Nette Geste vom DFB: Die Auszeichnung Ehrungspielführer ist zwar abgeschafft worden.
Aber abgetretenen Nationalmannschaftsgrößen wird von nun an zum Beispiel eine Verletzung gewidmet. Robert Enke erlitt im Training also keineswegs zufällig einen Kahnbeinbruch. Zwei Titanschrauben sollen den Bruch nun stabilisieren.
Bezeichnenderweise hat Jens Lehmann nur eine bankrotte Bank abbekommen.
Foto: Fund aus dem USA-/WM 2006-Archiv
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Widmungen und Bankrotterklärungen
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Jannik
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Labels: Nationalmannschaft
Für jeden was dabei - aus den Fanshops dieser Welt (4)


Aus dem Fanshop des FC St. Pauli: Aus dem Kofferradio am Badewannenrand dröhnt AC/DC. Das Quietscheentchen mit dem Totenkopf drauf headbangt im Takt der Musik. Der St. Paulianer in der Wanne macht Angus Young auf seiner Luftgitarre aus dem Fanshop alle Ehre. Das Wasser schwappt über. Nach zehn Minuten ist die Wanne leer, das Bad beendet. Und das Quietscheentchen liegt im Trockenen.
PS: Seit wann kann man Luftgitarren a) anpacken und b) kaufen?
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Jannik
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Dienstag, 7. Oktober 2008
Heureka!
Diese elende Leere. Dieses Übermaß an Freizeit. Was ist nur los heute? Warum läuft nirgendwo Fußball?
Und warum habe ich keine serbischen Freunde? Hätte mit ihnen Borac Cacak gegen Banat Zrenjanin gucken können. Ober gibt es kein serbisches PayTV?
Ach ja, die Nationalmannschaft hat trotz der Herbstferien in NRW nur 21.500 Zuschauer zum öffentlichen Training in die LTU-Arena gelockt. Übrigens gab es dennoch Zündstoff: Ballack scheißt Bierhoff wegen der unsäglichen Trikotbeflockungsaffäre an. Die DFB-Telenovela findet also ihre wohlverdiente Fortsetzung. Na wenigstens etwas am fußballfreien Tag.
Erstens ist die Geschichte wahrlich abgelutscht. Zweitens hat der DFB einen genialen Einfall gehabt. Der Kicker schreibt: "Im Gepäck des Verbandes befindet sich extra eine 25 Kilogramm schwere Beflockungs-Maschine, mit der noch bis kurz vor dem Anpfiff die Beschriftung der Trikots vorgenommen werden kann."
Zeugen berichten, dass aus den DFB-Gebäuden auf der Otto-Fleck-Schneise vor ein paar Tagen ein begeistertes "Heureka!" zu vernehmen war. Anschließend wurde Marschmusik gespielt und laut applaudiert. Das Schulterklopfen war derweil noch in Offenbach zu hören. Schade, dass die alternativen Nobelpreise gerade erst vergeben wurden. Doch die Herren von der Akademie werden für diesen genialen Einfall mit Sicherheit eine neue Kategorie ins Leben rufen. Wer weiß, ob Theo Zwanziger nicht sogar einen Neffen in Stockholm sitzen hat.
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Jannik
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Ein Bild spricht Bände
Der Schlüsselbund fiel. Der Rasenmäher ratterte unaufhaltsam weiter. Ein Geräusch wie tausend kreischende Katzen. Auf dem satten Grün vier gekappte Schlüssel und ein arg ramponierter Anhänger. Besonders letzterer bot ein martialisches Bild der Verwüstung. Zwei Monate später steht er Modell für einen Verein, der sich so präsentiert, wie der Schlüsselanhänger aussieht. Es will sich nicht einmal mehr drehen das Bild.
Nun weiß ich, was mir der Rasenmäher mitteilen wollte. Wie kann man nach 13 Jahren noch so blauäugig sein?
