Freundschaftsspielen. Rumänien, Thailand, Argentinien, Georgien, Zypern, Rumänien – die Liste von Hildebrands Länderspielgegnern liest sich bis auf die „Albiceleste“ nicht gerade rosig. Nur einmal stand dabei die „Null“. Gegen Georgien und Zypern musste sich der Ex-Stuttgarter Kritik gefallen lassen.
So kennt man ihn: Solide, mit guten Paraden, aber oft auch nicht mehr, selten überragend. Zudem wirkte er sowohl in er Nationalmannschaft, als auch bei seinen ersten Auftritten in Valencia nervös. Nicht so in der letzten Saison als er zu den Garanten für den Meisterschaftsgewinn des VfB gehörte.
Viele können sich den blonden Mädchenschwarm nicht dauerhaft im Tor des DFB vorstellen, ihm selbst gefällt die Vorstellung jedoch sehr. Der hagere und wenig robust wirkende Keeper wird es jedoch schwer haben gegen die jüngere Konkurrenz – ohnehin gilt es für ihn erst einmal, das Tor des FC Valencia zu erobern, erst dann wird die Nummer eins in der Nationalmannschaft ein ernsthaftes Thema für ihn. Aber Hildebrand hat die Unterstützung von Joachim Löw sicher – ein Plus für ihn.
Tim Wiese:
Seit fast sechs Jahren hechtet Tim Wiese schon durch die Strafräume der Bundesliga, oft hat er es nicht leicht gehabt. Zwei Kreuzbandrisse, erst nur Nummer zwei in Bremen und dann sein gravierender Fauxpas in der Champions League gegen Juve, der das Aus für Werder bedeutete. Nun ist er topfit, hat seine Konstanz gefunden und die Fehler der Vergangenheit abgestellt. Der Anruf von Jogi Löw lässt jedoch weiter auf sich warten. Jüngst hat das Wiese zu der Aussage veranlasst, für ihn sei das „Kapitel Nationalelf unter Löw abgehakt“. Dass Hildebrand und Enke permanent vom DFB eingeladen werden, dafür hat der extrovertierte Ex-Lauterer kein Verständnis.
Wiese sagt seine Meinung, Wiese hält viel von sich selbst, das gesunde Selbstbewusstsein muss ja nicht schlecht sein. Von den sieben Kandidaten für Jens Lehmanns Nachfolge gehört er am ehesten dem Typus eines Oliver Kahn an. Er selbst sieht sich ebenfalls nicht als den „stromlinienförmigen“ Typen à la Lehmann, Enke, Hildebrand. Und der Torwart-Titan persönlich hat dem Bremer Torwart vor kurzem seine Rückendeckung gegeben.
Auch auf internationaler Bühne hat Wiese sein Können mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt, war fast alleine mit seinen Paraden für Werders Weiterkommen gegen Ajax verantwortlich. Jetzt fordert er, dass dies mehr Anerkennung findet.
Wenn die Fehler weiterhin ausbleiben und er ein hohes Niveau dauerhaft halten kann, ist der Stammplatz im deutschen Tor für Tim Wiese durchaus drin.
Robert Enke:
Die Profi-Karriere des Jenaers stand zu Beginn eigentlich unter keinem guten Stern. Gladbachs Torwart-Legende Uwe Kamps hatte sich schwer verletzt, Enke wurde als 21-jähriger zum Stammkeeper befördert. Die Saison 1998/99 war ausgerechnet die Abstiegssaison der Borussia, 79-mal musste Enke hinter sich greifen, doch jene Spielzeit wurde für den Keeper von Hannover 96 gleichzeitig zum Sprungbrett für höhere Aufgaben.
Es folgte der Wechsel ins Ausland zu Benfica Lissabon, weiter ging es zum illustren FC Barcelona, wo er nur einmal in der Liga im Tor stand, von dort zu Fenerbahce, von wo ihn der Weg über Teneriffa schließlich nach Hannover führte. Bei 96 besticht er seit 2004 durch konstant gute Leistungen, die ihn im März dieses Jahres zu seinem ersten Länderspiel gegen Dänemark brachten.
Aber ein Nationaltorwart von der – Entschuldigung – relativ grauen Maus Hannover 96? Viele werden sich wohl kaum mit einem Torwart, der weder bei einem Topklub, noch international spielt, anfreunden können. Zudem hat Enke mit 30 Jahren seinen Zenit erreicht. Den wird er noch ein wenig halten können, aber schon jetzt stehen deutlich jüngere Torhüter mit ihm auf Augenhöhe. Enke ist zweifellos ein klasse Torwart, aber dauerhaft gehört ihm sicherlich nicht die Zukunft beim DFB.
Roman Weidenfeller:
Arge Schaffenskrisen müssen nicht nur große Künstler bewältigen, auch Roman Weidenfeller kennt das Gefühl, wenn gerade nichts gelingen will. Erst muss er sich in den ersten beiden Saisonspielen sieben Gegentore einschenken lassen, dann die Sperre wegen Beleidigung von Gerald Asamoah, Rassismus-Vorwürfe, und als er nach drei Spielen – die der BVB allesamt zu Null gewann – ins Tor der schwarz-gelben zurückkehrt, geht die Misere weiter.
Zuletzt folgten drei Niederlagen in der Englischen Woche. Sechzehn Gegentreffer in fünf Spielen sind eine traurige Bilanz für den Keeper, der 2002 aus Kaiserslautern kam. Mit einem Notenschnitt von 3,8 findet er sich momentan ganz unten wieder in der Rangliste der Bundesliga-Torhüter. Weidenfeller steht dennoch in dieser Liste der möglichen Nachfolger, weil er schon anderweitig auf sich aufmerksam gemacht hat.
In der Spielzeit 2005/06 war er nach Angaben des Kicker-Sportmagazins sogar der beste seines Fachs. Kein Wunder, dass sein Name immer wieder auftaucht, wenn es um die potentiellen Nachfolger von Jens Lehmann geht. Momentan hat Weidenfeller mit Sicherheit andere Sorgen. Mit 27 Jahren ist er auch lange kein Nachwuchstalent mehr. Diese Rolle haben inzwischen andere übernommen. Ein Kandidat fürs DFB-Tor bleibt er, wohl nur kein allzu heißer mehr.
Fazit:
Der Torwart ist längst nicht mehr nur der Mann mit der „1“ auf dem Rücken, der irgendwie versuchen soll, Gegentore zu verhindern. Heutzutage muss er neben Reflexen auf der Linie und Sicherheit beim Hinauslaufen auch fußballerisches Können an den Tag legen und die Spieleröffnung selbst einleiten können. Ruhepol, Mann mit Ausstrahlung, Führungsspieler – die Anforderungen sind besonders an den designierten Nachfolger von Jens Lehmann hoch. Mit ihrem enormen Talent haben René Adler und Manuel Neuer sicherlich langfristig die besten Chancen. 2008 könnten für sie höchstens zu früh kommen.
