Entscheidend is auf’m Platzhirsch des Monats:
Josef Schnusenberg
Anfang März stand bereits der Frühling vor der Tür und irgendwie versinnbildlichte Schalke 04 die Wetterlage zu dieser Jahreszeit beinahe perfekt: Nach dem Coup von Porto, dem Sieg im Elfmeterschießen des Achtelfinales der Königsklasse, herrschte eigentlich eine Wir-haben-uns-alle-lieb-Stimmung wie bei Astrid Lindgren. Doch der zweitgrößte internationale Erfolg der Vereinsgeschichte wurde von Intrigen und Schlammschlachten begleitet, die den Beobachter eher an „Dallas“ und den Ewing-Clan erinnerten. Kevin „Bobby“ Kuranyi verweigerte Mirko Slomka nach seiner Auswechslung den Handschlag. Präsident Josef „J.R.“ Schnusenberg stand da schon längst nicht mehr hinter seinem Trainer.
Die titanische Parade des Manuel Neuer gegen Portos Tarik Sektioui bekam das herzinfarktgefährdete Vereinsoberhaupt gar nicht mehr mit. Zu diesem Zeitpunkt weilte das Nervenbündel bereits schweißgebadet in den Katakomben. Der Marokkaner Sektioui war nach seinem Versagen à la Frank Mill ein Häufchen Elend, Neuer dagegen längst noch nicht satt. Also „parierte“ er seine Mannschaft grandios ins Viertelfinale. Jaja, diese „Macht des Augenblicks“.
Ähnliches wird sich die TSG „1899“ Hoffenheim gedacht haben. Der augenblickliche Lauf der Kraichgauer hält im Prinzip seit der letzten Winterpause an. Sechs Siege in Serie zum Rückrundenstart – wohl oder übel „Mannschaft der Stunde“. Geblinzelt hat die Rangnick-Elf bis heute nicht. Noch vor gut neun Monaten triefte meine zweiteilige Abhandlung des Phänomens Hoffenheim mit dem Titel „Willkommen im Klub“ nur so vor Abneigung. In meiner persönlichen Hass-Rangliste des deutschen Fußballs hat sich die TSG diametral zu ihrem sportlichen Erfolg entwickelt und längst eine Topposition eingebüßt. So kann das gehen. Man muss Hoffenheim auf keinen Fall mögen, aber auch nicht gleich hassen.
Ganz so sicher darf man sich beim FC Bayern München nicht sein. Im Frühjahr 2008 war der Rekordmeister einfach nicht zu stoppen und hechelte mit Schaum vorm Mund dem 21. Titel entgegen. Allein ein 0:2 bei Schlusslicht Cottbus lieferte der Schadenfreude kurzzeitig ihren Nährboden – „Cottbus zu stark für die Bayern“, fand nicht nur der Videotext.
Als „FC Bayern der 2. Liga“ durfte sich zu dieser Zeit die Borussia aus Mönchengladbach rühmen. Im März blieb sie ungeschlagen und holte zehn Punkte aus vier Spielen. Darunter unter anderem in 1:0 gegen Koblenz durch ein Eigentor in letzter Sekunde (vgl. „Bayern-Dusel, der“). Neun Spieltage vor Saisonende war es demnach langsam an der Zeit, auf den möglichen Aufstiegstermin zu schielen. „Der Schuldenberg“ zeigte von nun an die noch einzufahrende Punktezahl an, die mit Sicherheit zur Rückkehr ins Oberhaus genügen würde – Startwert war 23. Das Unheil einer weltweiten Finanzkrise kündigte sich augenscheinlich bereits im März an: Die „US-Immobilienkrise“ und die „schwankende Weltwirtschaft“ tauchten in dem Post auf, der den „Schuldenberg“ der Borussia einführte. Ich nehme diesen Preis, den Wirtschaftsnobelpreis, nicht an.
Abseits des Platzes markierte der März den Beginn einer bis heute andauernden Posse bei der Borussia: Kölner Fans entwendeten die Zahnfahne der Gladbacher Ultras aus einem Lagerraum unter der Nordkurve. Die UMG lösten sich daraufhin auf wie eine beleidigte Leberwurst in der Fleischtheke, was mich dazu bewegte, ein wenig über mein Verhältnis zur Ultra-Szene zu sinnieren. Fazit: Seitdem ich bei einem Spiel der 2. Basketball-Liga Frankreichs mit ansehen musste, wie die einladende Oberweite einer euphorisierten Mutter im Namen einer Ultra-Formation eine wehrlose hydraulische Tröte malträtierte, ist meine Einstellung zu Ultras und Co. nachhaltig gestört. Immerhin gab’s für „Sandkastenmentalität, schwingende Oberweite und schwerwiegende Opfergaben“ den ersten Kommentar in der Geschichte dieses Blogs.
Weniger geschichtsträchtig war dagegen die Nominierung Robert Huths fürs Länderspiel gegen die Schweiz (das seltsamerweise in jenem Monat ansonsten keine Erwähnung fand). Eine sich anbahnende Metzelder&Mertesacker-Phobie verleitete mich zu einer fast schon zu hoffnungsvoll geratenen Arie auf die Abwehrqualitäten des Englandlegionärs. Zumal Huth kurz darauf verletzt absagen musste. „The Berlin Wall is back“ – alles unter Vorbehalt.
Unter Vorbehalt schlug ich eines Morgens auch die Zeitung auf. „Matthäus – Feingeist und großer Redner“, fiel es mir prompt in meine verschlafenen Augen. Als dann auf einmal von „Wundererzählungen“ die Rede war, wurde die „Österliche Frühstücksverwirrung“ nur größer. Entwarnung folgte jedoch sogleich: Die Rheinische Post hatte sich anlässlich des Osterfestes den vier Evangelisten aus der Bibel gewidmet. Wenig später unterschrieb Matthäus, Rudi Gutendorfs Erbe, übrigens seinen 458. Vertrag als Trainer – ausgerechnet in Israel. Seit dem Sommer arbeitet er dort am fünften Evangelium und will Maccabi Netanya zum Meistertitel führen.
Wo wir vorhin schon bei Frühlingsgefühlen angelangt waren: In Sevilla ergriff einen Fan deshalb gleich der Übermut. Bei 22 Grad und Sonnenschein schleuderte er aus geschätzten neun Metern eine PET-Flasche auf Bilbaos Keeper Armando. Der Spanier kennt dafür sogar ein eigenes Wort: „Botellazo“ – der Flaschenwurf. Scheint also öfter vorzukommen. Die martialischen Bilder gab’s bei „Un botellazo, por favor“.