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Jannik
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Labels: Gladbach
Montag, 6. Oktober 2008
Keine Null für Spalte vier
Sieben Spiele sind rum, drei Mannschaften standen schon ganz oben, ein Trainer ist bereits raus. Die Bundesliga zehrt von ihrer Ausgeglichenheit und geizt weder mit Toren noch mit Zuschauern. Über eine Achterbahnfahrt mit ungewissem Ende
Schon der Blick auf eine ganz bestimmte Spalte der Bundesligatabelle spricht Bände: Kein einziges Team ist noch ungeschlagen. Das gab es zuletzt vor acht Jahren. Genau gesagt steht in jener Spalte mit dem v. für „verloren“ bereits seit letzter Woche keine einzige Null mehr, als Wolfsburg und Schalke jeweils die erste Saisonniederlage einstecken mussten. Eine ähnliche Abstinenz weißer Westen war letztmals zum Auftakt der Spielzeit 91/92 zu beobachten. Damals vollbrachten gleich 20 Mannschaften das Kunststück.
Ihre Ausgeglichenheit ist das schlagkrätigste Argument der Bundesliga. Längst erlauben nicht nur Partien mit Beteiligung der Bremer Torfabrik ernsthafte Hoffnungen auf ein Schützenfest. In 14 Spielen, also in 2 von 9, sind mindestens fünf Tore gefallen (4x 3:2, 3x 4:1, 2x 5:2, 2x 3:3, 1x 4:2, 1x 5:1, 1x 5:4 - dennoch war Werder viermal beteiligt). Der Schnitt liegt mit 3,13 Treffern so hoch wie lange nicht mehr. Die Schießbude der Liga heißt kurioserweise an beiden Enden des Platzes Werder Bremen: 19 eigene Treffer sind ebenso Spitze wie 16 Gegentore.
Freilich findet das ganze Spektakel nicht vor leeren Rängen statt. Mit 41 182 Zuschauern im Schnitt ist die Bundesliga in diesem Jahr erneut auf Rekordkurs.
Eine weitere Statistik untermauert eindrucksvoll das Jeder-kann-jeden-schlagen-Prinzip: Auf den ersten fünf Plätzen tummeln sich drei Vereine, die noch nie in der Bundesliga Meister geworden sind. Berücksichtigt man die letzten 45 Jahre, sind es in England dagegen 45 Meisterschaften, in Spanien 32 und in Italien immerhin noch 10. Chelsea, Liverpool, Arsenal und Barcelona, Real, Valencia – bei den Marktführern des europäischen Fußballs stehen die alten Bekannten vorne, während bei uns ein Aufsteiger wie Hoffenheim Rang zwei belegt (na gut, hier können die Engländer mit dem Überraschungsteam Hull City auf der drei noch annähernd mithalten).
Den 1. FC Köln auf Rang 10 trennen nur drei Zähler vom zweiten Platz. Der HSV steht mit drei Punkten Vorsprung derzeit nahezu uneinholbar an der Tabellenspitze – und das, ohne den Charme eines echten Spitzenteams zu versprühen. Wobei vier knappe Siege mit einem Tor Vorsprung, dazu zwei gedrehte und ein egalisierter 0:2-Rückstand durchaus in Indiz von Klasse sind.
Das Beispiel des HSV zeigt, dass man in der Bundesliga derzeit alles nach Belieben drehen und wenden kann – am Ende kommt stets etwas Positives heraus. Schwächelnde Bayern mag der eine mit dem Kommentar versehen, dass wir „weit genug unten angelangt sind, wenn nicht einmal mehr der Rekordmeister zu überzeugen weiß“. Andere werden behaupten, dass die Bundesliga in der Breite so stark besetzt ist, dass selbst der letztes Jahr noch übermächtige FCB vor keiner Krise gefeit ist.
Für den neutralen Beobachter ist es bislang eine Saison zum Zurücklehnen Zungeschnalzen. Jeder halbwegs Infizierte erlebt dagegen Woche für Woche eine Achterbahnfahrt der Gefühle, in der vom Totalschaden bis zur Schwerelosigkeit alles drin ist. Ohne Rücksicht auf Verluste.