Tim Wiese ist der berüchtigte „Typ“, der seine Abwehr eher lautstark zusammenhält. Seine Fähigkeiten sind unumstritten sehr groß, wenn er sein Temperament unter Kontrolle hält, sind seine Chancen trotz des verbalen Ausrutschers gegenüber dem Bundestrainer hoch.
Michael Rensing ist der große Unbekannte in der Runde. Die nächsten Wochen könnten für seine Zukunft eine Schlüsselrolle spielen. Überzeugt er, steht er ab 2008 im Tor des FC Bayern, und wer da als junger Deutscher mit 23 Jahren stehen darf, gehört automatisch zu den aussichtsreichen Kandidaten für Jogi Löw.
Der scheint indes große Stücke auf seinen schwäbischen „Landsmann“ Timo Hildebrand zu halten. Hildebrand ist zweifelsohne ein klasse Torhüter, aber ist er wirklich der richtige für den DFB?
Die geringsten Chancen sehe ich derzeit für Robert Enke und Roman Weidenfeller. Beiden fehlt die nötige internationale Erfahrung und im Gegensatz zu den Youngstern das nötige Entwicklungspotenzial. In ein paar Jahren werden die Jungen bei deren rasanter Entwicklung rasant an den Beiden vorbeiziehen.
Deshalb ergibt sich für mich diese Reihenfolge:
1a. Adler
1b. Neuer
3. Wiese
4a. Rensing
4b. Hildebrand
6. Enke
7. Weidenfeller
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Jannik
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Montag, 1. Oktober 2007
Fohlengeflüster (2):
Goldener September
Busse, die nicht kommen. Türen, die sich nicht öffnen lassen. Aachener, die es noch einmal spannend machen. Wen kümmert’s, wenn am Ende die Raute auf Platz eins steht?
Mönchengladbach Hauptbahnhof, 20:47 Uhr. Der fünfte Sieg in Serie, das 2:1 gegen Alemania Aachen ist seit einer Stunde perfekt. Auf Gleis 4 warten noch um die 200 Fans in schwarz-weiß-grün, die den Zug zehn Minuten zuvor verpasst haben.
Der Sonderzug fährt ein, eine Waggontür kommt genau vor meiner Nase zum Stehen – nachdem ich zuvor am Stadion zwanzig Minuten auf einen Bus warten musste, kommt das Glück ganz gelegen. Den unhandlichen Türhebel runtergedrückt – nichts. Noch einmal gedrückt – wieder nichts. Im Fenster fällt mir ein gelb-schwarzer (wie passend) Aushang ins Auge. „Türoffner defekt“. Na super, soviel zum „Glück mit der Bahn“. Die macht jedoch alles sofort wieder gut. Durch die nächste Tür stolpere ich mit meinen Eltern und meinem Bruder gleich in die 1.Klasse – bei Fußball-Sonderzügen ist das Fahren mit der Bahn ein vollkommen klassenloses Vergnügen.
„Wenn schon nicht 1.Liga, dann wenigstens 1.Klasse“, denke ich mir, als ich nach mitreißenden und am Ende wieder viel zu spannenden 90 Minuten in meinen Sitz falle. Obwohl ich sagen muss: Diese Zweite Liga gefällt mir von Spiel zu Spiel immer besser…
Nach fünfzehn Minuten fallen wir vor Freude fast vom Ober- in den Unterrang, so sehr nimmt die Borussia den Rivalen aus Aachen auseinander.
Friend hämmert den Ball nach starkem Zusammenspiel von Marin und Voigt bereits in der achten Minute an die Latte. Wenn er den Ball sauber trifft, steht es 1:0. Dann legt Ndjeng sich den Ball an der linken Strafraumecke zurecht. Per Hereingabe hatte er schon fünfmal einen Treffer aufgelegt. Wie immer bahnt sich der Ball mit viel Schnitt seinen Weg in den Strafraum, findet jedoch keinen Abnehmer und…denkt sich: „Dann lande ich doch einfach im Tor!“
50.000 sind aus dem Häuschen, die englische Woche geht blendend weiter. Kurz danach hat Marin, der für van den Bergh in die Mannschaft gerückt war, viel Platz auf links, spielt den Ball in den freien Raum zu Friend und der macht es diesmal besser. Mit rechts den Ball schön über den herauseilenden Straub gelupft, ich bin mir schon sicher, dass der drüber geht, doch dann fällt der Ball ins Netz – 2:0!
Keiner kann es so richtig glauben, eine Viertelstunde erst vorbei und schon scheinbar unaufhaltsam in Front. Fünf Reihen weiter unten signalisiert mir mein Vater mit seinen Fingern: Noch drei! Dann müsste ich mit meinem Bruder zu McDonalds, denn der hatte einfach mal kühn auf einen Kantersieg gewettet.
Rösler kann ein paar Minuten danach auf 3:0 erhöhen, aber das wäre nun wirklich zuviel des Guten gewesen. Aachen lässt in der ersten Hälfte alles vermissen, was man nur annähernd braucht, um auswärts etwas reißen zu können und kann froh sein, dass er zur Pause nur 2:0 steht.
Polanski kommt für den gelb-rot gefährdeten Svärd. Nach einer Stunde nimmt Luhukay den starken, aber auch oft zu eigensinnigen Youngster Marin vom Platz und bringt Johannes van den Bergh, der den Altersschnitt mit seinen 20 Lenzen nur unmerklich anhebt.
In der 64.Minute kommt es zur berühmten Duplizität der Ereignisse, wobei „Quadruplizität“ (falls es das überhaupt gibt) es besser trifft. Wie gegen Osnabrück, Aue und Augsburg lässt die Borussia den Gegner bei eigener 2:0 Führung wieder ins Spiel kommen. Wie aus dem Nichts ist Kolev mit dem Kopf zur Stelle und markiert den Anschlusstreffer. Zwanzig Sekunden lang herrscht Totenstille im Borussia-Park, aber dann bricht es wieder aus den 50.000 heraus. „Vau-Eff-Ell, Vau-Eff-Ell“ versuchen sie die Mannschaft wieder nach vorne zu peitschen.
Nach dem überraschenden Treffer der Aachener wankt die Borussia nur kurz und fällt nicht zu Boden. Krontiris hat den zwar Ausgleich auf dem Fuß, aber am Ende schaukelt Gladbach den fünften Sieg in Folge nach Hause. Der „Goldene September“ ist perfekt!