Was genau das heißt, hätte Mario Gomez bekanntlich nicht im Wörterbuch nachschlagen müssen. Der spanischstämmige VfB-Stürmer befand sich in den ersten Wochen nach der Winterpause zudem in absoluter Topform, traf wettbewerbsübergreifend 16-mal in 11 Spielen. „Hut ab, Herr Gomez“, hieß es dementsprechend. Nicht mehr als eine Momentaufnahme, wie die EM eindrucksvoll untermauerte. Ausnahmsweise konnte ich mich mit vagen Prognosen halbwegs zurückhalten und fügte nur noch hinzu: „Aber bis dahin [bis zur EM] wächst das Gras noch ein ganzes Stück“. Vermutlich ist es gar zu gut gediehen. Drei Millimeter kürzer und Gomez wäre nach der Vorrunde auf Kurs EM-Torschützenkönig gewesen und würde heute in Barcelona spielen (falls jetzt wirklich jemand den Rasen für seine Abschlussschwäche verantwortlich machen will).
Ende des Monats standen noch einmal die Königsblauen im Mittelpunkt. Ihr wohl genährter Präsident lieferte den Anstoß zu einer kleinen Studie über Gemeinsamkeiten von Vereinsoberhäuptern. Altegoer, Wildmoser, Schnusenberg und Co. ließen es zumindest darauf hinaus laufen, dass man in ihrem Falle „Korpulente Macht“ diagnostizieren könnte. Nur Michael A. Roth tanzte etwas aus der Reihe – aber der ist rein größentechnisch immerhin alles andere als Durchschnitt.
Fast hätte Josef Schnusenberg seinen Titel als Entscheidend is auf’m Platzhirsch des Monats noch an Eke Uzoma vom SC Freiburg abgeben müssen. Der Youngster brachte Co-Trainer Damir Buric nämlich nur mithilfe seines Vornamens an den Rand eines Feldverweises. „Eke, Eke!“, hatte der andauernd von der Außenlinie geschrien. Der Schiedsrichter fühlte sich persönlich angegriffen und forderte Buric auf, nicht pausenlos einen Eckball zu fordern. Nach diesem Vorfall nahmen die Freiburger erst einmal Abstand von einer Verpflichtung des Georgiers Aschloch Erschiesdenvili.
Montag, 22. Dezember 2008
2008x12 – März
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Sonntag, 21. Dezember 2008
2008x12 - Februar
Entscheidend is auf’m Platzhirsche des Monats: Maik Franz und der Kosovo
Der Mondkalender und ein paar christliche Gepflogenheiten hatten es so gewollt: Karneval fiel auf dasselbe Wochenende wie der Rückrundenstart. Dieser scheinbare Widerspruch, der nur am Zuckerhut und bei den selbsternannten „Karnevalsvereinen“ einen gemeinsamen Nenner in Sachen Fußball findet, war auch beim Spiel Gladbach gegen Lautern zu spüren. Da marschierte der Karnevalsprinz der Stadt vom Niederrhein über den Platz wie Karl der Große. Aus den Boxen hallten „jecke Tön“ und bei eisigen Temperaturen herrschte nicht erst nach Sascha Röslers frühem 1:0 geradezu Rosenmontagsstimmung. In der Nachspielzeit erhielt die karnevalistische Atmosphäre jedoch einen Dämpfer: Lautern traf in doppelter Unterzahl zum Ausgleich und schoss der Gladbacher Tabellenführer- und So-gut-wie-aufgestiegen-Euphorie kräftig vor den Bug. Ein „Weckruf met et Trömmelche“, wie ihn sonst nur „De Räuber“ drauf hätten.
Und weil das Fußballjahr so trist begonnen hatte, folgte gleich eine ausführliche Schau der gescheiterten Talente – eine Reise mit Alexandre Pato ins Jahr 2020, Erinnerungen an Hoffnungsträger wie Sebastian Deisler, die Geschichte vom U20-WM-Torschützenkönig Marcel Witeczek, Stammtischwissen über Michael Zepek und Erdal Kilicaslan, und zuletzt die vagen und wenig nachhaltigen Vorhersagen der Sport-Bild, wer die deutsche Nationalmannschaft im neuen Jahrtausend bereichern würde. Am Schluss stand eine traurige Erkenntnis: „Hochgejubelt“ wurden einige, „tief gefallen“ sind viele.
Ein Motto, das Anfang des Monats Februar auch die Borussia aus Mönchengladbach zu beherzigen schien: In Hoffenheim setzte es die erste Pleite seit 170 Tagen und ich durfte erstmals seit fast einem halben Jahr meine beiden Trikots waschen. Dass Hoffenheims Herbstmeisterschaft das Fußballjahr 2008 beschließen sollte, konnte, wollte und durfte da noch niemand ahnen. Dass der oben erwähnte Erdal Kilicaslan in der 1. Pokalrunde mit dem FC Oberneuland den Zweitligisten TuS Koblenz rauskegeln sollte, ebenso wenig. Dass dies auch noch live und in Farbe im PayTV zu sehen sein sollte, hatten noch weniger Leute auf der Rechnung. Aber: Man sieht sich eben immer zweimal im Leben.
Dachte sich auch Sergio „Kun“ Agüero, dessen Nachname eine neue Sparte namens „Auf gut Deutsch“ eröffnete. Der „Ünglücksrabe mit den guten Omen“ schoss im August den FC Schalke 04 aus der Champions League und belegte die Königsblauen mit einem Fluch, der bis heute anhält. Sicherlich kein gutes Omen.
In diese Reihe – Schalke 04 und der lähmende Misserfolg – passt auch die Nachberichterstattung vom Revierderby gegen Dortmund. BVB-Trainer Thomas Doll redete sich als „Doller Poltergeist“ um Kopf und Kragen. Neben ihm blieb Mirko Slomka nur ein süffisantes Schmunzeln – eine seiner letzten amüsierten Gefühlsregungen für lange Zeit.
Weitaus mehr Grund zur Freude bereitete zu diesem Zeitpunkt das Abschneiden deutscher Mannschaften im Europacup. Nach den Hinspielen in der Zwischenrunde des Uefa-Cups und dem Achtelfinale der Champions League lagen fast alle auf Kurs und hatten „Frohe Ostern im Visier“. Was letztlich nicht für den 1. FC Nürnberg gelten sollte: Erst verlor er das Hinspiel bei Benfica Lissabon nur mit 0:1, stand im Rückspiel dann dank einer 2:0-Führung mit einem Bein in der nächsten Runde – und musste sich sozusagen in letzter Sekunde geschlagen geben. Benficas Doppelschlag in der 89. und 92. war für den „Club“ der Anfang vom Ende.
Ähnlich trüb sah es derweil in Gladbach aus, wo die Tabellenführung nach der ersten Heimniederlage der Saison gegen Mainz 05 am seidenen Faden hing - die Borussia in einer „Midseason-Crisis“. Trotz allem war’s dann doch irgendwie Jammern auf hohem Niveau. Am selben Tag zauberte die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo – weniger aus politischer als aus sportlicher Sicht – Sorgenfalten auf die Stirn eines jeden Fußballfans. Nach Armenien und Aserbaidschan demnächsts Quali-Spiele im Kosovo? Nun ja, trotz allem ein herzliches „Mire se vini, Kosovo!“ – seid willkommen, ihr Kosovaren.
