Die Tatsache, dass sich die Krönung einer gelungenen Saison weiter hinzieht, lässt erste Zweifel im Unterbewusstsein nagen. Wenigstens trat Gladbach gegen 1860 weitgehend erstklassig auf. Doch ohne das Quäntchen Glück wird das Unternehmen Aufstieg ein härteres Stück Arbeit, als man derzeit denken mag.
Manchmal gibt es sie, diese Tage, an denen man extra spät aus dem Bett klettert, damit die Wartezeit bis zum Anpfiff möglichst kurz ist. Ohnehin ist die Anziehungskraft, mit der man gegen Ende einer Saison ins Stadion getrieben wird, um einiges größer als an grauen Novembertagen. Die Sonne scheint Ende April, der Aufstieg naht, wobei letzteres mittlerweile gleichermaßen Unbehagen wie Vorfreude hervorruft. Wie letztes Mal schon erwähnt, werden die alten Vergleiche von Apotheken und kotzenden Pferden aus den Tiefen der Sprichwortkiste herausgekramt. Es ist die Rede von Bärenfellen, die nicht verkauft werden sollten, bevor das Tier erlegt ist.
Wer seit nunmehr knapp sieben Monaten von der Spitze der Tabelle grüßt, wird immer wieder dazu verleitet, mit all seinen mathematischen Fähigkeiten das Ende des Wartens, das endgültige Aufstiegsdatum zu prophezeien. Dabei redet man, als existierten freie Wahlmöglichkeiten, als sei der Aufstieg ein Wunschkonzert und keinerlei Arbeit mehr. Gerade das letzte Spiel in Jena hat wieder eindringlich daran erinnert, dass man das Ticket für den Wiederaufstieg nicht geschenkt bekommt.
Doch an diesem Sonntag gegen 1860 München, der seinem Namen alle Ehre macht, lösen sich alle Ängste vorm apokalyptischen Scheitern auf der Zielgeraden innerhalb weniger Minuten auf. Es ist warm, auf meinen Schultern ruht – wie sollte es auch anders sein – das weiße Trikot, mit dem ich seit Anfang September jedes Mal ins Stadion gehe und vor dem Fernseher sitze. Darüber prangt das grüne Jersey, in dem die Borussia spielt, wenn der Gegner in der Fremde ebenfalls "grün" unter „Vereinsfarben“ in seiner Satzung verankert hat. Seit nunmehr neun Spielen ist diese Trikotkombination ungewaschen, weil Gladbach seit dem Heimspiel gegen Mainz nicht mehr als Verlierer vom Platz gegangen ist. Eine weitere Waschaktion ist nicht vorgesehen. Sie würde auch äußerst ungelegen kommen, denn die Borussia benötigt vor dem Spiel gegen 1860 noch mindestens sechs Punkte, um den Aufstieg unter Dach und Fach zu bringen.
Dass Manager Christian Ziege auch an diesem Tag wieder auf der Bank sitzt, scheint eigentlich nicht der Rede wert. Seine Anwesenheit war unter der Woche jedoch kurzzeitig sehr unwahrscheinlich, nachdem die Schlagzeile „Ziege erschossen“ in diversen Gazetten für Unruhe gesorgt hatte. Schon die Zusatzinformation, dass es sich dabei um eine „echte“, sprich tierische Ziege gehandelt hat, besänftige jedoch schnell alle Befürchtungen und die Sache konnte mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen werden. Zumal die Satiriker und Hobby-Biologen ohnehin von einem tierischen Irrtum ausgingen. Es habe sich bei der lebensmüde Ziege um den Kölner Geißbock gehalten, der sich bei Königswinter, das passenderweise nur eine halbe Autostunde von Köln entfernt liegt, unentwegt und unbezähmbar auf den Gleisen herumtrieb. Er wollte der Androhung der Gladbacher Anhänger, ihm eine Raute ins Hinterteil zu rasieren, allem Anschein nach durch Freitod entgehen. „Auf der Flucht erschossen“ nennt man das.
Anders als die arme Ziege zeigt sich die Borussia von der ersten Minute an aber äußerst lebhaft. Das Leder läuft durch die Reihen – „wie in besten Zeiten“ würde jemand behaupten, der diese Ära hautnah miterlebt hat. Ich sage das eher, weil ich mir „gute Zeiten“ ähnlich vorstelle wie Gladbachs Spiel in der Anfangsphase. Colautti, für den grippekranken Friend erstmals in der Startelf, kann einige gute Pässe in den freien Raum jedoch nicht nutzen, weil er im Abseits steht. Doch der Tabellenführer kommt ebenso zu konstruktiven Torchancen. Den Sechzigern sieht man derweil an, dass sie nicht darauf bedacht sind, es nicht einmal gewohnt sind, unentwegt hinten drin zu stehen. Genau diese Spielweise kommt der Borussia entgegen, so dass der erste Treffer nach einer Viertelstunde mehr als nur in der Luft liegt.
