In Gladbach gab es in der Vergangenheit ziemlich wenig Grund zum Jubeln. Doch wenn, dann ließen sich die Borussen nicht lumpen. Mit Alexander Baumjohann hat es auch diesmal einer von ihnen den Sprung ins Feld der preisgekrönten Torschützen gepackt.
Rein sportlich hat die Borussia aus Mönchengladbach in den letzten Jahren herzlich wenig zustande gebracht. Sie ist zwar einmal aufgestiegen (was natürlich nur gelingen kann, wenn man zuvor abgestiegen ist) und sie hat zwei unfassbar renommierte Wintercups gewonnen. Aber was zählt das schon vor dem Hintergrund von fünf Meisterschaften, drei Pokalsiegen und zwei UEFA-Cup-Erfolgen?
In einer anderen (diesmal wirklich renommierten, aber sportlich umso wertloseren) Kategorie kämpft die Borussia derweil um den dritten Titel in den letzten vier Jahren – es geht ums „Tor des Jahres“. Was einst mit Le Fevre und Netzer begann, setzten Kaspar Bögelund und Oliver Neuville in den Jahren 2005 und 2006 erfolgreich fort. Bögelund traf in seinen drei Jahren bei Gladbach überhaupt nur zweimal – je einmal in seinen ersten beiden Spielen. Treffer Nummer zwei wurde gleich preisgekrönt. Sein Nachfolger Neuville ließ seinerzeit sogar Philipp Lahms WM-Treffer gegen Costa Rica hinter sich.
Und das muss den Fohlen erst einmal einer nachmachen: So viele herausragende Tore bei derart wenigen Erfolgserlebnissen. Dass von 1971 bis 1973, in den Anfangsjahren des „Tor des Jahres“, stets ein Borusse unter den Siegern war, überrascht wenig angesichts der inflationär hohen Trefferzahl der 70er-Elf. Schließlich fielen die Tore damals sogar, als sie gar nicht fallen sollten.
Ende des Monats könnten Le Fevre, Netzer und Co. einen weiteren ruhmreichen Erben bekommen. Alexander Baumjohanns Maradona-Solo vom 3:2 gegen Bremen steht noch bis zum 28.Januar zur Wahl. Als Torschütze des Jahres zu den Bayern? Da müsste sich sogar Toni Kroos erst einmal hinten anstellen – womit Baumjohann per Wildcard automatisch zur Nummer 23 an der Säbener Straße aufrücken würde.
Unwahrscheinlich ist das nicht. Denn so frustrierend die letzten Jahre in sportlicher Hinsicht auch gewesen sind – auf die enthemmten Anrufe der Borussenfans war eigentlich immer Verlass.
Sonntag, 18. Januar 2009
Die Tore feiern, wie sie fallen
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Jannik
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Donnerstag, 15. Januar 2009
Wenn zwei Buchstaben das Ende bedeuten
Während Hoffenheim gestern Abend lediglich einem kleinen Verlust ins Gesicht blicken musste, nimmt die heutige Hiobsbotschaft Lehman-Brothers'sche Züge an.
Denn aus einem Kreuzbandanriss ist plötzlich ein -riss geworden, der das Saisonende für Vedad Ibisevic bedeutet - seines Zeichens Ex-Gerd-Müller-in-Gefahr-Bringer. Vielleicht ist es dem 18-fachen Torschützen der Hinrunde ein Trost, sozusagen "postum" Torschützenkönig werden zu können. Doch wer will die Kanone schon humpelnd in der Veltins-Arena entgegennehmen? Als Nicht-Meister. Wobei das letztendlich wieder dorthin passen würde.
PS: Eigentlich müsste es "postvulnus" heißen (--> großes Latinum, das). Danke.
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Jannik
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Mittwoch, 14. Januar 2009
Et kütt, wie et kütt...
Es gibt Leute, denen der Angstschweiß ausbricht, wenn die Quersumme eines Datums 13 ergibt. Andere vermeiden es gar, das Haus zu verlassen, wenn ein Freitag auf einen 13. fällt. Jene Nachricht wird alle Abergläubigen Böses ahnen lassen. Denn ein schlechteres Vorzeichen für die Zukunft und ein besseres Ereignis, um das baldige Ende einer Erfolgsgeschichte vorherzusagen, kann es eigentlich nicht geben.