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Jannik
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Sonntag, 5. Oktober 2008
Mission 40/7: C’est le Geschäft
Erst ein Fieber mit Folgen, dann die erste Derbypleite seit 16 Jahren – am Ende alles nebensächlich. Gladbachs vierte Niederlage in Serie wird überschattet von der ersten Trainer-Entlassung der Saison und einer fatalen Hubschrauberlan- dung im Traum.
„Derbyfieber“ diagnostizierte das FohlenEcho auf dem Titelblatt. Schon vor dem Anpfiff war klar, dass das Krankheitsbild bei einigen Chaoten viel fataler ausfällt. „Tollwut gepaart mit Paranoia im Endstadium“ trifft die Sache wohl etwas genauer. Die tiefen Wunden der Rivalität, erlitten im Zuge der Fahnen-Kapriolen aus dem Frühjahr, sind nicht annähernd verheilt. Im Gegenteil. Waren die Fronten zwischen Borussen und FC-Fans in den vergangenen Jahrzehnten schlichtweg verhärtet, die Lager sportlich verfeindet, ist nun scheinbar eine Wortneuschöpfung vonnöten, um das Verhältnis der rheinischen Rivalen treffend zu umschreiben.
So wurde zum ersten Mal, seit Stadionbesuche mein Leben bereichern, der Anpfiff nach hinten verschoben. Die Tollwütigen auf Seiten beider Teams hatten im Umfeld des Borussia-Parks für Szenen gesorgt, die wir – ums im Kommentatoren-Deutsch zu sagen – so nicht sehen wollen. Die beleidigten Beklauten (Gladbach) beschossen die Busse der provozierenden Diebe (Köln) mit Raketen. Man kann sich leicht ausmalen: Während das reine Wettrüsten im Laufe des Kalten Krieges schon die Angst vor einem Dritten Weltkrieg schürte, werden ein paar Leuchtraketen unter schmalhirnigen Hooligans zwangsläufig zur Eskalation führen. Die Kölner befreiten sich mit den roten Notfallhammern aus der Schusslinie. Daraufhin marschierten sie Richtung Fanhaus der Borussia, um dort mit Fäusten für Vergeltung zu sorgen. Die Eskapaden legten in der Folge den Verkehr lahm. „Rien ne va plus“ hieß es nicht nur für Shuttle-Busse und Autos, sondern auch für den Mannschaftsbus des FC.
Ich könnte jetzt loswettern mit Begriffen wie „hirnverbrannt“ oder „hirnamputiert“ und redundant betonen, dass derartige Ausschreitungen „vollkommen überflüssig“ seien. Doch abgedroschener Tadel wird rein gar nichts bewirken. Am Ende der Kette einer solchen Entwicklung steht für mich persönlich ein Schlussstrich – entweder die oder ich. Wir sind von italienischen Verhältnissen vergleichsweise und Gott sei Dank noch meilenweit entfernt. Aber jedes Ende hat einen Anfang. Und jener Anfang liegt mittlerweile weit hinter uns. 16 von 17 Heimspielen verlaufen ohne Nebenerscheinungen, wie sie den Derby-Samstag geprägt haben. Dennoch ist das allein ja kein Grund, sie einfach so hinzunehmen.
Fünf Minuten nachdem des Spiel dann endlich begonnen hatte, brannte es bereits lichterloh im Borussia-Park. Auf der einen Seite war Christofer Heimeroth nicht in der Lage, ein harmloses Tischfeuerwerk von Vucicevic zu entschärfen. Ehret staubte ab und erzielte sein erstes Tor im 56. Ligaspiel für den 1. FC Köln. Wen wundert’s, dass ihm der Premierentreffer ausgerechnet gegen Gladbach gelungen ist? Der FC-Gästeblock nahm auf der anderen Seite Revanche für die Ereignisse vor der Partie. Ein Feuerwerkskörper sorgte für verfrühte Neujahrsstimmung und ein Trommelfell zerberstendes Pfeifkonzert. Wir sind Tabellenletzter, unser Trainer steht stand auf der Abschussliste und Systemänderungen sind unser System – sich mit Problemen dieser Art rumzuschlagen, steht da nicht gerade auf Platz eins der Prioritätenliste. Vielleicht ist es aber auch nur ein bezeichnendes Bild für einen arg gebeutelten Verein, der derzeit nicht einmal in der Lage ist, ein paar Tausend Fußballfans am Eingang ordentlich abzutasten.