Mitte Februar erschien die Tabelle der Bundesliga in einem durchaus dreigeteilten Licht. Spitze, Mittelfeld, Abstiegskampf – alles wohlgeordnet wie die Äste einer prächtig gewachsenen Nordmanntanne. Was schließlich zu der epischen Frage führte: Wer wird Meister? Der, der alle Spiele gegen die anderen Topteams für sich entscheidet? Oder derjenige, der gegen die „Kleinen“ nie den Kürzeren zieht. Ausgiebige statistische Erhebungen führten letztendlich zu dem Schluss, dass Uli Hoeneß Unrecht hat, wenn er behauptet: „Wir waren uns einig, dass solche Spiele wie in Hannover wichtiger sind als die direkten Duelle gegen die Spitzenmannschaften. Dabei werden Meisterschaften entschieden.“ (via Dreieckeneinelfer via Frankfurter Rundschau) Und wenn man Uli Hoeneß in irgendeine Lügenfalle tappen lässt, ist der Tag sowieso gerettet.
Jene statistische Fleißarbeit beinhaltete übrigens den Karlsruher SC. Ja, obwohl sie den Titel „Die Quintessenz im Meisterkampf“ trug. Denn, wir erinnern uns: Anfang 2008 gehörte der KSC als vielumjubelter Aufsteiger zu den Überraschungen der Saison 07/08. Dass er Ende des Monats nicht mehr aufgrund seines beherzten Auftretens, sondern dank eines gewissen Maik Franz in den Fokus der Öffentlichkeit geriet, versinnbildlich irgendwie den stetigen Verfall des aktuellen Tabellenfünfzehnten. Erwähnter Herr Franz reizte Mario Gomez so sehr, dass der Nationalspieler seinen terrier’esken Gegenspieler vor laufenden Kameras als „Arschloch“ bezeichnete. Sicherlich eine der relevanteren Diffamierungen des Jahres.
Am selben Spieltag hatte Diegos sein Tête-à-Bauch à la Zidane mit Frankfurts Kyrgiakos und Mark van Bommel bettelte bei Lutz Wagner solange um einen Platzverweis, bis er ihn endlich bekam. Und im Hintergrund trällerte John Paul Young unnachgiebig sein „Love is in the Air“.
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Samstag, 20. Dezember 2008
2008x12 - Januar
Entscheidend is auf'm Platzhirsch des Monats:
Jürgen Klinsmann
Das Jahr 2008 auf Entscheidend is auf’m Platz begann mit etwas Verspätung am 4. Januar. Und wenn Peter Neururer der Erste ist, der sich zu Wort meldet, will man sich eigentlich direkt wieder hinlegen, nachdem man den Neujahrskater gerade erst um die Ecke gebracht hat. Erst recht, wenn er sich für den Trainerposten beim FC Bayern München ins Gespräch bringt. Dass das neue Jahr sogar für ihn einen Traumjob bereit halten sollte, konnte selbst der Schnäuzerträger da noch nicht ahnen. (Wie die Faust aufs Auge (5))
Ein paar Tage später war es dann jedoch ernsthaft so weit: Jürgen Klinsmann wurde auf einer Pressekonferenz beim Rekordmeister inthronisiert, die so vor Schmalz triefte, dass man damit die Butterbrote eines Bergarbeiters für die nächsten 20 Jahre beschmieren könnte. Das Meisterwerk der Selbstinszenierung hatte den Anstrich einer Götterdämmerung in München.
Desweiteren musste der „Budenzauber“ einsehen, dass seine letzten beiden Silben mittlerweile neururer’esk überflüssig sind (Hallenspe(c)ktakel). Sepp Blatter machte zum ersten Mal in seiner Laufbahn eine Aussage mit Gehalt und wunderte sich nachträglich über die Verpflichtung Fabio Capellos als Englischer Nationaltrainer (Des "Diktators" weise Erkenntnis). Beim FC Liverpool verkauft man derweil im Fanshop Hundenäpfe – John Terry läuft dennoch auch Ende des Jahres noch für Chelsea auf. In den Fanshops dieser Welt war eben auch 2008 "Für jeden was dabei".
Wenn die Sommerpause von Sommerlöchern lebt, tauchen in der Winterpause dann zwangläufig auch Winterlöcher auf? In eines dieser sagenumwobenen und höchst tückischen Exemplare fiel Mitte Januar der deutsche Sport. Gerüchte über diverse Wintersportler, die sich angeblich auf einer Wiener Blutbank fit halten sollen, machten plötzlich die Runde. Was kurzfristig zu einem Brainstorming anregte, ob Doping im Fußball überhaupt Sinn macht. „Nein“ lautete die Antwort, die per Zufallsprinzip in einem Presseverteiler unter anderem an Ibrahim Tanko, Josep Guardiola und Senad Tiganj versandt wurde. Die "Risse in der Wand" blieben trotzdem.
"Transferimperialist" Felix Magath brachte die Spielerverpflichtungsmaschine auch im Januar wieder kräftig in Gang. Magaths Gelüsten mussten Vlad Munteanu und Sergiu Radu weichen - in der 06/07 hatten beide noch den Klassenerhalt von Energie Cottbus personifiziert. Aktuell ist Munteanu wieder in Wolfsburg - und erneut auf dem Abstellgleis. Radu kickt mittlerweile in Köln. Gelegentlich.
Ein paar Spitzen in jenem Post konnte ich mir natürlich mal wieder nicht verkneifen. Wolfsburg zog nach Hinrundenplatz Elf noch in den Uefa-Cup ein. Cottbus hielt wider Erwarten die Klasse. Eine Erkenntnis des Jahres: Erstens kommt es im Fußball anders, zweitens als Jannik denkt.
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Die Unbelehrbaren
Der DFB lernt wohl dazu und hat die Ticketpreise fürs Spiel gegen Norwegen gesenkt. Die Schlüsse aus leeren Sitzschalen beim Spiel gegen Wales scheinen jedoch gleich wieder verpufft zu sein. Gegen Liechtenstein kostet ein Platz auf der Geraden 60 bzw. 80 Euro. Dabei birgt ein schwacher Gegner nicht automatisch eine Torgarantie. Siehe Wales.
Eines wollen sie an der Otto-Fleck-Schneise wohl so schnell nicht mehr erleben: Dass ein Länderspiel nicht "ausverkauft" gemeldet wird. 44500 Zuschauer sollen sich angeblich die Partie gegen Wales in Mönchengladbach angesehen haben. Nur 1749 freigebliebene Plätze? Dabei hätte man mit den klaffenden Lücken im Borussia-Park ein ordentliches Drittligastadion bestuhlen können. Und das fasst mehr als 1749 Zuschauer.
Noch am Morgen war in den lokalen Tageszeitungen für das Spiel geworben worden. Gebracht hat es wenig. Und wer letztendlich zuhause blieb, fühlte sich von einer schwer mitanzusehenden Partie - stürmendes Deutschland, mauerndes Wales - absolut bestätigt.