Und so wird man im Mai vielleicht verkünden, dass der Meisterkampf am 14. Januar eine entscheidende Wendung genommen hat. Es könnte erstmals vom Bayern-Dusel die Rede sein, ohne dass der Rekordmeister dafür ein Tor kurz vor Ende des Spiels erzielen musste.
Oder es kommt anders - was sowohl aus mathematischer als auch aus philosophischer und historischer Sicht letztendlich wahrscheinlicher ist. Zumal es wie die Faust aufs Auge zu den letzten zweineinhalb Jahren der TSG "1899" Hoffenheim passte, wenn ein bislang untergegangener Brasilianer namens Wellington in der Rückrunde 15 Tore erzielen und seine Mannschaft zum Meistertitel schießen würde.
Wenigstens ruht Gerd Müllers Rekord nun weiterhin in Frieden (obwohl er das auch ohne Kreuzbandanriss getan hätte). Und wenn er nicht gebrochen wird, dann hält er halt noch ewig. Oder es kommt anders.
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Jannik
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Samstag, 10. Januar 2009
Traumhafter Tapetenwechsel?
Bremen leiht Tziolis von Panathinaikos Athen samt Kaufoption bis zum Saisonende aus. Für den Griechen "geht ein Traum in Erfüllung", Werder dagegen wandelt auf den Spuren des FC Bayern.
Denn eigentlich ist es ja das Spezialgebiet des FC Bayern, sich die Dienste genau der Spieler zu sichern, die ihm irgendwann einmal ein Bein gestellt haben. Jetzt hat jedoch die Rache-Maschine von Werder Bremen zugeschlagen und den griechischen Nationalspieler Alexandros Tziolis an die Weser gelotst – von Panathinaikos Athen. Wir erinnern uns: da war doch was. Tziolis‘ Ex-Klub war nicht nur erheblich daran beteiligt, dass Bremen bereits nach der Vorrunde in der Champions League die Segel streichen musste. Der 23-jährige schrieb im November mit seinem Treffer höchstpersönlich die letzte Zeile des desaströsen Werderaner 0:3-Kapitels vor heimischem Publikum.
Dass Tziolis nun von einem großen Traum spricht, der für ihn in Erfüllung gehe, liegt wohl nicht nur an der Tatsache, dass er in Stuttgart aufgewachsen und Deutschland seine zweite Heimat ist. In Griechenland ist die Bundesliga anscheinend noch immer eine Marke mit einer derart beeindruckenden Ausstrahlungskraft, die wir – hier in Deutschland – in unserer Verzweiflung höchstens der Premier League, der Primera División und der Serie A zuschreiben.
Denn kurioserweise haben ausgerechnet die Griechen zuletzt gezeigt, dass der Blick der Bundesliga eher nach unten als nach oben gehen muss – und damit sogar in Richtung Athen, Piräus und Konsorten. Panathinaikos demütigte Werder Bremen mit 3:0. Olympiakos begrub mit einem souveränen 4:0 die Europacupträume der Hertha bis auf weiteres.
Als Tziolis seine frühe Kindheit im Schwabenland verbrachte, gehörten deutsche Erfolge im Europacup noch zu den Alltagserscheinungen. Heute ist das längst passé und wir erleiden vor Erleichterung schon fast einen Nervenkollaps, wenn Wolfsburg in San Siro punktet. In seiner Athener Heimat hätte der 23-jährige Nationalspieler das Achtelfinale in der Champions League gegen den FC Villareal bestritten. Jetzt liegt sein Augenmerk auf der Zwischenrunde im UEFA-Cup. Es spricht jedoch nicht unbedingt für dessen Ruf „Cup der Verlierer“, dass der Gegner dort der AC Mailand sein wird.