„Abzutasten“ war das letzte Wort, das ich bis Sonntag, 16 Uhr geschrieben hatte. Dann kam die Hiobsbotschaft über den Äther. Um halb sechs hat mir mein redaktionsinterner Korrespondent Nils die Nachricht „Jos ist raus“ geschickt. Jetzt sitze ich hier vor einem Scherbenhaufen und einem begonnenen Spielbericht, in dem zumindest die Spielminuten 6 bis 87 schlagartig überflüssig geworden sind. Entscheidend bleibt Novakovic‘ Freistoß in der 88., Heimeroths verzweifelter Versuch, mehr als nur ein paar Finger an den Ball zu bekommen und mein prompter Kommentar, frei von jeglicher Ironie: „17:24 Uhr, Gladbach ist seinen Trainer los“. Exakt 24 Stunden danach ist Vorahnung Wirklichkeit geworden.
Im Gedächtnis bleiben wird Luhukays letzte Amtshandlung, die unfreiwillig zum Sinnbild für seine Harakiri-Arbeit der letzten Wochen geworden ist: In der Nachspielzeit brachte er Colautti für Alberman – die Betonung liegt auf „Nachspielzeit“. Normalerweise nutzt das führende Team diesen letzten Augenblick, um Zeit zu schinden. Doch in Gladbach ticken die Uhren anscheinend anders.
„Ohne System zum Gewinn“ hieß das einzige erkennbare Motto. Eine Stammformation war genauso fremd wie Punkte. Dabei hatte Borussias Coach vor dem Derby nur zwei Spieler ausgetauscht. Ndjeng musste Neuville weichen. Marin kam für Callsen-Bracker. Wobei sich das mit dem Kommen und Gehen so einfach gar nicht sagen lässt, wenn aus einem 5-2-2-1 plötzlich ein 4-4-2 wird. Jos Luhukay hat es fertig gebracht, in sieben Partien 23 Spieler einzusetzen und sämtlich Zahlenkombinationen abzuarbeiten, deren Summe zehn ist.
Jos Luhukay fehlte letztendlich wohl nur ein Quäntchen an fachlicher Stärke, an Robustheit und Ausstrahlung, um in der Bundesliga zu bestehen. Doch allein sein Wechselspiel hatte zuletzt noch Konstanz und offenbarte gnadenlos die Hilflosigkeit des 45-jährigen Niederländers. „Die Anderthalbligisten“ titelte die Rheinische Post nach der Pokalpleite von Cottbus – den Trainer werden die Herren damals nicht außen vor gelassen haben.
Anfang 2007 kam er als neuer Assistent von Jupp Heynckes. Schon am 20. Spieltag schwang Luhukay als Cheftrainer das Zepter bei der Borussia und beschwerte den Fohlen prompt einen Auswärtssieg in Bielefeld – den einzigen in den letzten zwanzig Partien auf fremdem Platz. Doch seine Bundesligabilanz wurde in den folgenden 21 Spielen im Oberhaus nur noch um zwei Siege bereichert. Berlin musste im Abstiegsjahr dran glauben. Der Erfolg gegen Bremen vor ein paar Wochen war Luhukays dritter und letzter Dreier als Coach der Borussia. 13 Punkte aus 22 Spielen sind unterm Strich ein wahres Armutszeugnis. Seine tadellose Zweitligabilanz mit souveränem Wiederaufstieg verdeutlich eindrucksvoll, dass der Grenzgänger aus Venlo wahrhaftig ein Wanderer zwischen den Ligen war – eben ein echter „Anderthalbligist“. Genau aus diesem Grund geht er nicht als Buhmann, sondern als Aufstiegstrainer, für den es im ganz großen Geschäft einfach nicht gereicht hat. Seine Entlassung ist ein unvermeidlicher Teil eben jenes Geschäfts. Trotz allem also ein kräftiges „Danke, Jos!“.