Röslers Schuss vom Elfmeterpunkt wird abgefälscht. Kurz darauf trifft Ndjeng aus kurzer Distanz nach einem Querpass die Latte. Wiederum Rösler setzt den Nachschuss fahrlässig in die Wolken. Und so kommt es, wie es kommen muss. Nein, Gladbach gerät nicht in Rückstand, im Gegenteil. Doch das 1:0 kommt in Anbetracht der vorhergehenden Großchancen ziemlich glücklich zustande. Neuville zimmert einen Freistoß aus zentraler Distanz aufs Tor, ein Löwe fälscht ab und Tschauner ist im Kasten zwar überrascht, aber nicht chancenlos. Den 50000 im nahezu vollen Borussia-Park ist es Recht. Der bisher nahtlos an das Heimspiel gegen Fürth anknüpfende Auftritt scheint seine ersten Früchte zu tragen. In der Freude des Augenblicks wähnt man die drei Punkte voreilig in der Tasche, fragt sich, wann das 2:0 denn fallen mag und malt sich insgeheim die Aufstiegsfeier nach einem Sieg in Offenbach am nächsten Wochenende aus.
Die Strafe folgt auf dem Fuß, vielmehr mit dem Kopf. Nach einer Ecke hat Di Salvo am ersten Pfosten viel zu viel Platz und bugsiert den Ball unhaltbar für Heimeroth ins Tor. Der Schock ist da, aber nicht aus den Socken reißend. Schließlich hatte der bisherige Spielverlauf durchaus zu Optimismus angeregt und so hieß es einmal schütteln und in Kahn'scher Durchhaltemanier weitermachen. Da Gerechtigkeit im Fußball eher willkürlich und unvorhersehbar ihren großen Auftritt hat, nimmt die Borussia an diesem Tag leider die Rolle der Pechmarie ein. Gegen Fürth noch unbezwingbar und mit dem Papst in der Tasche, gegen Jena bezwingbar, jedoch erneut mit dem Pontifex in der Tasche, klebt ihr heute das Unglück am Fuß. Colautti und einmal mehr Rösler scheitern an Münchens Tschauner.
Normal müsste an dieser Stelle der Satz folgen: „1860 ist mit dem Unentschieden zur Pause gut bedient“. Doch wenn Regelmäßigkeiten hier einen Platz hätten, wäre das Spiel in Köln siegreich verlaufen, gegen Fürth hätten wir mindestens einen Treffer kassiert und in Jena womöglich bitterlich verloren. Unterm Strich kommt dasselbe raus, man weiß nur nicht wie. Jedenfalls wandert das Pech kurz vor der Pause vom Fuß in den Rücken von Filip Daems, der Göktans Schuss vom Kurzdiktat in der Grundschule zur Analyse hermetischer Gedichte werden lässt – sprich, verdammt undankbar und folgenschwer.
Im Pausentalk mit meiner Mutter bringe ich die vage Voraussage an, dass Gladbach – wie gegen Fürth – in der zweiten Hälfte noch doppelt treffen wird. Schließlich hatte der Auftritt in den ersten 45 Minuten – abgesehen von zwei unliebsamen Zwischenfällen – sehr an die Leistung vor 14 Tagen erinnert. Zudem erwecken Neuville und Rösler drei Minuten nach dem Seitenwechsel den Eindruck, mit dieser These auf der richtigen Seite zu sein. Nach einem klassischen Doppelpass samt elegantem Lupfer in den Sechzehner der Sechziger steht Rösler mutterseelenallein vor Tschauner. Der junge Löwenkeeper hört eigentlich nicht wie Hoffenheims Özcan auf den Spitznamen Rambo. Die Art und Weise, wie er Rösler zu Fall bringt, erinnert doch sehr an eine glaubwürdige Imitation von Sylvester Stallone in Hochform.
Der Pfiff ertönt unverzüglich. In dieser Hinsicht begeht Schiedsrichter Christ keinen Fehler, aber anstatt Tschauner vom Platz zu schicken, belässt es der junge Unparteiische bei einer gelben Karte. Ein Elfmeter vor der Nordkurve, ich muss sagen, das ist etwas ganz Neues in dreizehn Jahren Stadionkarriere für mich. Früher am Bökelberg sah man die Elfer von der Ostkurve meist seitlich oder von hinten. In vier Jahren Borussia-Park ist mir ausschließlich ein Elfer von Oliver Neuville gegen Cottbus auf die Südkurve in Erinnerung geblieben. Und so stehe ich um kurz nach drei, als alle Sonntagsmessen längst gelesen sind, mit gefalteten Händen vor dem Mund in der Nordkurve. Neuville läuft an und bevor ich sie zum Jubeln in die Luft recke, muss ich mit meinen Händen erst reflexartig eine Bewegung machen, als hätte ich sie mir gerade an einer Herdplatte verbrannt: Denn das war richtig knapp. Neuville visiert das linke untere Eck an, trifft Tschauners rechte Hand und allein deren merkwürdiger Haltung ist es zu verdanken, dass das Runde noch ins Eckige trifft.
Wenn man auf zwei Tore hoffend in einen zweiten Durchgang geht und die Hälfte der Mission bereits nach wenigen Minuten erfüllt ist, dann spricht im Prinzip nichts gegen eine baldige Abarbeitung des gesamten Wunschzettels. Vor allen Dingen der Gegner aus München mimt in der Folge das geizige Christkind und hindert das zwischenzeitige Gladbacher Spektakel aus der ersten Halbzeit zunehmend an seiner Entfaltung. Auf der Gegenseite wird Heimeroth ein paar Mal gefordert. Seine Tat gegen Johnson verdient sogar die Bezeichnung „Glanzparade“. Zur rechten Zeit weckt Gladbachs häufig gescholtener und selten gelobter Schlussmann konstant den Eindruck, dass man auch im nächsten Jahr auf ihn bauen kann und sollte.