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Jannik
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Montag, 5. Januar 2009
Samstag, 3. Januar 2009
"Fünf Sekunden auf dem Platz"
"Die Gebrüder Grimm drehen sich Grabe um", steuert Marcel Reif im Jahre 1997 seinen Teil zur Legendenbildung bei, kurz nachdem Lars Ricken per Lupfer das 3:1 im Champions-League-Endspiel gegen Juventus erzielt hat. "Fünf Sekunden auf dem Platz, fünf Sekunden", war es ihm sofort entfahren. Sorry, Herr Reif: Aber es waren genau 17.
Fünf Jahre später hat er jedoch dazugelernt. Am letzten Spieltag der Saison 2001/02 trifft Ewerthon als Joker zum 2:1 gegen Bremen und bringt die Dortmunder Meisterschaft unter Dach und Fach. "Also Freunde, das müsst ihr selber nachgucken, wie viele Sekunden der auf dem Platz", umgeht Reif diesmal das 5-Sekunden-Fettnäpfchen.
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Jannik
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Freitag, 2. Januar 2009
2008x12 - Dezember
Entscheidend is auf'm Platzhirsch des Monats:
Christian Ziege
Der Gregorianische Kalender des Weltfußballs, auch bekannt als FIFA-Rahmenterminkalender, dauert in der Regel nur 16 bis 20 Tage und ist damit jedoch immer noch länger als der Januar. Dank der Winterpause zählt der nur 8 bis 10 Fußballtage und wird erst im nächsten Jahr, also 2010, offiziell von der DFL verlängert. Kein Wunder, dass dieser sich nun seinem Ende zuneigende Jahresrückblick fast 50% des Artikel-Anteils im Dezember 2008 einnahm.
Die restlichen guten fünfzig Prozent sahen einen Monat, der die ohnehin prekäre Lage am Niederrhein noch einmal potenzierte. Gladbach verlor am Nikolaustag mit 1:3 gegen Leverkusen und sechs Tage später zum Abschluss der Hinrunde mit 1:2 in Dortmund. Ein eindeutiger Trend! Anscheinend hat das niemand an Ex-Spieler, Ex-Kapitän und Ex-Sportdirektor Christian Ziege weitergeleitet. Einen Tag nach dem dritten Advent überrumpelten ihn plötzlich „persönliche Gründe“. Gladbachs Co-Trainer machte sich kurzerhand zum Ex-Co-Trainer. Dann war erst einmal Ruhe an der Hennes-Weisweiler-Allee. Vor Weihnachten kamen nur noch vier neue Spieler. Darin ist man ja mittlerweile mehr als routiniert. Tomas Galasek bekam dabei einen besonders großzügigen Blumenstrauß überreicht – als 50. Neuzugang der vergangenen viereinhalb Jahre. Mehr dazu in Kürze.
Derweil beduselten sich die Bayern gegen ein gewisses Hoffenheim, das kein Schreibprogramm dieser Welt kennt, in der Nachspielzeit mit 2:1. Anlass genug, die Worte „Freude“ und „Bayern“ ein für allemal in ein und demselben Satz zu verbieten. Basta. Herbstmeister wurden sie übrigens dennoch nicht. Zumindest nicht in der Bundesliga.
Außerdem warf die Höhenluft schnuppernde Hertha aus Berlin die Frage auf, was sie eigentlich so gut macht. Auf eine Antwort wird noch immer gewartet. Gar nicht so einfach. Da hatte sich dann endlich mal jemand ihrer starken Hinrunde gewidmet, schon verloren die Hauptstädter drei der letzten vier Pflichtspiele vor der Winterpause. Eben doch ein „Topteam ohne Gewähr“.
Und so soll das Jahr 2008 mit einer überaus großartigen Weisheit in den Annalen verschwinden: Der Ball ist immer noch rund. Nicht eiförmig.
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Jannik
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2008x12 - November
Entscheidend is auf’m Platzhirsch des Monats:
Der 30. November
Mahnendes Gedenken an die Reichspogromnacht und Andacht zu Allerheiligen, am Volkstrauertag sowie am Totensonntag – der November ist nicht gerade bekannt dafür, ein Monat der glückseligen Erinnerungen und Feiertage zu sein. Und selbst der Fall der Berliner Mauer scheint nicht für jeden ein Grund zum Feiern zu sein. Gibt man bei Google „Mauer zurück“ als Suchbegriff ein, werden 1.610.000 Suchbegriffe angezeigt. Grundtenor: Jeder fünfte Deutsche wünscht sich die Mauer zurück.