Sascha Rösler (manno man, ich wusste gar nicht, dass der solch ein Organ hat) stimmt mit der Nordkurve die Humba an, zum ersten Mal in dieser Saison, zum ersten Mal seit dem Last-Minute-Remis gegen Bremen im Februar (ja, so verzweifelt waren wir damals, dass wir nach einem Unentschieden auf der Tribüne rumgehüpft sind). Auf der Video-Leinwand erscheint die Tabelle, die Borussia steht ganz oben. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ wird angestimmt. Das gab es zuletzt vor genau einem Jahr, damals grüßte man nach dem Sieg gegen Dortmund von oben. Was danach kam, ist bekannt. An eine andere Tabellenführung aus dem August 1998 kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Nach dem 3:0 gegen Schalke zum Auftakt folgte: der Abstieg. Ich will ja jetzt unken…
Dass minutenlang kein Bus zum Bahnhof kommt und dass ich meinen Bruder die ganze Zeit in der Manier eines Kreisläufers beim Handball frei sperren muss, damit er von der wartenden Masse nicht erdrückt wird, macht mir dank dieser unfassbaren Siegesserie auch nichts mehr aus.
Ich habe eingangs gesagt, die Zweite Liga gefalle mir von Spiel zu Spiel immer besser…stimmt auch, aber ehrlich gesagt, will ich nächsten Mai schon gerne wieder aufsteigen. Das ist wie Urlaub: Sehr schön und erholsam, aber lange bleibt man trotzdem nie...
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Jannik
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Samstag, 29. September 2007
Fohlengeflüster (1): Die ungekannte Leichtigkeit des Seins
Hinten sicher, gelb-rot für St.Pauli, Tor Friend, Tor Rafael, Tor Rösler, Stürmer schonen, 3:0 gewonnen. Es hört sich so einfach an und sah gestern am Millerntor auch phasenweise so aus. Aber…
…jetzt bloß nicht in Selbstzufriedenheit und Größenwahn verfallen (auch bekannt unter dem psychologischen Fachbegriff „Köln-Syndrom“). Obwohl man nach umjubelten vier Siegen in Serie mit 12 eigenen Toren fast nicht anders kann.
In der gesamten letzten Saison – die hatte wohlgemerkt 34 Spiele, woran im Hinblick auf diese Spielzeit noch einmal mahnend erinnert sei – waren die Jungs um Jos Luhukay und (die Älteren werden sich grau erinnern) Jupp Heynckes nur 23 mal erfolgreich. Für 12 Treffer benötigte man damals unfassbare 22 Spiele (vom 13.-34. Spieltag).
Friend staubt ab, weil er dort steht, wo er stehen muss. Neuville mausert sich zum Kopfball-Ungeheuer (Nachlässigkeiten vom Elfmeterpunkt seien verziehen). Sascha Rösler stümpert oft ungelenk im Niemandsland herum und hat trotzdem drei Tore auf seinem Konto. Und selbst der verschmähte Nando Rafael trifft wie in alten Zeiten – ok, sagen wir besser „wie noch nie“ – als Joker. Doch warum ist die Borussia zuletzt so beeindruckend aufgetreten? Was hat sich gegenüber den ersten drei sieglosen Partien geändert?
Zu Beginn griff Jos Luhukay noch auf ein defensiveres 4-2-3-1 zurück, mit dem sich kaum Torchancen ergaben. Jetzt stürmen Friend und Neuville mutig zu zweit, egal ob daheim oder in der Fremde – der große Kanadier glänzt als Ableger, Neuville auch mit 34 noch als Wirbelwind. Dahinter machen Rösler und Ndjeng von Außen mächtig Druck, vor allem letzterer hat jüngst durch fünf Torvorlagen geglänzt. Paauwe macht gemeinsam mit Svärd oder alleine das Mittelfeld dicht und spielt seine Erfahrung aus. Da lassen sich selbst zwei dicke Patzer des Torhüters wie gegen Augsburg verkraften. Und wenn Gohouri und Brouwers so sicher stehen wie gestern, muss es gar nicht erst so weit kommen.
Gegen die Augsburger standen sechs Neuzugänge auf dem Feld, hinzu kamen Heimeroth und Svärd, die letztes Jahr entweder zweite Wahl oder lange verletzt gewesen sind. Charaktertypen wie Voigt und Rösler stehen für eine Borussia, die ihr Gesicht verändert hat im Vergleich zum Vorjahr. Vorbei die Zeit eines überheblichen David Degens, eines geldgierigen Zé Antonio und eines Stolperkönigs Kahê. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase hat die Elf mit der Raute auf der Brust begriffen, wie die Uhren ticken in Liga zwei.
Trotz des Facelifts und der offensichtlichen Typveränderung setzt Gladbach dennoch weiterhin auf die Jugend. Mit van den Bergh, Levels und Marin standen insgesamt drei Mann – oder besser gesagt Jungs – auf dem Platz in St.Pauli, die ihre Schuhe schon in der Jugend für den fünfmaligen deutschen Meister geschnürt haben. Van den Bergh und Levels schon so lange, dass sie sich damals womöglich noch gar nicht selbst die Schuhe binden konnten.
Auch wenn man sich aufgrund der erfolgreichen englischen Woche langsam wünscht, Gladbach würde jeden Tag spielen, damit der Aufstieg schon im Dezember gefeiert werden kann, sollte man sicherlich die Kirche in Hoffenheim lassen. 2005 spielte sich die damalige Elf von Horst Köppel bis auf die Uefa-Cup-Plätze und stürzte in der Rückrunde genauso steil ab, wie es hinauf gegangen war. Letztes Jahr war man im Winter bereits unten drin, es ging jedoch noch weiter runter gen 2.Liga.
Am Freitag heißt es deshalb unbedingt nachlegen und es bedarf immer noch des Beweises dafür, auch gegen die „Großen“ der zweiten Liga gewinnen zu können. In den Derbys gegen Aachen und Köln ist dazu reichlich Gelegenheit vorhanden.
Abgerechnet wird wie immer erst im Mai. Aber über eine kleine September-Euphorie wird sich wohl niemand beklagen wollen, oder?
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Jannik
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Mittwoch, 26. September 2007
Wenn's ganz schnell gehn muss - Sportnachrichten in der Zeitung
Gleich ist Redaktionsschluss, doch irgendwie noch nichts fertig. Wer da noch auf ein Fußballergebnis warten muss oder nicht weiß, wer verdammt noch mal auf dem Bild ins Leere grätscht, schießt schnell ein Eigentor.
1) Erstaunlich war beim Spiel der "Clubberer" gegen Bayern München in der letzten Saison nicht nur der deutliche Sieg der Franken, sondern auch die merkwürdigen Ein- und Auswechslungen der Trainer.
So hatte Hans Meyer den genialen Einfall, bereits in der 19.Minute seine Geheimwaffe Pinola für den bis dahin schwachen Pinola zu bringen. Pinola machte anschließend eine bärenstarke Partie, während Pinola nun den Platz auf der Tribüne fürchten muss.
Einen ganz schlechten Tag hatte auch Bastian Schweinsteiger erwischt. Schon in der 0.Minute kam Mehmet Scholl für ihn ins Spiel.

2) Etwas ganz besonderes hatten sich die Leute von der Willicher Sonntagszeitung "Extra-Tipp" ausgedacht.