Soumaila Coulibaly, mit nunmehr zwölf Einwechslungen, davon neun in Folge, Gladbachs Jokerkönig, und Rob Friend, dessen Kraft nach überstandener Krankheit für knapp zwanzig Minuten reicht, sollen in der Endphase noch den ersehnten Sieg in die Wege leiten. Vor allen Dingen letzterer fällt dabei positiv auf. Doch auch im sechsten Spiel in Folge bleibt der Kanadier torlos. Als das Remis schon besiegelt scheint, hat er das Tor des Monats per Fallrückzieher auf dem Fuß, aber Marins Flanke trifft wohl einzig und allein den falschen Zeh von Borussias bestem Torschützen. Der Ball streift denkbar knapp am Pfosten vorbei. Nicht ohne Grund findet Gladbachs Leistungsträger der letzten Spiele, der sonst so agile Marin, an dieser Stelle erstmals Erwähnung. Im bisherigen Verlauf hatte er mehr auf die Socken als auf die Reihe gekriegt.
Nach einem Schuss von Coulibaly wechselt das Glück weiterhin nicht die Fronten. Sein abgefälschter Versuch landet auf dem Tornetz. Erneut ist es womöglich der falsche Zeh eines Sechzigers, oder der vierte anstatt des dritten Lendenwirbels gewesen, der dem späten, aber verdienten Sieg der Borussia im Weg steht. Als das Spiel zu Ende ist, ertönt Beifall von den Rängen – zu Recht. Denn abgesehen von einer ungewohnten Abschlussschwäche beziehungsweise einem Gegentor zu viel hat sich die Borussia beinahe makellos verkauft.
„Wie gewonnen, so zerronnen“ hieß das nach dem Spiel gegen Köln. „Wie remis, so unentschieden“ trifft es die Sache nach der zwölften Punkteteilung der Saison diesmal etwas besser. Auch in dieser Hinsicht belegt Gladbach einen Spitzenplatz. Bei nur drei Niederlagen liegt in dieser immens hohen Anzahl an einfachen Punktgewinnen womöglich der Grund dafür, dass die Borussia erst 57 Punkte eingefahren hat und für das Unterfangen Wiederaufstieg auch am drittletzten Spieltag in Offenbach jede Menge Schützenhilfe benötigt.
Die Drei-Punkte-Regel bestraft Remiskönige auf dem Fuß. Dank ihr kann man eine Spielzeit ungeschlagen mit 34 Unentschieden bestreiten und am Ende absteigen. Wer 17 Spiele gewinnt, genauso viele verliert, spielt dagegen mitunter international. Dennoch ist der Schuldenberg der noch zu holenden Punkte auf fünf Zähler geschrumpft. Ist dieses Soll erfüllt, kann sich der Tabellenführer des Unterhaus eine zweitklassige Sintflut wünschen, es müsste ihn nicht mehr kümmern.
Je länger der Moment der Glückseligkeit auf sich warten lässt, desto mehr drängen sich leise, kaum hörbare Zweifel im Unterbewusstsein auf. Noch erscheinen mir keine kotzenden Pferde im Schlaf, aber die ersten Gedanken à la „was, wenn wir jetzt verlieren, wenn der Abstand urplötzlich auf drei, vier Zähler schmilzt“ machen sich ein wenig bemerkbar. Mit schlechtem Gewissen denke ich an die Willkür der letzten drei Wochen zurück, als ich mir ausgemalt habe, ich könne mir den Zeitpunkt des Aufstieg wie den Sitzplatz im Stadion aussuchen. Denkste.
Jetzt heißt es arbeiten, anfeuern, an sich glauben und die Früchte einer tollen Saison einzufahren. Der Zug mit dem Überraschungseffekt ist abgefahren, jetzt gilt es nur noch, das
zu vollbringen, wovon jeder in Deutschland inzwischen fest ausgeht – den Aufstieg. Nichts anderes.
Samstag, 3. Mai 2008
Fohlengeflüster (25):
Ein Ziel im Blick, nichts anderes
Eingestellt von
Jannik
um
00:14
1 Kommentare
Labels: Gladbach, Zweite Bundesliga
Freitag, 2. Mai 2008
Manchester oder Moskau -
Hauptsache kurze Anreise!
Wie der Luftraum in den nächsten Wochen leerer bleiben und ManU ein Heimspiel auf fremdem Platz haben könnte.
Ich bin nun wirklich nicht vornehmlich grün, vielleicht hinter den Ohren, aber nicht was politische Sichtweisen angeht. Dennoch schlage ich vor, dass die UEFA die Austragungsorte der diesjährigen Endspiele in UEFA-Cup und Champions League aus klimaschutztechnischen Gründen einfach tauschen sollte.
Am 14.Mai spielen in Manchester (nicht in Old Trafford, sondern im für die Commonwealth Games 2002 errichteten City of Manchester Stadium) die Glasgow Rangers und Zenit St. Petersburg um den Titel im "Cup der Verlierer". Eine Woche später treffen Manchester United und der Chelsea London im Luschniki-Stadion zu Moskau aufeinander. Dann geht es neben der Wurst auch um die Champions-League-Trophäe.
Insgesamt - wie der Entfernungstabelle zu entnehmen ist - müssen die Anhänger der vier Teams (angenommen sie wohnen in oder in der Nähe der jeweiligen Stadt) insgesamt 7400 Kilometer Anreise zurücklegen. Tauschte man die Spielorte, würde sich die Zahl auf knapp die Hälfte (3420 Kilometer) reduzieren.