Auch gegen Belgien kamen nur gut 34000 ins Bremer Weserstadion. Immerhin zogen die post-EM-Highlights gegen Russland und England die Massen wie gewohnt an. Dreimal erst gab es in der Ära Löw ein Heimspiel, bei dem nicht alle Tickets über den Tresen gingen. Zweimal war es das eher unliebsame Auftaktspiel einer Länderspielsaison - und nur einmal, an eben jenem 15. November gegen Wales, ein Pflichtspiel. Überhaupt blitzten erstmals seit der grauen Völler-Zeit wieder leere Sitze auf im weiten Rund, wenn es für die Nationalmannschaft um Punkte ging.
Dabei darf man nicht einmal die Mannschaft selbst als Zuschauervergrauler dastehen lassen. Ein Länderspielbesuch dürfte aus sportlicher Sicht lukrativer erscheinen denn je. Allein die horrenden Ticketpreise sind es, die die Mehrheit ins Grübeln bringen, ob es 148 Euro für einen Familienbesuch auf der Hintertortribüne im regnerischen November gegen einen wenig illustren Gegner wie Wales wirklich wert sind. Aber wie gesagt - der DFB hat anscheinend seine Schlüsse daraus gezogen. Am 11. Februar in Düsseldorf ist man bereits für 15 Euro in der Kurve dabei.
Gegen Wales mögen zwar drei Punkte im Kampf um die WM-Quali auf dem Spiel gestanden haben. Ein Duell mit den wiedererstarkten Norwegern um die Goldene Ananas wirkt auf mich jedoch weitaus verheißungsvoller. Für die Partie gegen Liechtenstein, die im März in Leipzig stattfindet, widerlegt der DFB seinen Lernprozess jedoch eigenhändig. Los geht's bei 25 Euro, selbst ein Platz in der Ecke kostet 40 Euro, auf der Geraden ist man erst mit dabei, wenn man bereit ist, mindestens 60 Euro zu berappen.
Womit sich mir der Reiz eines Platzes an der Mittellinie noch immer nicht erschließt. Die Wahrscheinlichkeit, ein Tor aus nächster Nähe zu beobachten ist logischerweise gleich Null. Im Durchschnitt dürfte der Ballführende Spieler genauso weit weg sein wie von der Hintertortribüne aus (wäre doch mal ein Auftrag an irgendeine Fakultät einer gelangweilten Fachhochschule aus einer 100.000-Einwohner-Stadt). Und die 22 Akteure sieht man letztlich zumeist von der Seite (erst Recht, wenn sie den "vertikalen Fußball" verinnerlichen).
An der Seitenlinie habe ich, wenn ich mich Recht entsinne, zuletzt im Oktober 2006 bei Hertha gegen Stuttgart gesessen. Doch im Olympiastadion ist man ja fast überall so weit weg vom Geschehen wie die Eiffelturmspitze vom Pariser Prinzenpark. Das Erscheinungsbild des Borussia-Parks, von der Mittellinie aus betrachtet, kenne ich sogar nur aus dem Fernsehen.
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Freitag, 19. Dezember 2008
2008x12 - Intro
Ab dem 20. Dezember heißt es hier: Zurücklehnen, die Chipsbestände der örtlichen Discounter aufkaufen und das Fußballjahr 2008 noch einmal auf der Zunge zergehen lassen. 12 Tage lang geht es dann erbarmungslos auf die Reise durchs erste Kalenderjahr, das dieser Blog von vorne bis hinten, von links nach rechts und von oben bis unten erlebt hat.
Mit dabei: Atomar versuchtes Bier in Offenbach, geklaute Fahnen in Köln und eine EM im handlichen Tagebuch-Format. Auch mit von der Partie: Ein Rekordmeister, der gleichzeitig Rekordvizemeister ist und ein FCK, der erst begraben, dann reanimiert und schließlich wiedergeboren wurde. Dazu die Gewissheit, dass Deutschland das EM-Finale letztendlich aufgrund geografischer Ungereimtheiten verlor, „Hochjubeln“ vor dem Fall kommt und in Spanien nicht nur die Schwalben, sondern auch die Flaschen verdammt tief fliegen. Und natürlich alles über Vorzeigetrainervernichtungsanlagen, „linientreue“ und „Strich-affine“ Fußballer, abgebrochene Spiele, die noch gar nicht begonnen hatten, zwei Welt- und Europameister, die als Trainer die Welt bereichernreisen und zu guter Letzt jede Menge Statistiken, die die Welt nicht braucht, ohne die sie jedoch auch nicht überleben könnte.
Das alles wie gewohnt mit einem Schuss von Johannes B. Kerners „Emotionen“, Jogi Löws „högschder Dischziplin“, Franz Beckenbauers sprachlichem Feingefühl, Hitzfeld’scher „Mathematik“ und natürlich dem Wohlfühlfaktor von Peter Neururers Schnäuzer. Also: Morgen geht’s los mit dem gebloggten Fallrückzieher à la Klaus Fischer quer durch 258 Beiträge aus dem Jahr 2008.
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Warum Uli Hoeneß doch Recht hatte
"Die Tabelle lügt nicht", werfen Fußballer und ihre Trainer gerne in den Raum, wenn es darum geht, ihrer Mannschaft eine Daseinsberechtigung für eine konkrete Tabellenposition zu erteilen, die sie gerade belegen. Auch in der internen Bundesliga-Fünfjahreswertung sieht es nicht anders aus. Herbstmeister: Die Bayern mit 14 Punkten. Ein ganzes Stück dahinter folgen Wolfsburg und Stuttgart mit 10, der HSV und Bremen mit 9 Zählern.
Ausgeschieden aus dem Europapokal ist seit gestern ein Trio aus Ost und West. Hertha und Schalke gesellen sich zum BVB, der bereits in der ersten Runde den Kürzeren gegen Udine gezogen hatte. Die Königsblauen hatten ihr Schicksal dabei nicht einmal selbst in der Hand und mussten gestern tatenlos zusehen, wie sich Santander und Paris im Fernduell ums Weiterkommen stritten. Einziger Trost für S04: Als Siebter der berüchtigten Rangliste liegt man immerhin vor Schwarzgelb und sichert sich somit neben der Revier- gleich die Westdeutsche Meisterschaft. Nach der Winterpause ist der Europacup aus deutscher Sicht reine Nord-Süd-Domäne und in München gab Uli Hoeneß süffisant zu Protokoll: 'Ich hab's doch gesagt - wir werden noch Herbstmeister.'
Fünf von einst acht deutschen Startern überwintern in Europa. Folgerichtig führt das Quintett die interne Fünfjahreswertung an - auch auf die einfache Fußballarithmetik (Sieg drei, Remis ein Zähler) umgerechnet. Im europapäischen Vergleich liegt die Bundesliga gemeinsam mit Frankreich auf Platz vier. Wobei die Franzosen nur mit sieben Mannschaften ins Rennen gegangen waren. Die weißeste Weste hat Italien (sieben von acht, 87,5%). Angeführt nach Punkten wird die Rangliste von der Primera División, die damit halbwegs auf Tuchfühlung zur Premier League bleibt.