Nur ein mickriges Trainingsshirt als Gewinn für die Beantwortung dieser Frage, die bei "1,2 oder 3" mit Sicherheit das Prädikat "Masterfrage" verdient hätte?
Antwort D) Uwe Seeler war übrigens richtig.

3) Was ist daran lustig, werden sich die meisten Fragen. Einiges! Der Ausschnitt stammt aus der Sportbild von...heute!
Werd' mich gleich mal ins Forum einloggen, das ist ja schon ein heißes Thema.
Kurios: Die Mainzer, die später abgestiegen sind, hatten die Herren bei der Sportbild erst gar nicht auf der Rechnung.

4) Hier haben sich gleich eine Hand voll Fehler eingeschlichen.
1. Der Mann am Boden kommt wenn schon von der TuS Koblenz (Turn- und Spielgemeinschaft)
2. Er wird wohl Andreas heißen, gibt aber nur 'nen halben Punkt Abzug, weil's ein Rechtschreibfehler ist.
3. Andreas Richter spielt zwar in Koblenz, aber der Gegner hieß eigentlich Offenbach. Aber Koblenz spielte tatsächlich eine Woche zuvor bei St.Pauli. Knapp, aber trotzdem vorbei.
4. Demnach endete das Spiel auch nicht 1:0, sondern 3:1.
5. Andreas Richter hat längere dunkle Haare, der grätschende Spieler ist aber auch wirklich schwer zu identifizieren bei dem entschlossenen Gesichtsausdruck. Ich vermute nach langer Recherche, dass es sich um Christian Müller handelt.

5) Wer ist hier schizophren? Der Mann vom Sid oder ich?
Schon blöd, wenn Aussage gegen Aussage steht.
3 Jahre, je 3 Mio. netto oder 3 Jahre, 3 Mio. netto? Ich glaube jetzt einfach mal den spanischen Medien, die sitzen schließlich an der Quelle. Aber das mit den 3 Vertragsjahren und 3 Mio. Gehalt kann sich auch nur wieder die BILD-Zeitung ausgedacht haben. Blöde Gerüchteküche!

6) Heute Morgen ist mir einiges klar geworden: Warum regen sich alle darüber auf, dass Premiere die Fußball-Berichterstattung im Free-TV erst ab 20 Uhr zulassen will? Ist ja auch unverschämt, dass die DFL sonst nur 420 Euro bekommt.
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Jannik
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Dienstag, 25. September 2007
Das Oktobermärchen nach dem Sommermärchen (Teil II)
Wie ich Lukas Podolski beim Simsen im Bett erwischte, Oliver Neuville mich traurig ansah, Franz Beckenbauer den Weg erklärt haben wollte und nicht neben mir auf der Toilette stand…
Michael Ballack, Tim Borowski, Philipp Lahm – alle sitzen mit hängenden Köpfen und Tränen in den Augen in der Kabine des Dortmunder Westfalenstadions. „4.Juli 2006 – Halbfinale Deutschland-Italien, Dortmund“ wird eingeblendet. Und ich gehöre zu den ersten Menschen, die sich das angucken dürfen. Ok, die Nationalspieler haben den Film bereits gesehen, der lockige Mann vom „Kinowelt Filmverleih“, dessen Name mir partout nicht einfällt, wird ihn seiner Frau gezeigt haben, und deshalb bin ich nicht der allererste, der in den Sommer 2006 zurückversetzt wird.
Aber trotzdem macht sich in mir eine gewisse Pioniersstimmung breit. Genügsam versinke ich im großzügigen Kinosessel und freue mich darüber, dass niemand von hinten mit Popcorn wirft, weil man das erstens auf Filmpremieren bestimmt nicht tut, es zweitens kein Popcorn gibt und ich drittens bekanntlich in der letzten Reihe sitze.
Über den exakten Ablauf und Inhalt des Films werde ich an dieser Stelle nicht allzu viele Worte verlieren, da ihn die meisten sicherlich kennen und die ganze Nacherzählerei hier etwas zu zäh werden würde.
Die Stimmung im Saal ist indes super. Jedes rhetorische Eigentor von Lukas Podolski wird mit großem Gelächter gewürdigt, bei jedem Tor der deutschen Mannschaft bricht fanmeilenartiger Jubel aus und Szenen wie Jens Lehmanns Frage an die Kanzlerin, was für einen Anreiz es denn für ihn gebe, nach Deutschland zurückzukehren, erhalten viel Beifall.
Man lernt die Menschen unter dem Trikot mit dem Bundesadler kennen und kommt zu der Ansicht, dass sie eigentlich nichts von uns unterscheidet. Viele Kritiker haben dem Film daher Oberflächlichkeit vorgeworfen und einiges verliere dadurch seinen Zauber. So hat Jürgen Klinsmann in seinen Ansprachen vor und während des Spiels nicht wirklich Wunderdinge vollbracht, sondern lediglich auf altbewährte Mittel der Motivation zurückgegriffen.
Aber wenn Poldi mit Chipstüten und Handy wie ein kleiner Junge im Bett liegt, Torsten Frings wie ein Siebtklässler auf der Klassenfahrt zu spät zum Gespräch mit der Kanzlerin erscheint und Miroslav Klose sich in hölzernem Englisch durch seltsame Fragen seiner Friseuse mogelt, dann hat das etwas Faszinierendes und Komisches an sich.
Genau das fängt Sönke Wortmann so ein, wie es noch nie jemand getan hat und deswegen bin ich in meinem roten Kinosessel am 3.10.06 hin und weg. Wer hervorragende Schauspieler sehen will, ist bei „Deutschland. Ein Sommermärchen“ gewiss falsch und wer eine Dokumentation mit großem Anspruch erwartet, kann sich lieber dienstags was von Guido Knopp ansehen. Dies scheint einigen Filmkritiker nicht klar gewesen zu sein, weshalb sie selbst die Darstellung eines Ereignisses, das den neu gewonnenen Optimismus und die Freude am Sommermärchen zeigen soll, in Pessimisten-Manier auseinander nehmen mussten.
Doch nun zurück ins Funkhaus zu Manni Breuckmann…nee stop, der spielt im Film zwar auch eine Rolle, aber ich wollte eigentlich sagen: Zurück ins Theater am Potsdamer Platz.
Dort hat der Film nämlich sein Ende erreicht. Happy End, alle sind glücklich - so auch ich - und Sönke Wortmann wird mit minutenlangen stehenden Ovationen gewürdigt, die mit Sicherheit auch den Hauptdarstellern vor der Kamera gelten.
Derweil frage ich mich, wie das Publikum eigentlich auf einen grottenschlechten Film reagieren würde. Gehen dann alle vor dem Ende nach Hause und boykottieren die After-Show-Party?