Die Fans aus Manchester müssten gar nicht fahren oder fliegen. Der Heimvorteil würde nur begrenzt seine Wirkung entfalten, da das Endspiel ja bekanntlich nicht in Old Trafford stattfindet. Für die Anhänger der Blues wäre die Anreise ebenfalls ein Katzensprung.
Genauso verhält es sich mit den St. Petersburgern. 600 Kilometer sind für russische Verhältnisse doch gar nichts. Allein die Rangers würden mit diesem Tausch ein schlechtes Geschäft machen. Ihre Reiseentfernung verneunfacht sich in diesem Fall. Vielleicht drückt jeder Fan der anderen drei Klubs dann einfach jeweils 10 Pfund ab und die Glasgower erhalten eine kleine Pendlerpauschale.
Wenn Sigmar Gabriel alleine im Flieger nach Schlag-mich-tot fliegt, geht ein Aufschrei durch die Nation. Wenn Zehntausende Fußballfans unnötig durch Europa gejagt werden, bleibt alles still. Es muss ja nicht einmal ums exzessive Fliegen gehen, man könnte auch einfach Rücksicht auf die Geldbeutel der chronischen Allesfahrer und der ohnehin weniger betuchten Schlachtenbummler nehmen.
Früher wurde der Austragungsort des DFB-Pokalfinales so ausgewählt, dass beide Teams möglichst gleich weit reisen mussten. Ich kann nicht genau sagen, ob es international ebenfalls mal eine ähnliche Regelung gegeben hat, aber sie würde auf jeden Fall Sinn machen. Heutzutage ist ein Europacup-Endspiel jedoch mit so intensiven Vorbereitungen aufgrund des Besucheransturms und der Sicherheitsvorkehrungen verbunden, dass es leider kaum möglich ist, circa drei Wochen vor dem Finale eine adäquate Stadt zu finden.
In Anbetracht der Tatsache, dass alle englischen Russlandreisenden nun doch innerhalb von weniger als drei Wochen ein Visum benötigen, stellt sich mir ohnehin die Frage, warum die UEFA Europacupfinals nach Russland vergibt. Bei meinem unwahrscheinlichen Tauschgeschäft bräuchte schon nur noch die Hälfte aller Anhänger ein Visum. Oder darf man etwa in ganz Russland seine Heimatstadt nicht ohne Visum verlassen?
By the way, hat nämlich nicht viel mit dem Thema dieses Posts zu tun: St. Petersburg hat auf dem Weg nach Manchester in der Gruppenphase gegen Nürnberg gespielt, später Leverkusen und die Bayern ausgeschaltet. Glasgow hat in der Vorrunde der Champions League dem VfB den garaus gemacht, danach Werder Bremen im Achtelfinale ausgeschaltet. Chelsea traf in der Vorrunde der Königsklasse auf Schalke. Besonders die Russen haben damit quasi die halbe Bundesliga aus dem Wettbewerb gekegelt, wobei sich der "Club" beim 2:2 in St. Petersburg unterm Strich noch am besten verkauft hat.
Ein deutscher Verein wird also auf jeden Fall sagen können, er sei gegen den späteren UEFA-Cup-Sieger ausgeschieden. Gewinnt Chelsea, trifft dies auch für die Champions League zu. In diesem Fall hätte Deutschland dann mit Michael Ballack seinen ersten Champions-League-Sieger seit 2005 - man staune, Didi Hamann war's. Vor zwei Jahren war Jens Lehmann der letzte Deutsche, der im Finale scheiterte. Den UEFA-Cup hat Andreas Hinkel als letzter in der Hand gehabt.
Eingestellt von
Jannik
um
11:44
0
Kommentare
Labels: Europacup
Wie die Faust aufs Auge (8)
"Ich bin froh, wenn es vorbei ist." - Oliver Kahns unbestätigte Gedanken beim gestrigen 0:4 in St.Petersburg. Ursprünglich vor dem DFB-Pokalfinale aus seinem Mund gehört.
Einerseits passt Kahns Zitat wirklich "wie die Faust aufs Auge", andererseits wollte man ihm spätestens nach dem vierten Treffer zurufen: Nee, Olli, lass' weitermachen, vielleicht wird das halbe Dutzend ja noch voll!
Solange der FC Bayern sich auf deutscher Bühne blendend für die Bundesliga in Szene setzt, schlummert jegliche Bayern-Opposition unter der eigens für derartige Anlässe zugelegten Europacup-Haut. Doch sobald die Lichter aus sind, wittert der ansonten überzeugte Bayern-Gegner die Chance auf ein historisches Debakel und wechselt kurzerhand die Fronten. So kam es, dass ich gestern spätestens nach dem 0:4 die Namen Toni, Ribéry und Schweinsteiger in meinen inneren Anfeuerungrufen gegen Pogrebnyak, Denisov und Malafeev ausgetauscht habe.
Mich wundert es dennoch, welch milde Worte die BILD für den Niedergang des FC Bayern gefunden hat: Schande, Schmach, Blamage - ich hatte schon mit Vergleichen aus der Geschichte à la "Bayern erlebt sein sportliches Stalingrad im alten Leningrad". Aber solch tiefgründige historische Kenntnisse waren nun auch wirklich zu viel verlangt.