Dabei hätte er frohen Mutes nach Bochum fahren können: Bielefeld, Berlin, Bremen – ein Sieg an der Castroper Straße hätte die Luhukay’sche Alliteration wunderschön vollendet. Zumal die darauffolgende Reise erneut nach Bielefeld gegangen wäre.
Diese Umstände – Luhukays Entlassung, Zieges Interims-Übernahme – überschatten natürlich das Derby mit all seinen Facetten. Der 7. Spieltag der Saison 2008/2009 wird nicht als Tag in Erinnerung bleiben, als Gladbacher mit Raketen auf Kölner Busse geschossen und die Fohlen zum ersten Mal seit 16 Jahren zuhause gegen den FC den Kürzeren gezogen haben. Vielmehr wird das Ende einer Ära hängen bleiben, die dort endete, wo sie begann – im Keller. Es ist logisch, dass Trainer von Vereinen wie Borussia Mönchengladbach in denselben Situationen geschasst werden, die sie einst in ihr Amt befördert hatten. Dennoch hat Luhukay mit einem Abstieg, einem Aufstieg und einem Salto rückwärts ans Tabellenende innerhalb von 20 Monaten durchaus Außergewöhnliches vollbracht.
Womit am Ende nur noch eine Frage zu beantworten wäre: Wer kommt jetzt? Zum Glück haben wir gerade erst einen Coach mit Schnäuzer entlassen. Peter Neururer sieht gegen Jos Luhukays smarten Oberlippenteppich ohnehin ziemlich alt aus. Mit Schrecken wurde derweil vernommen, dass Dick Advocaat sich im fernen St. Petersburg nach seiner Familie sehnt. Von Holland nach Gladbach – leider ein Katzensprung.
Zu guter letzt wäre da noch eine grausame Vision: In der Nacht nach dem Derby ist in meinem Traum noch einmal der Film des Nachmittages abgelaufen – darunter auch die kreisenden Hubschrauber über dem Borussia-Park. Auf einmal sinkt einer von ihnen unaufhaltsam gen Boden und landet gemächlich im Mittelkreis. Die Luke öffnet sich, ein Raunen geht durchs weite Rund und hinaus stolziert… Lothar Matthäus. Zwanzig Minuten später hört ein Lokführer in Nähe des Rheydter Hauptbahnhof ein kurzes Klackern auf den Gleisen – am nächsten Tag finden spielende Kinder die Splitter einer zertrümmerten Dauerkarte.
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Jannik
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Labels: Bundesliga, Gladbach
Freitag, 3. Oktober 2008
Rumänischer Niedergang, Deutsche Hoffnung
Optimisten werden sagen: Deutsche Team überstehen Europacupwoche ungeschlagen. Pessimisten entgegnen: Nur zwei Siege aus acht Partien.
Beim Blick auf die aktuelle Fünfjahreswertung fällt auf, dass Deutschlands Chancen, in einigen Jahren wieder vier Starter in die Champions League zu schicken, nicht allzu schlecht stehen. England und Spanien sind dem einstigen Verfolger Italien mittlerweile enteilt. Die Serie A misst sich in Zukunft, legt man die vergangenen zwei Spielzeiten und die laufende zugrunde, mit Deutschland, Russland, Frankreich, Portugal, der Türkei und Schottland um zumindest drei Plätze in der Königsklasse.
Ein kleines europäisches Fiasko erleben die vor zwei, drei Jahren immens erstarkten Rumänen. Alle UEFA-Cup-Teilnehmer des Balkanstaats sind raus. Allein in der Champions League hält Überraschungsteam Cluj gemeinsam mit Steaua Bukarest die Landesfahnen hoch. Stark dezimiert gehen die immer noch führenden Zyprer in die nächsten Wochen und Monate - Famagusta ist von nun an allein auf weiter Flur in Europa.