Irgendwie hatte es demnach ganz den Anschein, der Fußball-Mikrokosmos auf dieser bescheidenen Seite hätte sich der tristen Novemberstimmung angepasst. Gladbach gewann zwar erst auswärts in Bielefeld und lieferte beim 2:2-Sieg gegen die Bayern die ekstatischsten Momente der Hinrunde. Doch dann war auch schon wieder Schicht im Schacht. Erst ein impotentes 1:3 „auf Schalke“, eine Woche später dasselbe Resultat. Kann passieren, nicht aber zuhause gegen Cottbus. Und so nahm der November aus Borussensicht letztendlich geradezu apokalyptische Züge an.
Zudem wurde Dietmar Hopp nicht nur ins Sportstudio eingeladen (an für sich schlimm genug), sondern nutzte die Gelegenheit auch noch, um kurz vor Mitternacht im deutschen Fernsehen mit einem Bündel Geldscheinen zu wedeln. Da bricht der geneigte Idealist zusammen. Zwei Wochen später schaffte das Gladbacher Fanprojekt protokollarisch das Ungetüm namens „Humba“ ab. Obwohl – irgendwie gehört das gar nicht an diese Stelle. Hat ja schließlich nicht nur Ernst Neger, sondern die meisten von uns gefreut. Wenn die Borussia weiterhin den Bach runter geht, wird vielleicht sogar damit geliebäugelt, derartige Feier-Choreografien vollständig abzuschaffen. Kann sich ja eh keiner merken, wenn’s nur alle drei Monate angewandt wird.
Werder Bremen schloss sich der allgemeinen Untergangsstimmung ohne mit der Wimper zu zucken an. Das 0:3 zuhause gegen Panathinaikos Athen besiegelte das Champions-League-Aus „so gut wie“ und wurde – weil’s so „schön“ war – 90 Minuten lang im „Live-Ticker“ auf Entscheidend is auf’m Platz dokumentiert.
Während in Bremen und Gladbach eher sportliche Talfahrten die Fahnen auf Halbmast sinken ließen, zog die Volkstrauer „auf Schalke“ berechtigterweise weitere Kreise. Im November trauerte ganz Fußball-Deutschland um Charly Neumann, der mehr war als nur ein lebendes Maskottchen: Schulter zum Ausweinen, Fels in der Brandung, ein echtes „Original“. Mit Charly Neumann ging einer von uns, der in Gelsenkirchen so etwas personifizierte wie die Blume, die ein Pazifist in den Gewehrlauf eines patrouillierenden Soldaten steckt. Er war in jeder Lage ein schlichtender und verbindender Pol. Tschüss, Charly!
Wenn Deutschland dann auch noch gegen England verliert und selbst René Adler anfängt zu menscheln, hat sich ein Monat seinen Trauerflor redlich verdient. In dieser depressiven Grundstimmung kann man sogar einem „rätselhaften Bomber“ aus Österreich wenig Positives abgewinnen. Doch zum Glück sprangen Marc Jankos Landsleute für ihn in die Bresche und verteidigten ihre Sturmhoffnung wie die Löwenmama ihre Jungen. In solch einem Monat darf man übrigens auch mal Nicolas Anelkas Qualitäten preisen.
So, jetzt aber genug Schwarzmalerei. Auf den November folgte immer noch ein Dezember. Sprich, wir haben’s überlebt. Behilflich dabei war unter anderem Simon Rolfes, für den man endlich mal wieder den Stempel mit der Prägung „Musterprofi“ rausholen konnte. Zudem gab es gleich drei Ausflüge in den undurchdringbaren Urwald der Statistiken. Diesmal im Programm: Wer ist der wahre Lukas Podolski und dürfte bei der Mehrzahl seiner Tore geweint und nicht gefeiert haben? Welcher Verein hat die meisten der aktuellen Nationalspieler rausgebracht? Und musste der VfB zwangsläufig so abstürzen, obwohl er in jener Rangliste der besten Ausbildungsvereine die Nase vorn hatte?
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Jannik
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Labels: Jahresrückblick