Eingestellt von
Jannik
um
11:17
0
Kommentare
Labels: Wie die Faust aufs Auge
Dienstag, 29. April 2008
Für jeden was dabei - aus den Fanshops dieser Welt (3)
Aus dem Fanshop von Borussia Mönchengladbach: Aus aktuellem Anlass gibt es im Borussen-Fanshop ein neues T-Shirt. Heute vor 30 Jahren schoss die Borussia den Namensvetter aus Dortmund mit 12:0 aus dem Düsseldorfer Rheinstadion und setzte (wenn in den nächsten Jahren alles mit rechten Dingen zugeht) einen Rekord für die Ewigkeit. Das Bild der rappelvollen Anzeigetafel kann man nun den ganzen Tag lang mit sich rumtragen. Wenigstens ein Trost für die verpasste Meisterschaft von 1978, als zwölf Treffer nicht reichten, weil Köln zeitgleich mit 5:0 gegen St.Pauli gewann. Dabei hätte ein normales 2:0 schon gereicht, um den Titel dem Rivalen vom Niederrhein, sprich dem VfL zu überlassen. Aber es hat nicht sollen sein. Dafür feiern wir bald den Aufstieg und der FC nur den Klassenerhalt. Man munkelt übrigens, Gladbach habe aus Platzmangel auf der Anzeigetafel die letzten drei nötigen Treffer nicht mehr erzielen können.
Der Spiegel blickt ebenfalls zurück. Herbert "Hacki" Wimmer, Horst Wohlers auf Seiten der Gladbacher und Manni Burgsmüller auf Seiten des BVB erinnern sich.
PS: Soumaila Coulibalys Gesicht musste nicht aus Mangel an Sympathien dran glauben, sondern schlichtweg aus Platzgründen.
Eingestellt von
Jannik
um
22:35
0
Kommentare
Labels: Für jeden was dabei, Gladbach
Montag, 28. April 2008
Offener Brief an Bernd Schneider
Bernd Schneider sieht dem EM-Zug in diesem Jahr weinend hinterher. Dabei wird er mit einem weißen Taschentuch wedeln, seine Halswirbel verfluchen - und vielleicht auch mich. Denn schon im November habe ich prophezeit, dass das Turnier im Sommer '08 ohne den Ex-Jenaer und Frankfurter stattfindet (falls nicht doch noch eine Wunderheilung Einzug hält).
Lieber Bernd, Schnix, einziger-deutscher-Brasilianer-seit-Jahren, sehr geehrter Herr Schneider (suchen Sie sich/such’ Du Dir die passende Anrede aus, ich wähle jetzt mal das sportliche „Du“),
schon am 22. November habe ich prophezeit bzw. in Kassandra-Manier vorausgesagt, dass die EM für Dich persönlich nicht allzu erfolgreich verlaufen wird. In meinem Beitrag „Von ominösen Töpfen, abtrünnigen Österreichern und Lehmanns Pläte“, in dem ich die EM schon einmal in meinem Zimmer und auf der Tastatur durchspielte, fielst Du nach dem zweiten Vorrundenspiel „mit einem Riss des Syndesmosebandes für den Rest des Turniers aus“. Falls mein Unken für die momentane Verletzung verantwortlich sein sollte, sie gar heraufbeschworen hat, dann möchte ich mich auf diesem Wege dafür entschuldigen.
Dass nun die Halswirbel streiken (was in Deinem Alter, ohne Dir zu nahe zu treten, auch viel näher liegt als so eine neuartige Modeverletzung) bedaure ich sehr. Ebenso wie die Tatsache, dass mein Blick in die Zukunft Deine persönliche EM-Geschichte noch viel positiver umrissen hat als die derzeitige Realität. Denn nun wirst Du uns vollends fehlen und der Satz „Schneider feiert kurz vor Schluss sein Comeback“ im Finale bleibt reine Fiktion. Auch der zweite verwandelte Schuss im Elfmeterschießen gegen Griechenland wird Dir damit wohl versagt bleiben.
Deine Karriere in der Nationalelf scheint ein jähes Ende zu nehmen. Du hast das unliebsame Schicksal angenommen, dass Deine neun Jahre andauernde Laufbahn im DFB-Dress in eine gänzlich titellose Zeit fiel (das wäre zuletzt von 1954 bis 1972 möglich gewesen, deshalb: Hut ab!). Kein Nationalspieler hat mehr Länderspiele bestritten (81), ohne jemals einen Pokal in den Händen zu halten. Michael Ballack könnte Dich im ersten Vorrundenspiel der EM zwar überflügeln, aber diesen wenig ruhmvollen Titel auch prompt wieder loswerden, wenn er uns zum EM-Titel führt.
Immerhin kannst Du sagen: „Immer wenn ich getroffen habe, hat Deutschland mindestens acht Tore erzielt“. Nun ja, jemand könnte Dir dann auch entgegnen, dass Deine beiden einzigen Länderspieltreffer den jeweils letzten Treffer in einer torreichen Partie bedeuteten und beide in der 90.Minute fielen (das 8:0 gegen Saudi-Arabien bei der WM 2002 und das 13:0 beim Kantersieg in San Marino 2006). Sie waren also nicht wirklich wichtig oder gar entscheidend. Doch damit täte man Dir unrecht, denn genauso gut verkörpern sie Deinen Kampfgeist und die Tatsache, dass Du nie aufgesteckt hast. Und vielleicht juckt es gerade deswegen nach der EM noch mal und Du kannst im August Deinen offiziellen Abschied à la Jens Nowotny feiern. Zwar ohne großes Brimborium und offizielles Abschiedsspiel von Seiten des DFB, aber dennoch gebührend.