Die 48 Europapokalstarter, 32 im Uefa-Cup und 16 in der Champions-League, kommen aus insgesamt 14 Nationen. Als prominenteste Vertreter mussten bislang Rumänien, Schottland und die Schweiz im Kollektiv die Segel streichen. Das am niedrigsten platzierte Land im Rennen ist Polen (Lech Posen). Für die größten Überraschungen haben die Ukrainer mit Zwischenrang fünf und die Dänen mit Platz sieben gesorgt. Die Ukraine darf auf einen festen Startplatz in der Königsklasse schielen, Dänemark träumt von einem zweiten Startplatz in der Quali und einem Fixstarter im Uefa-Cup.
Die Auslosung hat den Fünfen folgende Gegner beschert:
Sporting Lissabon - Bayern München (***)
NEC Nijmegen - Hamburger SV (**)
Paris St.-Germain - VfL Wolfsburg (***)
Werder Bremen - AC Mailand (*****)
Zenit St. Petersburg - VfB Stuttgart (****)
Die einzig wahre Bundesliga-Fünfjahreswertung:

Die komplette Fünfjahreswertung für Zahlenfetischisten
Europas Elite - die 14 verbliebenen Nationen:
1. Italien (7/8)
2. England (7/9)
3. Spanien (6/8)
4. Frankreich (5/7)
5. Deutschland (5/8)
6. Ukraine (3/4)
7. Niederlande (3/6)
8. Portugal (3/7)
9. Russland (2/4)
9. Griechenland (2/4)
11. Dänemark (2/5)
12. Polen (1/3)
13. Belgien (1/4)
14. Türkei (1/4)
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Jannik
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Montag, 15. Dezember 2008
Ziege hat keinen Bock mehr
Der kicker hatte es heute ja schon verlauten lassen. Letztendlich musste er in dem Beitrag aus der Montagsausgabe nur den Konjunktiv in den Indikativ umändern und schon konnte vermeldet werden: Christian Ziege hat keinen Bock mehr und tritt zurück als Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach.
Da geht man am Freitagabend nach einem erneuten Tiefpunkt vom Tiefpunkt, frei nach Rudi Völler, in die Winterpause, um das Grauen der Hinrunde erst einmal sacken zu lassen und hat am Ende nicht einmal dazu ausreichend Zeit. Eine Hiobsbotschaft jagt die andere, obwohl die Nachricht von Zieges Rücktritt nicht unbedingt Trauer, Wehmut oder Enttäuschung hervorgerufen hat. Seine Beweggründe seien zwar allein "privater Natur". Doch ehrlich gesagt ist der Glaube an den Klassenerhalt weitaus größer als das Vertrauen in diese Begründung. Die sportlichen und personellen Umstände liegen einfach zu sehr auf der Hand.
Und wenn sich tatsächlich eine gravierende Entwicklung in seinem privaten Umfeld eingestellt haben sollte - Krankheit, Todesfall usw. -, die diesen Entschluss unumgänglich gemacht hat, dann darf man vom Co-Trainer eines Fußball-Bundesligisten zumindest erwarten, dass er etwas Transparenz zeigt und ein wenig konkreter wird. Andernfalls gilt: Weiterlesen.
Wie ein Geier ist Ziege in den vergangenen Monaten über dem Stuhl des Cheftrainers gekreist – wer gerade dort Platz genommen hatte, spielte im Prinzip keine Rolle. Ein gewisser Markus Babbel, einst Zieges Kollege bei den Bayern, beim FC Liverpool, in der U21 und in der A-Nationalmannschaft, hat vorgemacht, wie man sich heimlich, still und leise zum Teamchef mausern kann. Ziege wollte offensichtlich den anderen Weg wählen und solange in Meyers Rücken verharren, bis er ihn mit einem gezielten Schuss aus dem Amt kegeln konnte. Doch das geduldige Warten wurde ihm durch die harsche Kritik, besonders von Rädelsführer Meyer, am ominösen „Kompetenzteam“ deutlich erschwert, in dem er als Sportdirektor sozusagen hauptverantwortlich für die Kaderzusammenstellung war. Also zog er jetzt die Konsequenzen aus dem Durcheinander der letzten Wochen und nahm einen Teil der Schuldenlast auf sich.
Sicherlich ist es im Nachhinein immer leicht, einen ehemaligen Aufstiegshelden plötzlich als gescheiterten Königsmörder darzustellen. Rückblickend jedoch erscheint nun schon Zieges Verpflichtung als Spieler im Sommer 2004 in einem anderen Licht. Der damals 32-jährige hielt noch gut ein Jahr durch und beendete nach nur 13 Partien für die Borussia im Oktober 2005 seine aktive Laufbahn. Holger Fach hatte ihn zuvor noch zum Kapitän befördert und irgendwie fragt man sich unweigerlich, ob ein Spieler wie Ziege seinen körperlichen Zustand nicht wenigstens halbwegs realistisch einzuschätzen konnte – um zu dem Schluss zu kommen: hier geht nicht mehr viel.
Der 72-malige Nationalspieler machte in aller Ruhe den A-Trainer, trainierte anschließend Gladbachs U17. Im Frühjahr der Abstiegssaison musste Peter Pander seinen Hut als Sportdirektor nehmen. Ziege übernahm den Posten, obwohl er bislang keinerlei Erfahrung in diesem Bereich gesammelt hatte. Als Jos Luhukay im Oktober entlassen wurde, gingen viele eigentlich davon aus, dass es das einstige Erfolgsduo nur im Doppelpack gäbe. Doch offensichtlich waren die Fronten zwischen beiden da schon so sehr verhärtet, dass Ziege seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen konnte und zunächst einmal die Konsequenzen der Misere nicht mitzutragen hatte.
Irgendwie gelang es ihm wohl, sich im Zuge von Hans Meyers Verpflichtung auf den Stuhl des Co-Trainers zu schmuggeln – als Chefcoach in spe sozusagen. Ganz ehrlich: Auch ich ging davon aus, dass es für Meyer allein um das Projekt Klassenerhalt gehe und Ziege bei erfolgreichem Abschluss der Mission die nächste Stufe auf der Karriereleiter nehmen würde. Doch in den vergangenen Wochen, als nach ordentlichem Auftakt für Meyer die Sache plötzlich mit vier Pleiten in Serie aus dem Ruder geriet, nahm die einst hoffnungsvolle Verheißung, mit Christian Ziege in absehbarer Zeit den ersehnten Trainertyp der neuen Generation zu bekommen, eher bedrohliche Züge an. Die Borussia dürfte sich nach seinem Rücktritt wie ein provinzielles Mädchen fühlen, das auf dem Schützenfest von einem Jungen aus der Großstadt mächtig verarscht worden ist.
Jetzt ist er eben weg und vielleicht war sein Abgang nur der Anfang. Ziehen andere nach, die in den vergangenen Jahren in sportlicher Hinsicht weitaus gravierender versagt haben, könnte es zu Weihnachten doch noch eine unverhoffte Bescherung geben. Denn vielleicht bekommt der stinkende Fisch namens Borussia dann endlich seinen heiß ersehnten und längst überfälligen neuen Kopf. Ein erfreuliches Geschenk wäre es mit Sicherheit. Auch wenn diese Eskapaden genauso eine traurige Gewissheit enthüllen: Der Mythos hat das Wasser bis zum Hals stehen und versinkt langsam, aber sicher im Chaos.