Bevor die an diesem Abend beginnt, wird jedoch erst die gesamte Nationalmannschaft auf die Bühne beordert und muss sich den Fragen von Anne Will stellen. Selbst DFB-Pensionär Oliver Kahn ist mit dabei, eigentlich fehlt nur Jürgen Klinsmann, der sich – natürlich – am Huntington Beach aufhält. Die Diskussionen darüber sind alter Tobak und eigentlich wird kaum ein Wort über den Ex-Teamchef verloren.
Die Zuschauer strömen aus dem Saal, wahrscheinlich um am Büffet ganz vorne zu stehen und bloß keins der köstlichen Canapés zu verpassen. Canapés sind mir zu dem Zeitpunkt (noch) schnuppe und ich entschließe mich, die Gunst der Stunde zu nutzen und auf Autogrammjagd zu gehen. Glücklicherweise verziehen sich die Spieler zuerst in eine kleine Privatlounge, die gegenüber der Tür liegt, durch die ich den Theatersaal verlassen habe. Und so ziehen sie wie an einer Perlenschnur aufgereiht alle an mir vorbei: Lehmann, Mertesacker, Metzelder, Lahm, Jansen, Borowski, Hildebrand, Neuville…und der Rest des Haufens.
Timo Hildebrand nimmt sich nach ein paar „Timo, Timo“-Rufen vier Sekunden Zeit, um seinen Namen auf den Rücken meines dafür designierten Trikots zu kritzeln. Mit mir befindet sich noch eine andere Gewinnerin des ARD-Gewinnspiels auf der Jagd und gemeinsam versuchen wir nacheinander einen der Spieler zu erwischen. Doch wie redet man Fußballer eigentlich an?
Ehrfürchtig: „Herr Ballack, könnten Sie sich erbarmen mir ein Autogramm zu geben?“
Freundschaftlich: „Michael, hätten Sie kurz Zeit für ein Autogramm?“
Oder wie ein Schalke-Fan aus GE-Buer: „Eh, Du mit der 13, kannse mir mal wat auf dat Trikot schreiben tun?“
Ich entscheide mich für Variante zwei. Wie in der Fankurve muss man sich ja nicht gleich benehmen, aber bei einem Menschen, den man vor dem Fernseher nur mit „der Ballack“ anspricht, geht die Anrede per Vornamen etwas leichter über die Lippen und „Herr Ballack“ hört sich auch irgendwie komisch an.
Ich erwische außer dem Timo noch Marcell Jansen, Andi Köpke und Jogi Löw für ein Autogramm. Oliver Neuville und Michael Ballack posieren für ein Foto mit mir. Der kleine Olli sieht dabei wie immer so traurig aus und ich hoffe nur, dass ich nicht der Grund dafür bin. Michael Ballack ist gerade in ein Gespräch vertieft, als ich ihn mit meiner Leidensgenossin (obwohl Glücksgenossin eigentlich treffender ist) um einen kurzen Moment für ein Foto bitte. Marcell Jansen hatte sich am Wochenende zuvor im Spiel gegen Werder Bremen am Knie verletzt, also frage ich ihn höflich nach seinem Befinden, woraufhin er mir versichert, dass erst die Arthroskopie Gewissheit bringe.
Unten auf der Hauptfeier komme ich mir dann in meinem Trikot und mit meinem verschwitzten Gesicht fast Fehl am Platze vor, so sehr wimmelt es von Fußball, TV- und Politikprominenz. Auf dem Weg zur Getränkebar erblicke ich vor mir die unverkennbare Mähne von Günter Netzer, auf dem Weg zurück läuft mir Günther Jauch über den Weg. Ich nehme meinen Mut zusammen und bitte auch ihn, ein Foto mit mir machen zu lassen. Denn Günther Jauch ist definitiv eines meiner Idole und ich habe nicht viele davon.
"Ja, keen Problem", kommt der Berliner bei ihm raus. "Eenfach einmal knipsen". Kurz gelächelt und weiter geht’s. Wenn ich ihn in Zukunft als Kandidat bei „Wer wird Millionär?“ darauf anspreche, dass wir beide uns bereits kennen, wird er sich wohl kaum noch an mich erinnern können.
Teilweise komme ich mir vor wie im Traum und denke mir mehrfach: ‚Womit hast Du solch ein Glück überhaupt verdient?'
Um mich ein wenig abzukühlen, schlürfe ich eine Fanta nach der anderen. Den Champagner lasse ich sein, man muss ja nicht übertreiben. Vom Pinkeln kann ich leider nichts Aufregendes berichten. Ich stand am Pissoir weder neben Franz Beckenbauer, noch musste ich Philipp Lahm hochheben, weil der nicht ans Waschbecken kam. Aber das wäre jetzt auch zu viel des Guten gewesen.
Den „Kaiser“ traf ich dann aber etwas später auf der Treppe, als er gerade gehen wollte. Routinemäßig lächele ich auch mit ihm schnell in die Kamera. Dann fragt er mich, wo lang es denn nach draußen ginge. „Einfach da die Treppe hoch, dann rechts“, kläre ich ihn auf. Er scheint’s gefunden zu haben.
Erschöpft von der ewigen Suche nach potentiellen Autogrammspendern und Fotopartnern, und der ständigen Behutsamkeit, um bloß nicht aufzufallen, lasse ich mich um 1 Uhr nachts auf einem Barhocker nieder. Eine Frau geht mit einem Tablett herum und ich schnappe mir schnell noch ein „Schnittchen“. Schließlich hatte ich ja seit 16 Uhr oder so nichts mehr gegessen. Beim erneuten Blick auf die Uhr wird mir dann klar, dass in 45 Minuten meine letzte S-Bahn nach Köpenick fährt, wo ich während meines Berlin-Aufenthaltes untergekommen bin. Deshalb heißt es schnell Abschied nehmen.
Müde trotte ich hinaus auf den roten Teppich, dorthin „wo alles begann“. Eine nette Hostess drückt mir noch eine kleine Tüte als Andenken in die Hand, in der sich kleine Souvenirs wie z.B. eine original Rasenmischung des echten WM-Untergrundes oder ein kleines Deutschland-Fähnchen befinden. Der WM-Rasen ist übrigens im Garten direkt neben dem Originalstück des Rasens vom Bökelberg vom Aufstieg 2001 eingesät worden. Tatsächlich stehen um diese Uhrzeit immer noch ein paar Mitglieder der Groupie-Fraktion am Absperrgitter.
Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich am Bus des Nationalteams vorbei, den man sich von innen angucken kann. Noch habe ich genug Zeit und entschließe mich einen kurzen Blick hinein zu werfen. Der Mann an der Tür weist mich jedoch trotz meines grünen Bändchens ums Handgelenk ab. Dafür bräuchte ich „ein rotes Bändchen“. Jäh werde ich in die Realität meines alltäglichen Fandaseins zurückgeholt, was nun wirklich nicht so schlimm ist.