Mach’s gut, Bernd!
Ich
(Foto: wikipedia)
Eingestellt von
Jannik
um
23:05
0
Kommentare
Labels: EM 2008, Nationalmannschaft
Freitag, 25. April 2008
Lautern geht übers Wasser
Kaiserslautern gelingt ein Kunststück, das auf den ersten Blick und vor ein paar Tagen noch jenseits des Machbaren lag. Aber Naturgesetze sind im Fußball eben seit jeher fehl am Platze.
Den Rückstand aufs rettende Ufer an nur einem Spieltag, innerhalb von neunzig Minuten, um fünf Punkte verkürzen? Bis heute schien das - wo wir schon bei der Ufer- und Wasser-Thematik angelangt sind - so unwahrscheinlich und unmöglich wie Jesus' Spaziergang über den See Genezareth. Dabei bestand das Rezept für diese Außerkraftsetzung biblischer Symbolik gerade einmal aus zwei serbischen Fußballern und ein paar Ungereimtheiten bei der Meldung derer Verträge mit der TuS Koblenz.
Wäre jemandem schon früher daran gelegen gewesen, für das angesprochene Novum zu sorgen, es wäre ein Kinderspiel gewesen. Mit Stolz geschwellter Brust wird man in Koblenz nicht auf den Rekord-Punktabzug von acht Zählern blicken, der den Verein vom Deutschen Eck aus den Feierlichkeiten rund um den schier sicheren Klassenerhalt schnurstracks zurück in die Zukunft befördert hat. Selbst in Kaiserslautern, bei den Tabellenakrobaten, die vorgestern noch abgestiegen schienen und die jetzt nur noch ein Tor vom rettenden 14.Platz trennt, wird man sich die Wiederauferstehung anders vorgestellt haben. Wobei wir mit dem Wort "Wiederauferstehung" zurück zum Neuen Testament gelangen.
Im übertragenen Sinne ist der Mythos vom biblischen Wasserlauf besiegt. Vielmehr kann man jetzt resümieren, Lauterns blitzschnelle und unverhoffte Aufholjagd ähnele einer Verlängerung des Tages auf 47 Stunden. 'Pah, geht doch gar nicht!', werden hart gesottene Work-a-holics entgegen, doch sie täuschen sich. Man könnte schnell die Beringstraße von Westen nach Osten überqueren oder sich mit einem Boot im Pazifik so an der Datumsgrenze platzieren, dass man sie am Ende eines Tages einfach in östlicher Richtung überquert und dort denselben Tag noch einmal von vorn beginnen kann. Ok, klingt kompliziert und wahrscheinlich wird das nie jemand von uns erleben dürfen. Aber den vorhergehenden Satz wird man so oder so ähnlich noch Mittwoch am Betzenberg gehört haben und jetzt?
Jetzt lebt der FCK wie lange nicht mehr und schnuppert am Klassenerhalt. Und Stefan Kuntz darf sich damit rühmen, den Abstand in seiner 18-tägigen Amtszeit erst von sechs Punkten auf acht gesteigert zu haben, um ihn dann innerhalb von zwei Spielen voll und ganz zu eliminieren. Das wird ihm zwar nur jemand aus Kiribati an der Datumsgrenze glauben und einen sportlichen Anteil hat er wohl kaum daran gehabt. Im Arbeitszeugnis liest es sich dennoch alles andere als schlecht. Geradezu Messias-like.
Eingestellt von
Jannik
um
20:26
0
Kommentare
Labels: Zweite Bundesliga
Wat nich mut, dat mut nich
Man möchte fast behaupten, die Bayern können sich nicht mit einem profanen Halbfinal-Hinspiel anfreunden, in dem noch längst nicht die Früchte der Arbeit verteilt werden. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie sich von einer technisch und taktisch zwar versierten, aber längst nicht mit großen Namen gespickten Mannschaft in der zweiten Hälfte so abkochen lassen.
Knappe Führung in Hälfte eins, Ausgleich nach zahlreichen vergebenen Chancen in Hälfte zwei – das gab’s gestern nicht zum ersten Mal. Die Bayern haben diese Saison durchaus das ein oder andere Mal bewiesen, dass sie auch international zu neuer Stärke gelangt sind. Leider zeigen sie das nur, wenn sie auch wirklich müssen. Wie gegen Saloniki, in Anderlecht oder zuletzt fünf Minuten lang in Getafe. Und weil ein Hinspiel nicht mehr und nicht weniger als die Weichen fürs Rückspiel legt, durften sie zwar, mussten aber nicht gleich eine Galavorstellung abliefern.
Neben der bayerischen Unfähigkeit in dieser Saison, das enorme Potential auf Knopfdruck abzurufen, ist vor allen Dingen eines aufgefallen: Das Wohl des FC Bayern steht und fällt mit der Leistung von Franck Ribéry und Luca Toni. Wenn Letzterer dann mit einer Gelbsperre auf der Tribüne hockt – dennoch öfter im Bild ist als 50% der Spieler auf dem Platz – und sein französischer Kollege mit ungekannten technischen Nachlässigkeiten aufwartet, ist für den Rekordmeister oft nicht viel zu holen.