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Jannik
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Samstag, 13. Dezember 2008
Mission 40/17:
Ohne Netz und doppelten Boden
Die Borussia steckt eine bittere Pleite im Duell mit der Namenscousine aus Dortmund ein und überwintert am Tabellenende. Was das für eine grüne Weihnachtsbaumkugel bedeutet, warum Tony Jantschke trotz Jochbeinbruchs Gehirnerschütterung zu den Gewinnern des Abends zählte und die Antwort auf die Frage, warum „wir uns das überhaupt noch antun“.
Winterpause. Selten steckten in diesem Wort so viel Hoffen und Bangen zugleich. Einerseits herrscht Erleichterung, dass nun sieben borussialose Wochen ins Haus stehen. Sieben Wochen, um sich von den Leiden einer Hinrunde zu erholen, die Stephen King nicht horrormäßiger inszenieren könnte. Andererseits ist da dennoch ein gewisses Maß an Ungeduld. „Entscheidend is“ ja bekanntlich „auf’m Platz“. Da passen sieben Wochen Preißler’sches Nichtstun nicht so recht ins Bild (Preißler’sches Nichtstun = keine Punktspiele). Schließlich will man ja wissen, ob der Horror ab dem 31. Januar weitergeht oder endlich ein Ende findet.
Eigentlich bin ich es leid, jede zweite Rekapitulation einer Niederlage mit den Worten „dabei fing es gar nicht so schlecht an“ zu beginnen. Doch es liegt ja nicht an mir, dass die Borussia inflationär viele Gelegenheiten dazu bietet und in dieser Hinrunde ein Gesicht gezeigt hat, das seinen Namen kaum noch verdient. Also dann, auf ein Neues: Dabei fing es gar nicht so schlecht an.
Das schlechteste an der Anfangsphase (wobei „schlecht“ in Sachen VfL häufig mit „merkwürdig“ oder „gewöhnungsbedürftig“ gleichzusetzen ist) dürften die winterlichen Temperaturen und Hans Meyers Aufstellung sein, die wie einst am 6. Spieltag in Hamburg Erinnerungen an Bern '54 weckt. 3-2-2-2-1 oder doch 5-2-2-1? Wer jetzt noch auf die Gewinnzahlen des Spiels 77 wartet, ist hier zwar fehl am Platz. Die Verwirrung wäre dennoch nachvollziehbar. Es gibt weitaus leichtere Aufgaben, als zu erklären, wie dank dreier Änderungen im Vergleich zum Leverkusen-Spiel aus einem astreinen 4-2-2 mit Mittelfeld-Raute auf einmal ein System wird, das Horst Eckel heute noch mit der Zunge schnalzen lässt.
Der gelbgesperrte Daems wird von Brouwers ersetzt. Der etatmäßige zentrale Mittelfeldspieler Bradley rückt für den gelernten Sechser Alberman in die Startelf, wobei Bradley diesmal den Sechser mimt, während Alberman gegen Leverkusen noch eine Außenposition in der Raute belegt hatte. Patrick „Michael Johnson“ Paauwe tut derweil so, als würde er Libero spielen. Wobei sich Jantschke vor der Abwehr weitaus geschickter dabei anstellt, auf des „Kaisers“ Spuren zu wandeln. Doch Tony Jantschke hat in diesem Abschnitt noch gar nichts zu suchen. Schließlich blieb für ihn taktisch alles beim Alten. Matmour ersetzt zu guter Letzt Colautti, womit Rob Friend wieder allein auf weiter Flur den Strafraum des Gegners beackert. Marin darf, muss und soll wieder zurück auf links, nachdem er sich gegen Leverkusen als echter Zehner hinter den Spitzen noch Bestnoten verdient hatte.
Hans Meyer hat es wahrlich nicht leicht. Aber wer es nicht leicht hat, kann sich das Leben – und das beweist dieses Startelfharikiri in beeindruckender Art und Weise – dennoch zusätzlich schwer machen. Einmal beließ einer der drei Borussentrainer dieser Vorrunde im Vergleich zur Vorwoche alles beim Alten. Gegen Hannover schickte Jos Luhukay dieselbe Elf auf den Platz, die gegen Bremen die bis heute wohl beste Saisonleistung gezeigt hatte – und verlor mit 1:5. Ganz so schlimm wurde es danach nicht mehr. Seit dem zehnten Spieltag, dem 0:3 in Wolfsburg, verlor Gladbach nie mehr mit mehr als zwei Toren Differenz und erzielte in jedem der darauffolgenden sechs Spiele mindestens einen Treffer. Was mich in den Anfangsminuten zu einer Erkenntnis führt, wie Berti Vogts, Rudi Völler und Alexandar Ristic sie zusammen nicht schöner formulieren könnten: Wenn wir zu Null spielen, nehmen wir auf den Fall was mit aus Dortmund.
Zwanzig Minuten sind rum im Signal-Iduna-Park, als es den Anschein hat, dass das Schlusslicht der Bundesliga sich sowohl im Angriff als auch in der Abwehr untreu wird. Bis auf eine kleine Drangphase des BVB in den ersten Minuten, als Gohouri und Co. wohl austesten wollten, ob dieser Subotic wirklich so gefährlich nach Standards ist, hat sich die Gladbacher Defensive bislang von ihrer besten Seite gezeigt. Nachdem Friend und Konsorten in den Spielen zuvor noch tausend Chancentode gestorben waren, hielten sie sich in den ersten Minuten vornehm zurück. Getreu dem Motto: Wer keine Chancen bekommt, kann auch keine vergeben. Dass dies das Motto der gesamten 90 Minuten werden sollte, war ursprünglich nicht vorgesehen.
Während die Strafräume des Gegners für beide Mannschaften noch Böhmische Berge sind, ist der Acker um den Mittelkreis schon dreimal umgepflügt worden. Führend am Pflug: Gladbachs Youngster Tony Jantschke, der Dortmunds größten Gefahrenherd, Tamas Hajnal, bis zu diesem Zeitpunkt mit einer Ruhe und Eleganz abkocht, die fast schon „kaiserliche“ Züge trägt. Mir ist es zwar vergönnt geblieben, Franz Beckenbauer in jungen Jahren zu erleben. Doch so ähnlich muss es anno 1966 ausgesehen haben.
Leider sind die Fohlen im Dezember ein derart zweischneidiges Schwert, dass man selbst einem aufstrebenden 18-jährigen neben all der frohen Verheißung für die Zukunft auch etwas Negatives abgewinnen muss. Jantschke ist in Hälfte eins nämlich der einzige, der weder mit Passivität noch mit Stümperhaftigkeit Aufsehen erregt, sondern den Riegel vor der Gladbacher Fünferkette besonnen und vollkommen unaufgeregt zusammenhält. Ein Bundesligist an zwei seidenen Fäden, die 18 und 19 Jahre alt sind. Jantschke und Marin als Hoffnungsträger. Erschreckend schön.