Während der Fahrt mit der S-Bahn bin ich ganz versunken in Gedanken an diesen unvergesslichen Abend. Hatte ich das wirklich gerade erlebt? Ich? Jannik Sorgatz, 17 Jahre alt, ein ganz normaler Fußball-Verrückter alleine in Berlin…Nicht wirklich, oder?
Obwohl, woher kommen dann die Bilder auf meiner Digitalkamera und wer hat mir mit einem Edding nicht zu entschlüsselnde Schriftzeichen auf den Rücken gemalt?
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Montag, 24. September 2007
Das Oktobermärchen nach dem Sommermärchen (Teil I)
Wie ein Reporter vom RBB kurzzeitig mein bester Freund wurde und ich mich bei der Premiere von „Deutschland. Ein Sommermärchen“ plötzlich auf dem roten Teppich wieder fand.
Einige Leute sitzen quatschend in den Eiscafés, auch am großen Brunnen genießen wie immer viele Menschen mit Laptops bewaffnet die Atmosphäre des Sony Centers am Potsdamer Platz in Berlin. Touristen recken ihre Köpfe gen Himmel und zücken ihre Digitalkameras, aber von einem roten Teppich, geschweige denn von der Nationalmannschaft keine Spur.
Es ist der 3.Oktober 2006 – Tag der deutschen Einheit und ebenso der Premierentag des WM-Films „Deutschland. Ein Sommermärchen“.
Als geneigter Fußball-Verrückter hat man die Ohren stets gespitzt und absorbiert alles, was sich auch nur irgendwie zum Stillen der „Sucht“ eignet. Genauso ist es mit der Premiere der Dokumentation über den WM-Sommer 2006 gelaufen. Wenn ich mich an diesem Tag schon zufällig in Berlin aufhalte, kann ich mir solch ein Ereignis natürlich nicht entgehen lassen. Nur wo genau sollte der rote Teppich denn jetzt ausgerollt werden? Im Sony Center jedenfalls nicht.
Es ist erst 17 Uhr, noch mehr als zwei Stunden bis die Nationalmannschaft um Jogi Löw eintreffen wird. Also schlendere ich weiter suchend durch das große Areal. Moment? Findet die Berlinale nicht immer im „Theater am Potsdamer Platz“ statt? Einen Versuch ist es wert. Als ich das Gebäude aus der Ferne erblicke, fällt mir gleich das große Filmplakat über dem Eingang ins Auge. „Poldi“ rutscht auf grünem Hintergrund jubelnd über den Rasen, darüber der orange Schriftzug „Deutschland. Ein Sommermärchen“. Hier muss es doch sein.
Tatsächlich drängen sich vor den Absperrgittern schon Dutzende Fans, oder sollte ich sie „Groupies“ nennen? Ob diese fünfzehnjährigen Mädchen bei Interesse auch mit Fußballern – naja Ihr wisst schon – ist mir egal, jedenfalls erwecken sie mit ihren schwarz-rot-goldenen Hawaii-Kettchen, den blitzenden Zahnspangen und dem permanenten Gekreische den Eindruck, dass ihnen die Waden von Michael Ballack weitaus wichtiger sind als seine hervorragende Schusstechnik und seine ausgeprägte Beidfüssigkeit.
Das Areal vor dem Theater ist auf der Größe einer Spielfeldhälfte umzäunt, anscheinend rechnen die hier mit einem großen Ansturm. Zwei Stunden vor „Anpfiff“ des Films stehen die Fans erst in vier Reihen am Zaun, also stelle ich mich einfach hinzu und entschließe mich die Zeit zu investieren. Wann läuft die DFB-Elf schon einmal drei Meter vor einem über einen roten Teppich? Schon bald füllt sich der Platz und aus vier sind mindestens acht Reihen geworden. Nun gibt es kein zurück mehr.
Ach ja, gut vorbereitet bin ich auch gewesen. In dem Wissen, dass die Filmpremiere während meines Aufenthaltes in der Hauptstadt stattfindet, habe ich standesgemäß mein Deutschland-Trikot eingepackt und an diesem Tag angezogen.
Das ARD-Magazin „Brisant“ sollte ab 19 Uhr in einer Sonderausgabe von den nach-WM-sommerlichen „Feierlichkeiten“ berichten. Somit sorgen das Warm-Up der Moderatoren und kleine Proben für willkommene Abwechslung beim Warten, denn einfaches Rumstehen verliert nach einiger Zeit mitunter seinen Charme. Immer mehr Menschen strömen in der Zwischenzeit zum roten Teppich, es wird enger und kuschelig warm in der Menge. Von hinten fangen die ersten an zu drücken und mal wieder bin ich dankbar für jeden der 193 cm, die ich „ans Maßband“ bringe. Noch ahne ich nicht, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden würde.
Um 18:45 treffen die ersten Premierengäste ein und es offenbart sich das Prinzip der „Promi-Hierarchie“. Wer früh eintrifft und in einem einfachen Toyota vorfährt, findet sich in der „Promi-Hierarchie“ eher unten wieder oder ist „nur“ ein Schulfreund von Regisseur Sönke Wortmann. Wer spät eintrifft und in einer schmucken C- oder E-Klasse antanzt, hat schon etwas zu bieten. Und diejenigen, die 10 Minuten vor Filmbeginn in einem Toyota ankommen, standen schlichtweg im Stau.
Dementsprechend hält sich die Begeisterung bei Fans, Groupies und Schaulustigen zunächst in Grenzen. Gelegentlich erblickt jemand einen Schauspieler, den er „schon mal bei Kerner gesehen“ hat oder ruft differenziert ins weite Rund: „Hey, das ist doch der Dingens. Hier, von der Sendung bei RTL.“
Dann steigt auf einmal Günther Netzer aus einem der pausenlos heranfahrenden Autos. Unschwer zu erkennen, denn die Matte gibt es so wahrscheinlich nur einmal auf der Welt. Inzwischen ist es fast dunkel und eine wohlige Atmosphäre kommt auf. Sportfreunde Stiller, Monica Lierhaus, Peter Lohmeyer – nach und nach wird die illustre Gästeliste abgearbeitet und ein Auto nach dem anderen lädt einen weiteren prominenten Premierengast am roten Teppich ab.
Die Übertragung im Ersten hat begonnen, Interviews werden geführt und kleine Filme erscheinen auf einer Leinwand. Die Stars geben fleißig Autogramme und glückliche Strömungen im Meer der Wartenden haben mich fast bis auf einen Meter an die Absperrung heran befördert.
Gegen 19:30 Uhr taucht auf einmal der Mann auf, der mein Leben für einen Abend auf den Kopf stellen sollte: Ulli Zelle, Moderator beim RBB und an diesem Abend als Reporter auf Stimmenfang am roten Teppich. Er nähert sich den Zuschauern und ruft vollkommen unerwartet: „Na, wer hätte denn Lust heute Abend den Film noch zu sehen – als offizieller Premierengast? Sie müssen nur eine kleine Frage beantworten."