Nachdem die Teilnehmer an der Gruppenphase im UEFA-Cup diese Woche ermittelt wurden, sind nur noch Spanien und die Niederlande mit all ihren zu Beginn ins Rennen gegangenen Startern im Wettbewerb. Österreich hat sich bereits gänzlich von der europäischen Bühne verabschiedet. Alpen-Nachbar Schweiz kann nur noch auf den FC Basel hoffen.
In der internen Bundesliga-Wertung hat die Woche kaum Veränderungen gebracht. Es führt weiterhin die Hertha. Dortmund ist trotz des 2:0-Erfolgs in Udine ausgeschieden. Hat demnach keine Chance mehr die rote Laterne im Laufe des Jahres loszuwerden.
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Jannik
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Labels: Champions League, Europacup, Uefa
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Mission 40/6: Hamburg, meine Perle –
Gladbach, mein Ruin
Von Perlentauchern, ohnmächtigen Ungarn, und gebeutelten Fans, die weit reisen, viel trinken und jedes Spiel verlieren – 90 Minuten Masochismus in Hamburg.
Verwaist wie eine Ruine liegen die Fenster der Hamburger Herbertstraße im grellen Licht des späten Samstagabends. Man kann erahnen, dass weit gereiste und gebeutelte Fußballfans in der Stadt sind – heiß darauf, auswärts wenigstens abseits des Platzes ein Erfolgserlebnis zu feiern.
Schon am frühen Morgen, um kurz vor acht in Münster, hatte es alles andere als erwartungsfroh durch den Bahnhof geschallt. Das Lied von den Auswärtsdeppen, die weit fahren, viel trinken und am Ende jedes Spiel verlieren. Warum hätte es diesmal auch anders laufen sollen als sonst? Anders als in den acht punkt- und nahezu torlosen Auswärtsspielen zuvor?
„Wetter jut, Stimmung jut, wat will man mehr?“, rettet sich vor der HSH Nordbank Arena ein Leidensgenosse in den Zwangsoptimismus. Sein Hintermann packt kurzerhand die ganze Lebensgeschichte aus, deren aktuellstes Kapitel ein freudiges Oktoberfest auf der Dachterrasse von Karstadt darstellt. Ich komme mir in der Warteschlange vor den Drehkreuzen vor wie ein Titanic-Reisender, der seinen Kindern renitent eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, obwohl der Bug des Schiffes bereits gen Meeresgrund zeigt und das Ende naht.
Doch so kurz vor Spielbeginn bin ich selbst noch gut aufgelegt, als liege der Abgrund im Nebel und könnte niemanden beirren. Mutig wie eh und hecken Nils, Rötten und ich einen Plan aus, den Sascha Rösler zu machen und uns allesamt Glatzen zu rasieren, falls Gladbach heute fünf Tore schießt. (Danke, jetzt aufhören zu lachen.) Dabei hätten wir schon einen einzigen Treffer in die Waagschale legen können – die Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis hätte noch immer im einstelligen Promillebereich gelegen.
Innen gibt Stadionsprecher Lotto King Karl seine Hymne „Hamburg, meine Perle“ zum Besten – ein Lied, dessen Metrum den Anmut und die Geschmeidigkeit eines Stückes Harzer Roller besitzt, eingewickelt in Schmirgelpapier. Erst elf Minuten sind rum, als ich bereits liebend gerne den Perlentaucher machen und in meinem Sitz versinken würde. Paauwe verlängert einen Freistoß in Demichelis-Manier, Petric vollendet per Kopf und schon steht es 1:0 für den HSV.
Luhukays Konzept ist für die Katz‘. Man könnte angesichts seiner antiken Mauertaktik auch unken, seine Konzeptlosigkeit sei enttarnt worden. Hinten agiert die Borussia mit Fünferkette, davor mit zwei weiteren Defensiven. Rob Friend wird als einsamer Leuchtturm im Sturm alleine von Marcel Ndjeng und Karim Matmour unterstützt. Auf der Tribüne wird derweil ein ungarischer Fan notversorgt – die Gladbacher Taktik hatte in ihm böse Erinnerungen an Bern '54 geweckt und ihn glatt von den Socken gehauen.