Keine Torchancen, keine erfrischenden Angriffe, nicht einmal ein paar Kabinettstückchen, die das Stückwerk der ersten halben Stunde irgendwie retuschieren könnten. Das einzig Nennenswerte: Tamas Hajnal sieht die gelbe Karte von Schriri Knut Kircher. In der Sportschau tritt man solchen Ausschnitten immer mit einem verwunderten „Na und?“ entgegen, um binnen einer Sekunde festzustellen, dass die Regie sich etwas dabei gedacht haben wird, eine Allerweltsverwarnung in den Spielbericht einzubauen.
Doch bevor das Sportschau-Rätsel aufgelöst wird, steigt der Puls der Beteiligten erstmals in den dreistelligen Bereich. Steve Gohouri jubelt noch während einer Kopfballabwehr so ausgelassen über den gewonnenen Zweikampf, dass er den Ball genau vor Zidans Füße klärt. Der Ägypter zieht ansatzlos ab und schon schlägt es fünf vor zwölf. 80.000 werden unerwartet aus dem Schlaf gerissen. Dortmund führt mit 1:0 und zerschlägt Gladbachs bescheidene Hoffnung, erstmals seit dem 12. Spieltag nicht ins Hintertreffen zu geraten. Hätte Heimeroth nicht sieben Meter vor dem Tor gestanden, wäre es möglich gewesen, noch zwei, drei Fingerspitzen an den wenig platzierten Sonntagsschuss zu bekommen. Doch man kann dem viel gescholtenen Keeper kaum einen Vorwurf machen. Wer kann schon damit rechnen, dass der Ball nach einer scheinbar erfolgreichen Kopfballabwehr innerhalb von zwei Sekunden mit 100 Stundenkilometern zurückgeflogen kommt? Wobei ein Torwart, der in der Defensive gezwungenermaßen auf Steve Gohouri zählt, eigentlich auf alles vom Meteoriteneinschlag bis zur Sintflut gefasst sein muss.
Plötzlich ertönt Jürgen Wegmanns Stimme. Die „Kobra“ gibt wie gewohnt seinen Klassiker zum Besten: „Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu.“
Übrigens tauscht der unberechenbare Gohouri bereits in der Halbzeit das Trikot mit dem Torschützen Zidan. Ich bin eigentlich kein Fan von Ausrufezeichnen zur Verdeutlichung eines schier unfassbaren Sachverhaltes. Hier jedoch ist es unumgänglich. Ausrufezeichen!
In der 37. Minute wird Christofer Heimeroth plötzlich wieder geweckt, der innerhalb von zwei Minuten eingenickt war. Vielleicht muss er Roman Weidenfeller, mit dem er zuvor eine halbe Stunde lang über die Vorzüge einer Handy-Flatrate am Telefon geplaudert hatte, auch einfach nur kurz mit den Worten „Moment, Roman, ich muss mal eben aus dem Tor, es hat geklingelt“ vertrösten. Nach einer Flanke schmeißt Gladbachs Keeper entschlossen den Hörer zur Seite und stürmt aus dem Tor, um den Ball sicher zu ergattern. Heimeroth ist schon wieder auf dem Weg zurück, um den Telefonhörer zu suchen, als plötzlich Tamas „Der Verwarnte“ Hajnal auf ihn zugerauscht kommt und ihm mit den Stollen die ungarische Nationalhymne in den Oberschenkel ritzt.
Gladbachs Keeper wird ein paar Minuten lang behandelt, die Wunde getackert. Vielleicht dauert es auch nur so lange, weil der Mannschaftsarzt kurz verweilt, um Versen wie „Kedves öröm röpkedtek“ ein wenig Bewunderung zu schenken (was so viel heißt wie „Freude und Glück fliegen“). Hajnal nimmt sich diesen Ausschnitt sogar so zu Herzen, dass er in der Folge selber fliegt – vom Platz. Gladbach wird die letzten 52 Minuten in Überzahl spielen und auf einmal ist ein dumpfer Schlag zu vernehmen. Jürgen Wegmann ist kurzerhand ausgeknockt worden.
Noch vor der Pause jedoch rappelt sich die „Kobra“ auf und schleppt sich mit letzter Kraft zum Mikro, um zu verkünden: „Ich hab‘s euch doch gesagt. Erst hatten wird kein Glück, dann…“
Tony Jantschke, wir erinnern uns – der Beckenbauer-Verschnitt, liegt nämlich benommen am Boden. Gladbachs einziger Hoffnungsträger einer ersten Halbzeit, die bis auf ein Tor und einen Platzverweis gar nicht existiert hat, ist gerade von Dortmunds Błaszczykowski (der mit den sechs Konsonanten hintereinander) übel mit dem Ellbogen getroffen worden. „Kuba“ sieht dafür die Gelbe Karte, Jantschke sieht dafür anscheinend erst einmal gar nichts mehr. Mit hängenden Armen wird der 18-jährige vom Platz getragen und mit ihm ein so großer Hoffnungsschimmer, dass das Flutlicht eigentlich von jetzt auf gleich ausgehen müsste. Am 12. Dezember um 21:21 Uhr ist es eine Szene, die kaum symbolischer für eine alptraumhafte Hinrunde stehen könnte.
Jochbeinbruch lautet die erste Diagnose. Wer mit vollem Tempo gegen einen „stehenden“ Ellbogen läuft, muss schon verdammt schnell unterwegs sein, um sich das Jochbein zu brechen. Man muss schon verdammt hart zuschlagen, um einem stehenden Spieler mit dem Ellbogen das Jochbein zu brechen. Und selbst wenn der Getroffene sich bewegt, bedarf es immer noch eines gezielten und wuchtigen Schlages, um einem Spieler mit dem Ellbogen das Jochbein zu brechen. Soviel an dieser Stelle zum Thema Jochbeinbrüche aus dem Buch „Gesichtsfrakturen, die man nicht einmal seinem ärgsten Feind wünscht“.
Colautti kommt in Minute 45+5 für den ohnmächtigen Jantschke, der trotz Bewusstlosigkeit zu den glücklichsten Borussen zählt. Denn alles, was danach noch kommt, kriegt er nicht mehr mit. Hans Meyer ergreift demnach gleich die Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen, und reagiert auf die Überzahl seiner Mannschaft.
Eigentlich müsste jedes Team, das solch eine dürftige Leistung wie der BVB gezeigt und zudem noch eine Hälfte lang in Unterzahl zu spielen hat, mit schlotternden Knien aus der Kabine kommen und einem Sturmlauf des Gegners ängstlich ins Gesicht blicken. Doch das macht eben diesen elendigen Reiz der Gladbacher Vorrunde aus: Normal ist nur das Unnormale.