Plötzlich sind alle in Aufruhr. Hier und da ertönt ein „Ich! Ich!“ und Leute recken ihre Hände in die Höhe. Herr Zelle schlendert am Gitter entlang und pickt ein paar Leute heraus. „Auf Sie werde ich gleich noch einmal zurückkommen, ok?“, versichert er den glücklichen Auserwählten und stellt dann fest: „Jetzt haben wir ja nur Frauen, wie sieht’s denn mit der männlichen Fraktion aus?“. Mir war vorher schon aufgefallen, dass das männliche Geschlecht eindeutig schwach vertreten ist und um mich herum fast nur Frauen stehen. Also hebe ich meinen Arm, rufe laut „hier!“ und schaue den Mann bettelnd an. Gleiches tut ein Junge meines Alters neben mir. Der Mann vom RBB mustert uns beide für ein paar Augenblicke und zeigt dann auf mich. „Wir sprechen uns gleich noch mal“, sagt er augenzwinkernd.
‚Oh mein Gott. Komm ich jetzt ins Fernsehen?’, schießt es mir durch den Kopf. Schon sehe ich mich auf dem roten Teppich - posierend mit Günther Netzer, vertieft in Fachsimpeleien mit Jogi Löw. Schnell schreibe ich meinen Eltern eine SMS und bitte meine Oma die Sendung aufzunehmen. Wahrscheinlich habe ich mein Glück ironischerweise den kreischenden Mädchen zu verdanken, die den armen Herrn Zelle so verschreckt hatten, dass er sich lieber etwas von ihnen weg – genau zu mir hin – orientiert hat.
Die Nationalmannschaft trifft kurz danach ein, gefolgt von unserer Bundeskanzlerin, die fleißig Trikots und Mannschaftsposter signiert. Der Jubel ist groß. Fußballer als Filmstars – das hatte es so auch noch nicht gegeben.
Zehn Minuten später kommt mein Freund Ulli Zelle live auf Sendung und beginnt zu erklären, dass ein paar Fans nun die Chance hätten, durch Beantworten einer Frage exklusiv die Premiere von „Deutschland. Ein Sommermärchen“ mitzuerleben.
Im Fernsehen sieht es ja immer so aus, als würden Leute zufällig herausgepickt und dann vollkommen überrascht. Dabei wusste jeder der Auserwählten längst Bescheid, dass der Reporter gleich (total unvorhergesehen) auf ihn zukommt und eine Frage stellt.
Ich bin als Letzter an der Reihe. Bisher war nach dem Ausgang des Spiels Costa Rica-Deutschland gefragt worden und nach dem Austragungsort des Viertelfinales gegen Argentinien. Das sollte wohl machbar sein. Anscheinend hatte die ARD sich humane Fragen ausgedacht, aber ich war für alles gewappnet. Herr Zelle wendet sich mir zu und stellt meine alles entscheidende Frage.
‚Hilfe, ich bin im Fernsehen. Jannik, jetzt mach’ keinen Mist, sonst landest Du noch bei TV Total', denke ich.
„Wie lautet der Spitzname von Bundestrainer Joachim Löw?“, möchte er von mir wissen. Puh, Gott sei Dank keine Frage nach der Zuschauerzahl beim WM-Finale 1970 oder dem Torschützen des 7:5 beim Spiel Österreich-Schweiz 1954. (Antworten für alle, die es interessiert: 107.412 und Erich Probst).
„Jogi“, skandiere ich lauthals und blitzschnell ins Mikro, damit mir bloß kein Spielverderber dazwischen kommt.
Freudig drückt er mir zwei Karten in die Hand und wünscht mir viel Spaß bei der Vorstellung. Manche Menschen springen in solchen Momenten jubelnd durch die Gegend, ich bin eher der Typ, der einen emotionalen Vulkanausbruch im Inneren erlebt. Doch wohin mit der zweiten Einladung? Schließlich stehe ich alleine da. Spontan denke ich an meinen Nachbarn, der vorhin bei der „Musterung“ den Kürzeren gezogen hatte und drücke ihm die Karte in die Hand. Naja, ein wenig mehr Begeisterung hätte ich mir schon von ihm erwartet. Zudem schaut die ältere Frau vor mir etwas enttäuscht drein, so dass ich mich ärgere, ihr nicht die Karte gegeben zu haben. Weitaus lukrativer wäre es jedoch gewesen, das gute Stück schwarz auf dem roten Teppich an einen der weiblichen Groupies in der ersten Reihe zu verticken. Von dem Erlös hätte ich die gesamte Nationalelf zum Essen einladen können.
Also stolpere ich freudetrunken aus dem abgesperrten Bereich heraus und lege mich fast noch auf die Nase, weil plötzlich eine Stufe auftaucht, die mir vorhin entgangen war. Ich bewege mich Richtung Eingang, wo mich zwei Security-Männer, die in ihrer Statur einem Einbauschrank ähneln, kritisch beäugen, mir jedoch aufgrund meiner offiziellen Einladung, die ich ihnen ins Gesicht halte, sofort Eintritt gewähren. An einer Art Rezeption hole ich mir ein grünes Bändchen ab und stolziere über den roten Teppich aufs Theater zu. Lustigerweise höre ich wie ein Mädchen seine Freundin fragt: „Hörmal, kennst Du denn da? Nee, oder?“.
Ich bin etwas spät dran, es ist zwei vor acht und der Film beginnt gleich. In der allerletzten Reihe finde ich noch einen Platz, vor mir sitzt der Gladbacher Stadionsprecher, den ich sonst nur jeden zweiten Samstag im Borussia-Park sehe. Moderatorin Anne Will begrüßt die Gäste, hält eine kurze Rede, an deren genauen Inhalt ich mich nicht mehr erinnern kann und dann geht endlich das Licht aus. Der Film beginnt...
Wie ich mit Marcell Jansen über sein Knie redete, mit Günther Jauch ein Foto machte und Franz Beckenbauer mich nach dem Weg fragte, folgt in Teil II...
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Jannik
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Samstag, 22. September 2007
Fohlengeflüster (0): "Gladbach: Viiieeer! Augsburg: Nuuuull!"
Keine Angst, Fußball-Fans können durchaus zählen. In der Ekstase eines ungekannten 4:2-Erfolges ist man schlichtweg nicht mehr so nachtragend.
Der VfL ist wieder da!“ – lautet heute Morgen die Überschrift über dem Spielbericht in der Rheinischen Post. Noch eine Viertelstunde vorher hatte ich unter der Dusche gestanden und mir Gedanken über diesen Post gemacht.
„Als Überschrift könnte ich ja ‚Der VfL ist wieder da!’ nehmen“, hatte ich mir überlegt, schließlich hatten das 26000 Zuschauer gestern nach dem 3:1 durch Rob Friend angestimmt. Und irgendwie stimmt es ja auch: Drei Siege in Folge, zwei Nächte auf einem Aufstiegsplatz – die Borussia ist wieder da.