Der Kicker notiert 3:2 Chancen für den HSV. Mehr Argumente gefällig, warum fußballerisch kaum mehr zu erwähnen ist, als Hamburgs Führungs- und Siegtreffer? Bitter genug ist es, dass Gladbachs Gegner ebenfalls einen gebrauchten Tag erwischt hat und sich nicht gerade eines Spitzenreiters würdig präsentiert. Doch grottenschlecht ist schließlich immer noch schlechter als schlecht.
In der Halbzeit schwappt eine Schlaf-La Ola durch Block 14C. Erst verabschiedet sich Nils‘ Sitznachbar ins Land der Träume. Dann erwischt es ihn selbst. Kurz darauf zolle auch ich dem unausgewogenen Schlaf- und Wachverhältnis Tribut. Pünktlich zum Anpfiff von Hälfte zwei sind die kollektiven Nickerchen beendet. Wir stellen uns hin, schließlich gehört uns die letzte Reihe. Im Stehen schläft es sich nämlich nicht ganz so gut. Hinter uns wird sich ja niemand beschweren.
Als die Borussia in den ersten zehn Minuten nach der Pause dem Gerücht von den deponierten Tretminen im Hamburger Strafraum noch immer Glauben schenkt, fällt mir auf, dass die HSH Nordbank Arena Selbstmorden nicht unbedingt präventiv entgegentritt. Hinter der kopfhohen Wand, die die letzte Reihe abschließt, geht es sofort in die Tiefe. Keine Ahnung, warum ich das ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wahrnehme.
In der 56. Minute ereignet sich schließlich Wundersames: Gladbach schießt zum ersten Mal aufs Tor. Coulibaly, der alte Fuchs, hatte erkannt, dass die Tretminen bei Schüssen von außerhalb des Sechzehners ja kein Problem darstellen würden. Weil er nicht weiß, wie es im Tor aussieht, setzt er den Ball vorsichtshalber daneben.
Das Festival des Masochismus aus Gladbacher Sicht nimmt in der Folge einen besseren, man ist geneigt zu sagen, weniger schlechten Lauf. Luhukay bringt Marin ins Spiel. Nach wenigen Minuten hat der Youngster bereits für mehr Alarm gesorgt, als es seine Vorarbeiter in der Offensive innerhalb der nächsten sechzehn Jahre geschafft hätten. Sein Schuss/Heber auf die Latte bleibt lange Zeit die beste Gelegenheit der Borussia. Desweiteren präsentiert sich Marin auf der „Zehn“ als genialer Ballverteiler, dem allein die kongenialen Partner fehlen.
Nach der unfreiwilligen Einwechslung von Coulibaly nach Matmours K.o. in der zehnten Minute und Marins Hereinnahme nach einer Stunde, bewahrt sich Luhukay die letzte Wechselmöglichkeit verdammt lange auf. Fünf Minuten vor dem Ende kommt schließlich Neuville für Callsen-Bracker. Der HSV kommt angesichts dieser wahren Angriffswelle zwar nicht ernsthaft ins Wanken. Dennoch hat Friend den Ausgleich in der 89. auf dem Kopf. Allein seine Rückenlage steht dem unverhofften Erfolgserlebnis im Weg.
Im Laufe der zweiten Hälfte hatte ich meine Kamera bei jeder aussichtsreichen Standardsituation im Anschlag – ungefähr dreimal also. Die Hoffnung, ein Video mit dem Seltenheitscharakter einer Aufnahme vom Yeti zu bekommen, zahlt sich jedoch nicht aus. Die Drehbuchänderung wird vertagt. Das dritte 0:1 der Saison ist unter Dach und Fach. Die rote Laterne in Gladbacher Hand.
Nach dem vernichtenden 1:5 in Hannover wurde der alte Spruch bemüht, dass man lieber einmal fünf Dinger kassiert als fünfmal 0:1 verliert. Derzeit sieht es aus, als wolle die Borussia beides fertig bringen. Zum Glück kommt jetzt der FC zum rheinischen Derby in den Borussia-Park: „Hopp oder top“ ist da noch eklatant untertrieben.
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Jannik
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Labels: Bundesliga, Gladbach