Und ironischerweise ist es genau dieses unausgewogene Verhältnis zwischen Logik und Realität, das den Tabellenletzten so berechenbar macht. Denn zu Beginn der zweiten Hälfte scheint klar: Gladbach wird die ersten zehn Minuten anstürmen – bis die Drangphase von einem Gegentor aus heiterem Himmel jäh beendet wird. Mit dem letzten Teil der Prophezeiung sollte ich sogar Recht behalten. Wobei ein Stelldichein des erhofften Gladbacher Offensivspektakel weitaus positiver gewesen wäre.
Und so kommt es, wie es kommen muss: Dorda, Brouwers und Gohouri kümmern sich zu Dritt zum Kuba. Paauwe trabt lässig hinterher. Es fehlt nur noch eine wehende Mähne, die er dabei lasziv traktieren würde wie ein gebräunter Adonis-Verschnitt. Doch das wäre dann auch zu viel der Arroganz. Während der trabende Captain sich also im Flutlich sonnt, macht Tobias Levels ausnahmsweise alles richtig und rückt an Zidans Seite in die Mitte. Dass dadurch die gesamte linke Seite offen ist wie diverse Großdiscounter samstags um 20:30 Uhr, geht also nicht einmal auf seine Kappe. Der eingewechselte Sahin hat deshalb keine Mühe, zum 2:0 einzuschieben und damit zum fünften Mal in Folge dafür zu sorgen, dass der VfL mit exakt diesem Resultat ins Hintertreffen gerät. Zu Beginn dieser erschreckenden Serie hatten Friend und Bradley wenigstens noch innerhalb von 137 Sekunden den Ausgleich gegen die Bayern besorgt. Vier Wochen später ist das zweite Gegentor – wie so oft – das Gladbacher Todesurteil.
Nach dem 0:3 durch Helmes letzte Woche hatte ich mir eine „richtig herbe Klatsche“ gewünscht, um die klaffenden Wunden noch weiter aufzureißen. Kaum war es ausgesprochen bzw. geschrieben, raffte sich die Borussia auf und brachte Bayer unverhofft ein wenig in die Bredouille. Und weil in Gladbach sogar die Berechenbarkeit berechenbar ist, kommt es, wie es zu kommen hat: Van den Bergh trifft glücklich, beherzt und mit dem zweiten Sonntagsschuss des Abends zum 1:2. Dass da bereits 80 Minuten gespielt sind, in der Zwischenzeit wenig passiert ist und ich zur selben Zeit „mal eben für kleine Jungs“ bin, ist eine scheinbar kleine Randnotiz mit großer Aussagekraft.
Zum dritten Mal in Folge nehme ich ein Tor der Borussia im Sitzen zur Kenntnis. Zum dritten Mal in Folge will sich nicht so recht Freude einstellen. Wer in den letzten zehn Minuten eine BVB-Brille trägt und sich noch um die scheinbar sicheren drei Punkte sorgt, der verschwendet ein paar wertvolle Fünkchen seiner Energie. Gladbach drängt nämlich genauso wenig auf den Ausgleich wie „Die Linke“ auf die Wiedereinführung der Monarchie.
Die vierte Pleite in Serie ist kurz darauf besiegelt. Wer eine 1:2-Niederlage nach zuletzt drei 1:3-Spielen in Serie als Fortschritt empfindet, der glaubt vermutlich auch ans Christkind und trägt Heiligabend ein Mario-Barth-T-Shirt, weil er es „so unendlich lustig“ findet. Vor einer Woche habe ich noch fest daran geglaubt, dass drei fundierte Neueinkäufe – ein Torwart, ein Innen- und ein Außenverteidiger – die Rettung bringen könnten. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass selbst fünfzehn Zu- und ebenso viele Abgänge dieses Unterfangen kaum erleichtern würden.
Vier Millionen für Steve Gohouri? Wer so verrückt ist, ein derartiges Angebot überhaupt in die Welt zu setzen, der sollte auch dafür bestraft werden, indem er den Zuschlag erhält. Meinetwegen könnten wir uns auf 3,8 einigen. Wenn schließlich selbst ein prädestinierter Führungsspieler wie Patrick Paauwe nur noch mit Passivität, Arroganz und Stümperhaftigkeit glänzt, dann weiß ich selbst weder ein noch aus. Und angesichts eines erneuten Kaufrausches, der vonnöten ist, der sich anbahnt, jedoch nicht in den Ausmaßen von 2005 vollzogen werden wird, bleibt nur ein einziger Schluss: Der Fisch stinkt vom Kopf. Und wenn der Fisch schon nicht in seiner ganzen stinkenden Fülle ausgetauscht werden kann, dann sollte er wenigstens den ersehnten neuen Kopf erhalten.
Es ist schier unerklärlich, wie ein Verein, der sich nicht umsonst mit dem „Mythos“ rühmt innerhalb so kurzer Zeit zum wiederholten Male vor die Wand gefahren werden kann. Die leidgeprüfte Fanbasis, das hochgelobte Stadion, die soliden finanziellen Grundlagen – all das steht in krassem Gegensatz zum Ertrag. Die Borussia ist auf dem besten Weg, zur Fahrstuhlmannschaft zu verkommen.
Spiele wie diese sind es dennoch, die immer wieder daran erinnern, warum man sich „das eigentlich noch antut“. Es ist nicht die Identifikation mit einer Söldnertruppe, gespickt mit wenigen Lichtblicken aus dem eigenen Nachwuchs, die diese unnachahmliche Anziehungskraft ausübt. Auch wenn es für Außenstehende vielleicht zu pathetisch klingt: Allein der Mythos ist es, der – ganz bewusst ohne Anführungszeichen – diesen Klub am Leben hält. Und wenn es schon nur die Jantschkes und Marins sind, die wenigstens ein paar Sympathiepunkte erringen, dann können wir die Blumentöpfe, die wir mit solch einer Mannschaft gewinnen, wenigstens mit unseren Eigengewächsen bepflanzen.
Somit werden wir auch beim nächsten Spiel da sein. Ist doch klar. Und wir werden verharren, wie wir es seit Jahren tun. Auf die seltenen Momente warten, die uns daran erinnern, warum wir uns das ganze Leid – wie gerade thematisiert – überhaupt noch antun: Weil wir nicht anders können und weil es diese 137 Sekunden gegen Bayern sind, die noch lange danach einen Widerhall finden und über vieles hinwegtrösten. Auch wenn – und das ist ja das Traurige an der Sache – solche ekstatischen Momente am Ende einen einzigen Punkt bringen und uns einmal in 17 Spielen wiederfahren.
Mein Großvater hängt Jahr für Jahr eine grüne Kugel mit Borussenraute an den Weihnachtsbaum. Jedes Jahr findet sie ihren Platz gemäß des Tabellenstandes zur Winterpause. 2007 hing sie direkt unter der Spitze. Diesmal wird sie sich ganz unten einfinden. Obwohl die Hoffnung gestern Abend weiter geschwunden ist, lebt sie als dezentes Kammerflimmern weiter. Ist doch klar.
Eingestellt von
Jannik
um
15:42
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Labels: Bundesliga, Gladbach