Könnte mir zudem vielleicht mal jemand die Elfmetertechnik von Ribéry erklären? Wer eine Anlaufbahn wählt, als wolle er durch die „della Roggia“-Schikane von Monza joggen, der kann wohl kaum mehr als solch einen unplatzierten E-Jugend-Schuss hervorzaubern. Nicht jeder Torwart heißt schließlich Tim Wiese und lässt sich mit dem plumpen Ball in die Mitte aufs Korn nehmen.
Ebenso regte die Leistung unserer deutschen Nationalspieler gestern Abend nicht gerade zu Lobeshymnen und vorzeitigen Siegesfeierplanungen für den Tag nach dem EM-Finale an. Jansen hat sich seit der WM so viel weiterentwickelt wie die Tarifverhandlungen der Post. Allein auf seinem Gehaltszettel sieht es seit letztem Sommer besser aus. Inzwischen hat er, wenn es hoch kommt, drei Offensivaktionen in einer Partie und von den Vorstößen aus Gladbacher Zeiten ist nichts mehr zu sehen. Philipp Lahm spult allzu oft auch nur sein Programm ab. Im Trikot des FC Barcelona kann ich ihn mir nicht so richtig vorstellen. Bastian Schweinsteiger ist jegliche Torgefahr abhanden gekommen. Miroslav Klose lässt ab und an sein Potential wenigstens kurz aufblitzen, wenn auch als Vorbereiter. Und Lukas Podolski hatte zweimal den zweiten Treffer auf dem Fuß, wobei es jetzt müßig ist, darüber zu diskutieren, ob er eine dieser Gelegenheiten mit der Unbekümmertheit vergangener Tage genutzt hätte. Zumindest hat man etwas von ihm gesehen.
Jetzt bleibt zu hoffen, dass Luca Toni im Rückspiel seine Doppelpack-Serie fortsetzt. Franck Ribéry den Wahnsinn dem Genie weichen lässt und seine Schmankerl bzw. waghalsigen Befreiungsaktionen an der Außenlinie, umringt von drei Gegenspielern, auch wieder für Gefahr und nicht allein für Zungenschnalzen sorgen. Und dann hängt zu guter Letzt wieder einiges von der typischen Bayern-Mentalität ab. Denn jemand muss ihnen weiß machen – und dieser jemand wird sich sicherlich finden –, dass sie einfach nur ihr Ding machen müssen und dann zwangsläufig der richtige Weg eingeschlagen wird.
Heimspiele gegen Duisburg und Frankfurt, Auswärtsspiele in Cottbus, Pokalfights in Burghausen, das ist nichts für die Bayern anno 2008. Partien, in denen man sich nur blamieren kann und keine Legenden geboren werden - nein, danke. Topspiele gegen Bremen, die man 4:0 gewinnen kann, dramatische Rettungsaktionen wie beim 3:3 in Getafe – der Schuh passt ihnen schon eher. Und selbst wenn die Kulisse am Donnerstag in St. Petersburg nicht allzu einladend sein wird, geht es dennoch um alles.
Eingestellt von
Jannik
um
14:01
0
Kommentare
Donnerstag, 24. April 2008
Drunter und drüber - Abstiegskampf in 45 Jahren Bundesliga
25, 26, 27, 28, 29 - in den unteren Gefilden der Tabelle ist es so eng wie lange nicht mehr. Den Klub mit der "roten Laterne" trennen gerade einmal drei Punkte vom rettenden Ufer. Wenn alles seinen Weg wie bisher geht, könnten schon 33 Punkte zum Klassenerhalt reichen - theoretisch. Und "grau" ist bekanntlich "alle Theorie". Dennoch habe ich mir einmal die Historie des Abstiegskampfs in der Bundesliga zu Gemüte geführt und nachgeschaut, wer sich in 45 Jahren dort so knapp "über" und "unterm Strich" tummelte, und was an den berüchtigten 40 Punkten für den Klassenerhalt eigentlich dran ist.
"Erst die 40 Punkte einfahren, dann reden wir weiter" - so oder so ähnlich hört man es Jahr für Jahr von den Lippen der Trainer abstiegsgefährdeter Bundesligaklubs plätschern. In Karlsruhe biss man sich jüngst vier Spieltage an der 40er-Marke die Zähne aus, bis dann in Duisburg endlich die ersehnten Punkte Nummer 39, 40 und 41 eingefahren wurden. Dabei hätte sich der KSC eigentlich getrost auf seinen 38 Punkten ausruhen können, denn seit Einführung der Drei-Punkte-Regel im Jahr 1995 hat erst ein Team mit dieser Punktzahl den Weg in Liga Zwei antreten müssen - ok, es war der KSC höchstpersönlich.
Auch in Frankfurt erschien das Brimborium um das Ziel von 45 Zählern eigentlich unsinnig. Schließlich war es die Eintracht selbst, die 1987 mit nur 33 Punkten hauchdünn der Relegation entging. Nur Uerdingen reichte 1995 noch ein Punkt weniger, um drin zu bleiben. Ein Jahr zuvor war sie allein durch die Zwei-Punkte-Regel vor dem schweren Gang ins Duell mit dem Dritten der Zweiten Bundesliga bewahrt worden, das von 1982-1991 eine Bundesliga-Saison beschloss. Übrigens hat Frankfurt die letzten drei Spiele allesamt verloren und jedes Mal eine Gelegenheit verpasst, das selbst gesteckte Saisonziel von 45 Punkten zu erreichen.