War es nun Telepathie, hatte ein RP-Späher vor der Badezimmertür gestanden und meinen Gedanken gelauscht oder ist Herr Karsten Kellermann (Autor jenes Artikels in der RP) einfach nur wie ich Borusse durch und durch und war ebenfalls hin und weg vom gestrigen 4:2 Sieg gegen Augsburg?
Wie auch immer, es war auf jeden Fall ein besonderer Abend im Borussia-Park. Dabei ging alles sehr unspektakulär los.
Als ich um 17:18 Uhr meinen Platz in der Nordkurve erreiche herrscht gähnende Leere im weiten Rund. Allein die 14079 Stehplätze im Unterrang sind allesamt belegt, wie immer eigentlich. Und in den verbleibenden 45 Minuten gesellen sich nicht allzu viele hinzu, in der zweiten Halbzeit wird die offizielle Zahl von 26100 Zuschauern verkündet. Eigentlich Bökelberg-Verhältnisse, aber die 25956 Gladbacher (die geschätzten 144 mitgereisten Augsburger abgezogen) erlebten erstens eine Partie, wie man sie lange nicht gesehen hatte und verwandelten den Borussia-Park zweitens in einem Hexenkessel. Übrigens kann der Gästeblock zukünftig an Spieltagen für private Veranstaltungen wie Geburtstage und Hochzeiten gemietet werden. Wehen, Hoffenheim, Augsburg und Koblenz brauchen den Platz ja sowieso nicht.
Friend und Rösler haben die besten Gladbacher Möglichkeiten in ersten Durchgang, vergeben aber aus kurzer Distanz. Auf der anderen Seite köpft Vorbeck Keeper Heimeroth freistehend in die Arme. So neigt sie die erste Hälfte schon ihrem Ende zu, als Oliver Neuville zwei Augsburger düpiert und aus halblinker Position den Ball ins rechte untere Eck schlenzt. 26000 gehen zufrieden ihr Bier und ihre Bratwurst holen, auch wenn die Borussia sich gegen die tief stehenden Gäste nicht gerade ideenreich präsentiert hatte.
Wie ausgewechselt kommen beide Teams aus der Kabine. Der 15. aus Bayern spielt jetzt munter mit, Gladbach ist ebenfalls engagierter, auf beiden Seiten ergeben sich Chancen. Fünf Minuten nach der Pause zieht der erneut bärenstarke Ndjeng eine Flanke von links scharf vor das Tor von Sven Neuhaus. Neuville ist zur Stelle und markiert per Kopf (!) seinen zweiten Treffer. Olli und Kopfballtore, das sieht man ähnlich selten wie früher ein Tor von Berti Vogts in der Nationalmannschaft.
Doch das Glück währt nicht lange. Dreßler köpft nach einer Ecke nur drei Minuten später zum Anschlusstreffer ein, Heimeroth macht in dieser Situation keine gute Figur. Als der Ball sich langsam in den Strafraum senkte, dachte ich mir schon: ‚Aber bitte nicht wieder wie gegen Osnabrück’. Prompt war das Unheil wieder perfekt. Mit einem Unterschied: Anstatt das dünne Polster mit Mann und Maus zu verteidigen, machen die Jungs von Jos Luhukay weiter, was sich schnell auszahlt. Svärd trifft aus der Distanz den linken Pfosten, Friend staubt in Arie van Lent-Manier ab und erzielt sein zweites Saisontor. Spätestens jetzt werden die Häme wie „weißer Kahê“ verhallen. Denn anders als der hat der Kanadier sich endlich warm geschossen und erweist sich mit seiner Kopfballstärke als neue Geheimwaffe im Angriffsspiel.
„Der VfL ist wieder da!“ skandiert die Nordkurve, denn der zweite Heimsieg der Saison scheint perfekt. Denkste! Erneut bringt Christofer Heimeroth den FCA mit einem schweren Schnitzer zurück ins Spiel. In der Folge geht es hin und her, Gladbach drängt auf die Entscheidung, Augsburg will seinem Trainer Rainer Hörgl im 100.Spiel einen Punkt bescheren. Letztendlich findet die Borussia das glücklichere Ende. Joker Nando Rafael, eigentlich als „Chancentod“ und „Abseitskönig“ verschmäht, bleibt Sieger im Laufduell mit einem Gegner und schießt nach schöner Körpertäuschung mit links zum entscheidenden 4:2 ein.
„Gladbach: Viiier! Augsburg: Nuuull“, verkünden die Fans den Spielstand. Zwei blöde Gegentore, die interessieren da niemanden mehr. Überhaupt durften wir Leidgeprüften mit der Raute im Herzen das erste Mal seit Dezember 2005 (4:3 gegen Frankfurt) vier eigene Treffer bejubeln, auch damals steuerte Oliver Neuville einen Doppelpack bei. Nachdem die Borussia in Aue am Montag zum erst dritten Mal in sechs Jahren in der Fremde dreifach getroffen hatte, gab es also nun im eigenen Stadion einiges zu bejubeln.
Als Augsburg mauerte, gewann Gladbach die Hälfte 1:0. Als Augsburg hinten aufmachte mit 3:2. Demnach wird deutlich, dass der Sieg in jeder Hinsicht verdient war.
„Oh, wie ist das schön. Sowas hat man lange nicht gesehen“ – das hatte man wirklich lange nicht. Mein Aberglaube hat uns übrigens den dritten Sieg in Folge beschert: Denn zum dritten Mal in Folge saß ich entweder im Stadion oder vorm Fernseher mit zwei Trikots übereinander. Dem alten weißen von Jever und dem neuen mit dem Kyocera-Schriftzug.
Dieser Aberglaube – im Winter wird er mich wahrscheinlich ins Grab bringen. Denn dann reichen zwei Trikots wohl nicht mehr, um mich vor dem Erfrieren zu bewahren. Es sei denn die Jungs erwärmen unsere Herzen weiterhin so wie gestern Abend.
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Jannik
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Labels: Gladbach, Zweite Bundesliga
"Entscheidend is"...
- ... im Prinzip alles, was die Fußballwelt irgendwie bewegt. Oft geht es dabei um einen Ball, 22 Spieler und einen Schiedsrichter. Häufig jedoch um viel, viel mehr. Vorneweg noch ein paar Worte ... oder, um es mit Bill Shankly zu halten: "Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!"
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Für jeden was dabei - aus den Fanshops dieser Welt
Aus dem Fanshop des FC St. Pauli: Aus dem Kofferradio am Badewannenrand dröhnt AC/DC. Das Quietscheentchen mit dem Totenkopf drauf headbangt im Takt der Musik. Der St. Paulianer in der Wanne macht Angus Young auf seiner Luftgitarre aus dem Fanshop alle Ehre. Das Wasser schwappt über. Nach zehn Minuten ist die Wanne leer, das Bad beendet. Und das Quietscheentchen liegt im Trockenen.