Doch was sagen 44 Jahre Bundesliga über die Bedeutung der 40 Punkte aus? Seitdem 1974 der dritte Absteiger eingeführt wurde, konnten zwei Teams den Abstieg nicht vermeiden, obwohl sie ihre Hausaufgaben erledigt und 40 Punkte eingefahren hatten. 1980 setzte Hertha BSC Berlin die Naturgesetze des Abstiegskampfs außer Kraft, zehn Jahre später war es der VfL Bochum. Letzteren wäre der Klassenwechsel mit der Drei-Punkte-Regel jedoch erspart geblieben. 1990 hätte es nach heutigen Standards den 13. aus St.Pauli aufgrund der schlechteren Tordifferenz erwischt.
Überhaupt hat es in der Historie das ein oder andere Mal einen Unterschied gemacht, ob ein Sieg mit zwei oder drei Punkten belohnt wurde. Bochum war in der Saison 1992/93 einmal mehr Leidtragender, Dynamo Dresden profitierte. 1982 ging Dortmund, 1986 wie gesagt Frankfurt der Relegation aus dem Weg. Genau das Gegenteil erlebte der FCK vor zwölf Jahren, als insgesamt 18 Remis in 34 Spielen durch die Einführung der Drei-Punkte-Regel prompt mit dem ersten Niedergang der Vereinsgeschichte bestraft wurden.
Rekordverdächtig ist auch die aktuelle Saison. Proportional hochgerechnet, könnten schon 33 Punkte für den Klassenerhalt reichen. Mit der bislang bescheidensten Ausbeute von 34 Punkten konnten sich Wolfsburg vor zwei Jahren und Nürnberg vor sechs Jahren retten. Der "Club" könnte auch diesmal wieder Nutznießer der "Leistungs"dichte im Tabellenkeller sein. Derzeit liegen die Franken mit 26 Punkten und zwei Zählern aufs rettende Ufer auf Rang 17.
Zu den größten Lucky-Losern der Bundesligageschichte zählen übrigens Bochum, Bremen, Gladbach, Frankfurt und Karlsruhe - alle beendeten bereits drei Spielzeiten hauchdünn "überm Strich", sprich auf Platz 15 oder - wie es bis 1974 der Fall war - auf Platz 16.
Bochum und Frankfurt mussten jedoch genauso miterleben, wie es sich anfühlt, den Klassenerhalt hauchdünn zu verpassen. Bochum stieg viermal als "bester" Absteiger ab. Frankfurt genau wie Bielefeld, Nürnberg und 1860 München dreimal.
Die Jahreszahlen bezeichnen stets das Ende einer Saison.
Durchschnittspunktzahl für Klassenerhalt:
Gesamt: 37,0 Pkt.
35,6 Pkt. von 1963-1974; 37,3 Pkt. von 1974-1995; 37,2 Pkt. von 1995-2007
Durchschnittspunktzahl des ersten Absteigers:
Gesamt: 34,1 Pkt.
32,2 Pkt. von 1963-1974; 34,7 Pkt. von 1974-1995; 34,5 Pkt. von 1995-2007
*Abstieg/Relegation nach 3-Punkte-Regel:
Dresden 1993, St.Pauli 1990, Frankfurt 1986, Düsseldorf 1982
– 4-mal in 21 Jahren zwei Punkteregel mit 3 Absteigern
Am häufigsten knapp überm Strich:
Je dreimal: Frankfurt, Gladbach, Bremen, Bochum, Karlsruhe
Je zweimal: Wolfsburg, K’lautern, Nürnberg, Rostock, Uerdingen, Hannover, Düsseldorf, Braunschweig
Am häufigsten knapp unterm Strich:
Viermal: Bochum
Je dreimal: Frankfurt, 1860 München, Nürnberg, Bielefeld,
Je zweimal: K’lautern, Karlsruhe, Dortmund, Neunkirchen, Düsseldorf
Knapp unterm Strich mit meisten Punkten:
Mit drei Absteigern: Bochum 1990, Hertha 1980 - 40 Pkt.
Mit zwei Absteigern: Nürnberg 1969 - 38 Pkt.
Drei-Punkte-Regel: Karlsruhe 1998 - 38 Pkt.
Knapp unterm Strich mit wenigsten Punkten:
Mit drei Absteigern: Homburg 1987 - 27 Pkt.
Mit zwei Absteigern: Dortmund 1972, Neunkirchen 1968 - 26 Pkt.
Drei-Punkte Regel: Freiburg 2002 - 30 Pkt.
Knapp überm Strich mit meisten Punkten:
Bremen 1978 - 44 Pkt.
Drei-Punkte-Regel: Leverkusen 2003, Rostock 1997 - 40 Pkt.
Knapp überm Strich mit wenigsten Punkten:
Uerdingen 1995 - 32 Pkt.
Drei-Punkte-Regel: Wolfsburg 2006, Nürnberg 2002 - 34 Pkt.
1965 stieg aufgrund der Aufstockung von 16 auf 18 Vereine niemand ab. Von 1963-1974 gab es zwei Absteiger. Von 1975-1981 gab es drei Absteiger, von 1982-1991 zwei Absteiger plus ein Relegationsspiel zwischen dem 16. der Ersten und dem 3. der Zweiten Bundesliga. 1992 spielten 20 Teams in der Bundesliga, vier stiegen ab, zwei auf. Seitdem spielen 18 Vereine in Deutschlands höchster Spielklasse, von denen jedes Jahr drei die Klasse nicht halten.
Eingestellt von
Jannik
um
13:46
0
Kommentare
Labels: Bundesliga




